Teamwork: Frederic Wandres, sein Partner Lars Ligus und Bluetooth OLD sind laut eigener Aussage "ein Dreigestirn". © Sharon Vendeput

Teamwork: Frederic Wandres, sein Partner Lars Ligus und Bluetooth OLD sind laut eigener Aussage "ein Dreigestirn".

Nach seinem Doppelsieg beim Nationenpreisturnier in Hagen steht es jetzt fest: Frederic Wandres ist auch für die Weltmeisterschaft in Aachen nominiert. Gemeinsam mit Bluetooth OLD überzeugte er zuletzt mit über 80 Prozent in der Kür. Im Gespräch mit Hooforia verrät der Olympiasieger, wie die Vorbereitung auf Aachen aussieht, warum Spitzenpferde nicht ständig Turniere gehen müssen und weshalb er von einem „Dreigestirn“ aus Reiter, Pfleger und Pferd spricht.

Hooforia: Wann beginnt die Vorbereitung auf die WM wirklich?

Die Vorbereitung zieht sich wirklich sehr lange hin. Bluetooth und ich haben ja das Glück, dass wir zusammen seit 2023 an allen Championaten teilnehmen durften. Das bringt natürlich eine gewisse Routine mit sich, die eigentlich unbezahlbar ist.

Für meinen Lebensgefährten Lars Ligus und mich sowie für unser ganzes Team funktioniert es am besten, dass wir uns wirklich zum Jahreswechsel einmal zusammensetzen. Da sind dann alle Beteiligten da, die eine echte Rolle spielen für das große Ziel und wir überlegen, wie, was, wann und wo. Sobald wir dann in den Januar starten, haben wir ungefähr schon einen ganz groben Turnierplan. Es kann sich immer alles noch mal ändern, weil es einfach angepasst werden muss. Allerdings ist es ein Gerüst und ich muss sagen, es war dann fast immer auch genau der Plan, den wir so durchgezogen haben.

Frühe Planung, so genau wie möglich, aber mit eben diesen ganzen möglichen Variablen ist – vielleicht im wahrsten Sinne des Wortes – Gold wert. Allerdings ist es ja nicht nur die Turnierplanung, die unser Jahr prägt. Ich muss immer wieder genau zurückrechnen, wann der nächste Termin beim Hufschmied ansteht, wann wir nochmal beim Tierarzt vorstellig werden müssen und so weiter.

Was macht das Management eines 16-jährigen Championatspferdes besonders?

Das Management eines 16-jährigen Pferdes unterscheidet sich gar nicht so viel von dem Management damals in Paris vor zwei Jahren. Bluetooth kannte und kennt alle Lektionen. Natürlich kann man immer Stellschrauben verbessern, egal in welchem Alter. Trotzdem hat er natürlich schon die Routine und Souveränität, die vielleicht ein jüngeres Pferd noch nicht hat. Mein Chef Ulrich Kasselmann lebt immer getreu nach dem Motto: Bluetooth und früher auch Duke of Britain sind wie ein guter Rotwein. Immer schön lagern und zu besonderen Anlässen genießen. Und so halten wir es auch.

Unsere Philosophie ist, dass man es mit den guten Championatspferden auf keinen Fall übertreiben sollte. Wir sind kein Freund davon, bei zehn internationalen CDIs im Jahr am Start zu sein und noch mal und noch mal und noch mal. Es geht darum, gesund zu erhalten und die Zeit zwischen den Turnieren auch wieder runterzukommen. Wir vergessen dann die Dressuraufgaben und machen etwas ganz anderes, sei es Rennbahn oder Ausreiten.

Wie fühlt sich die Zeit vor einer möglichen WM-Nominierung an?

Vor solch einem Großevent heißt es wirklich für jeden von uns, immer wieder von Neuem voll zu performen. Tatsächlich ist bei niemandem die Nominierung sicher, bis nicht am Tag X fest aufgestellt wird. Daher gibt es natürlich schon unterschiedliche Gefühlslagen. Da ist die positive Anspannung, vielleicht aber auch manchmal Fragezeichen, ob alles passt. Und doch habe ich natürlich den großen übergeordneten Traum, in Aachen im Springstadion zu reiten. Aachen ist sowieso das Lieblingsturnier schlechthin. Und ja, ich krieg jetzt schon beim Erzählen Gänsehaut! Das ist wirklich ein sehr, sehr großer Traum!

Wie sieht das Training in den letzten Wochen vor einem Championat aus?

Das Training für Bluetooth gestaltet sich Tag für Tag neu. Ich plane immer so etwa zwei bis drei Tage voraus. Klar spielt ganz viel eine Rolle, so beispielsweise auch das heiße Wetter. Wenn ich weiß, es werden morgen über 30 Grad, dann reite ich im Laufe des Vormittags bis 10 Uhr in der Halle und passe mein Training dann natürlich ein bisschen an.

Ansonsten gibt es derzeit eher lockeres Training. Eine Woche vor einem wichtigen Turnier ziehen wir das Training ein wenig an, auch zusammen mit der Bundestrainerin. Danach fahren wir nochmal ein paar Tage runter übers Wochenende, um am Anfang der Turnierwoche fit zu sein. Es ist wichtig, dass das Pferd dann auf den Punkt voller Kraft ist und auch Lust hat, zum Turnier zu fahren.

Einfach mal die Seele baumeln lassen: Frederic Wandres und sein Partner Lars Ligus legen viel Wert darauf, den Pferden Abwechslung zu bieten.

Einfach mal die Seele baumeln lassen: Frederic Wandres und sein Partner Lars Ligus legen viel Wert darauf, den Pferden Abwechslung zu bieten. (© Stefan Lafrentz)

Welche Rolle spielt Lars Ligus auf dem Weg nach Aachen?

Er ist in dieser Konstellation absolut nicht wegzudenken. Lars trägt genauso viel zum Erfolg und zur Partnerschaft bei wie ich auch. Also es ist, ich würde sagen, es ist nicht eine Partnerschaft von uns beiden, sondern es ist eher ein Dreigestirn, was wir haben. Wir beide und Bluetooth. Er kennt das Pferd genauso in- und auswendig wie ich und Bluetooth kennt auch ihn.

Auf Turnieren ist er oft rund um die Uhr bei ihm. Wenn ich Presse- oder Sponsorentermine habe, weiß ich, dass jemand im Stall ist, der Bluetooth bis ins letzte Detail kennt. Ich kann dem, was Lars macht, blind vertrauen. Das nimmt einfach unheimlich viel Druck raus. Und obwohl wir inzwischen viel Routine haben, gibt es kurz vor einem Championat keinen Punkt, an dem man völlig entspannt ist. Ich habe immer den Eindruck, man vergisst irgendwas.

Der Traum von Aachen: Frederic Wandres und sein Erfolgspferd Bluetooth, hier beim CHIO 2025, träumen davon, wieder in Aachen dabei zu sein.

Der Traum von Aachen: Frederic Wandres und sein Erfolgspferd Bluetooth, hier beim CHIO 2025, träumen davon, wieder in Aachen dabei zu sein. (© Sharon Vendeput)

Gibt es etwas, das du allen Reitern – egal auf welchem Niveau – mitgeben würdest?

Ich glaube, das Wichtigste ist, einen Plan zu haben und diesen auch mit allen Beteiligten zu teilen. Es sind so viele Menschen an einem Pferd beteiligt – Hufschmied, Tierarzt, Physio, Trainer und viele mehr. Wenn alle wissen, wann, wie, was und wo passieren soll, klappt es meistens sehr gut. Und ich glaube, man sollte sich trauen, auch mal etwas anderes zu machen. Unsere Pferde profitieren davon, neue Eindrücke zu bekommen und den Kopf frei zu bekommen, die Umgebung zu entdecken und dann eben rechtzeitig wieder das Training aufzunehmen und sich vorzubereiten.

INTERVIEW: Alexandra Koch

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