Regine Mispelkamp und Highlander Delights: Wie die Vorbereitung der Para-Dressurreiterin für die WM aussieht, hat sie mit HOOFORIA besprochen. © Stefan Lafrentz

Regine Mispelkamp und Highlander Delights: Wie die Vorbereitung der Para-Dressurreiterin für die WM aussieht, hat sie mit HOOFORIA besprochen.

Die Heim-WM in Aachen rückt näher. Paralympics-Medaillengewinnerin Regine Mispelkamp spricht mit Hooforia über die Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt, die besonderen Anforderungen des Parasports und darüber, warum Inklusion im Pferdesport mehr sein sollte als ein Schlagwort.

Hooforia: Wie präsent war das Thema Weltmeisterschaft zu Beginn des Jahres?

Natürlich richtet sich die gesamte Saisonplanung darauf aus. Gemeinsam mit unserer Bundestrainerin Silke Fütterer-Sommer wird früh festgelegt, wie die Saison aufgebaut werden soll. Dazu gehören die Turnierplanung, das Training und sportmedizinische Untersuchungen für Athleten und Pferde. Auf dieser Grundlage entsteht ein individueller Plan, der uns durch die Saison begleitet.

Jedes Pferd braucht seinen eigenen Plan

Regine, Du hast mit Highlander Delight’s und Pramwaldhof’s Bayala OLD gleich zwei potenzielle WM-Pferde. Wie triffst du die Entscheidungen?

Man muss seine Pferde irgendwann in- und auswendig kennen. Die wichtigste Frage lautet jeden Tag: Was braucht mein Pferd gerade? Bayala und Lights sind völlig unterschiedlich. Bayala braucht beispielsweise nicht viele Trainingseinheiten, um in Topform zu sein. Dafür nimmt sie ihre Umgebung sehr intensiv wahr. Lights ist zu Hause eher gelassen, benötigt aber mehr Arbeit, um körperlich optimal durchlässig zu bleiben.

Auch das gesamte Management unterscheidet sich. Das beginnt beim Aufwärmen und reicht bis zur Turnierplanung. Man muss genau wissen, welches Pferd sich auf welchem Turnier wohlfühlt. Planung ist wichtig, aber man muss immer flexibel bleiben.

Was viele über den Parasport nicht wissen

Welche Herausforderungen werden im Parasport oft unterschätzt?

Viele Menschen machen sich keine Vorstellung davon, was hinter dem Leistungssport alles steckt. Dazu gehören Dopingkontrollen, feste Meldepflichten und eine sehr genaue Organisation des Alltags. Hinzu kommt, dass die Anforderungen je nach Handicap sehr unterschiedlich sind. Für manche Reiterinnen und Reiter muss der gesamte Turniertag minutiös geplant werden. Wann geht es aufs Pferd? Wann beginnt die Prüfung? Wie lange kann die Muskulatur belastet werden? Das sind Dinge, über die sich Außenstehende oft keine Gedanken machen. Deshalb wünschen wir uns, dass der Parasport noch stärker wahrgenommen wird.

Warum Aachen so besonders ist

Welche Bedeutung hat die WM in Aachen für euch?

Aachen ist für uns etwas ganz Besonderes. Vor allem wird dort Inklusion wirklich gelebt. Genau so sollte es sein: Parasport gemeinsam mit den anderen Disziplinen auf einer Veranstaltung. Wir sind unglaublich stolz und glücklich darüber. Wenn ich mit Sportlern aus anderen Disziplinen spreche, merken wir oft, dass es solche gemeinsamen Veranstaltungen dort gar nicht gibt. Umso wichtiger ist es, wenn Veranstalter wie Aachen zeigen, dass es auch anders geht. Es ist unser aller Aufgabe, Hemmschwellen abzubauen. Denn wir sind wie jeder andere auch. Wir sind Teil des Ganzen.

Kurz vor der WM wird nichts mehr verändert

Wie sehen die letzten Wochen vor einem Championat aus?

Vor der endgültigen Nominierung weiß niemand sicher, ob er tatsächlich dabei sein wird. Deshalb ist diese Zeit auch mental besonders. Im Training geht es jetzt vor allem darum, Bewährtes zu erhalten. Natürlich arbeitet man weiter an Feinheiten. Aber große Veränderungen kurz vor dem Saisonhöhepunkt wären eher kontraproduktiv. Wichtig ist vor allem, dass die Pferde gesund und zufrieden bleiben. Man muss nichts mehr erzwingen.

„Man sollte sein Pferd wirklich kennenlernen“

Was möchtest du allen Reitern mit auf den Weg geben?

Das Allerwichtigste ist, sich die Zeit zu nehmen, sein Pferd wirklich kennenzulernen. Was braucht es? Wie fühlt es sich an? Wie reagiert es auf bestimmte Situationen? Leider wird manchmal zu schnell vorgegangen. Dabei lohnt es sich oft, noch einmal einen Schritt zurückzugehen und Dinge neu aufzubauen. Man sollte flexibel bleiben und offen dafür sein, immer weiter dazuzulernen. Genau das macht den Reiz unseres Sports aus: Pferde sind jeden Tag ein bisschen anders. Man entdeckt immer wieder neue Facetten und wächst gemeinsam weiter.

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