Hufe von Pferd (Einfluss auf Schiefe) © Christiane Slawik

Man muss sich das Pferd immer im Gesamten ansehen, nicht nur die Hufe. Ansonsten bleibt die Hufbearbeitung nur eine Symptombekämpfung, aber zur Ursache dringt man nicht vor.

Hooforia: Wie hängen Schiefe, Schulter und Hufe beim Pferd zusammen?

Dr. Michael Zanger: Einseitigkeit, Schiefe, Trageerschöpfung – das alles hat einen Einfluss auf die Schulter und damit auf die Hufe des Pferdes. Zeigt ein Pferd eine natürliche Schiefe, belastet es eine Schulter stärker als die andere. Dadurch wird der Vorderhuf auf der einen Seite flacher, weil er mehr Last tragen muss, der andere steiler, weil er entlastet wird.

Oft sind Pferde links schief. Das kann der Besitzer sehen, wenn er hinter dem Pferd steht. Der Haaransatz des linken Vorderhufes liegt tiefer als der des rechten. Aber es geht auch andersherum. Falsch bearbeitete Hufe können ebenfalls zu einer Schiefe beim Pferd führen.

Wann wird die Schiefe beim Pferd zum Problem?

Wenn weitere Faktoren die Last auf dem linken Vorderhuf verstärken, wird es schwierig. Reiter, die nur von links führen und aufsteigen oder mehr auf der linken als auf der rechten Hand trainieren, erhöhen die Schiefe beim Pferd. Das Trainingsverhalten sollte kritisch hinterfragt werden. Auch Stress sollte vermieden werden, denn ein Pferd begutachtet Unbekanntes immer mit dem linken Auge.

Schätzt es etwas als Gefahr ein, geht es in eine Fluchthaltung. Dies führt zu einer weiteren Ungleichbelastung. Der Hufschmied kann die Hufe zwar ein Stück weit korrigieren, aber die Ursache, wie zum Beispiel Unsicherheit, eine falsche Haltung oder einseitiges Training, damit nicht beheben. Wird der Unterschied zwischen links und rechts zu groß, kippt das System.

Dr. Michael Zanger

Er zeigt die Wechselwirkung zwischen den Hufen und der Vorderhand des Pferdes auf: Dr. Michael Zanger, Hufbeschlagsschmied und Gründer des Aus- und Weiterbildungsbetriebes LTZ. (© Privat)

Wie wirkt sich ein flacher Vorderhuf aus?

Ein flacher Vorderhuf verändert das sensible Gleichgewicht des Pferdes. Er ist vergleichbar mit einer Taucherflosse. Sitzt sie am Fuß, muss der Mensch sein Bein mit viel mehr Kraft vom Boden anheben, bevor er es nach vorne führen kann. Das Laufen gelingt nur mühsam. Die Muskeln verrichten Mehrarbeit und verspannen. Beim Pferd ist es ähnlich. Es kann die Schulter nicht mehr frei nach vorne führen.

Welche Folgen hat eine Verspannung?

Verspannte Muskeln im Schulterbereich haben Folgen für den gesamten Körper. Beobachtet man sein Pferd von vorne im Schritt, sollte der Kopf eine liegende Acht ausführen. Häufig wird der Kopf aber nur vermehrt rauf und runter oder gar nicht bewegt. Das sind Alarmzeichen. Da im Schulterbereich auch die lange Zungenbeinmuskulatur endet, kann eine Verspannung dazu führen, dass die Nahrung im Maul nicht mehr ausreichend für den Verdauungstrakt vorbereitet wird.

So kann hier eine Symptomatik auftreten. Oft pendelt der Rumpf stärker nach rechts, weil dort der Blinddarm sitzt. Das verschiebt die gesamte Hinterhand. Man muss sich das Pferd immer im Gesamten ansehen, nicht nur die Hufe. Ansonsten bleibt die Hufbearbeitung eine reine Symptombekämpfung, aber zur Ursache dringt man nicht vor.

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