Ist alles okay bei dir? Pferdebesitzer müssen sich seit der Novellierung der GOT auf höhere Tierarztkosten einstellen. Und die könnten weiter steigen.
Die Gebührenordnung für Tierärzte wird gerade erst auf ihre Folgen überprüft. Nun fordern Verbände der Tierärzteschaft höhere Gebühren und einen Mechanismus für regelmäßige Anpassungen. Für Pferdehalter kommt die Forderung mitten in einer Debatte, die längst nicht beendet ist. HOOFORIA hat für die aktuelle Titelgeschichte genauer hingeschaut.
Tierärzte fordern regelmäßige Anpassung der Gebühren
Die Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT) ist seit ihrer Novellierung eines der großen Streitthemen unter Tierhaltern. Die GOT regelt bundesweit, welche Leistungen berechnet werden dürfen und in welchem Rahmen sie liegen. Die bisherige Fassung stammte in weiten Teilen aus dem Jahr 1999 und wurde – nach stückweisen Anpassungen über die Jahre – Ende 2022 grundlegend überarbeitet.
Seitdem gibt es viele Beschwerden, dass die Kosten für Tierhalter nicht mehr zu kalkulieren und zu stemmen sind. Unter anderem deshalb wird sie derzeit im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) wissenschaftlich evaluiert.
Tierarztkosten fürs Pferd: Die Evaluation Ende 2026
Die Ergebnisse werden Ende 2026 erwartet. Noch bevor diese aber vorliegen, kommt nun eine neue Forderung aus der Tierärzteschaft: Der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt), der Wirtschaftsverband Freier Großtierärzte (WFG) und der Verbund Unabhängiger Kleintierkliniken (VUK) sprechen sich nicht nur für höhere Tierarztgebühren aus. Sie wollen einen regelmäßigen Anpassungsmechanismus etablieren. Darüber berichtete unter anderem top agrar.
Die Verbände begründen ihre Forderung mit steigenden Kosten für Personal, Energie und Material. Immer weniger Tierärztinnen und Tierärzte wagten den Schritt in die Selbstständigkeit, die Zahl der Praxen gehe zurück. Besonders im ländlichen Raum sehen die Verbände dadurch die flächendeckende Versorgung gefährdet.
Die GOT steht ohnehin auf dem Prüfstand
Die Forderung kommt zu einem sensiblen Zeitpunkt. Denn seit Inkrafttreten der neuen GOT am 22. November 2022 berichten Tierhalter von erheblich gestiegenen Rechnungen. Auch Pferdeversicherer beobachten eine deutliche Veränderung bei den eingereichten Kosten. Genau deshalb wird die GOT derzeit evaluiert. Danach soll entschieden werden, ob und wo nachgebessert werden muss. Und die Debatte dreht sich längst nicht mehr nur um die Frage, was gute Tiermedizin kosten darf.
Hat die GOT ihr Ziel verfehlt?
Denn Ziel der Reform war es, die flächendeckende Versorgung der Tiere langfristig zu sichern. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) betont, dass die GOT sowohl den berechtigten Interessen der Tierärzteschaft als auch der Tierhalter Rechnung tragen sollte.
Doch: Warum sind auch Routineleistungen wie Impfungen oder Zahnbehandlungen deutlich teurer geworden? Welche Rolle spielt der medizinische Fortschritt tatsächlich? Wie groß ist der Spielraum bei der Anwendung der GOT? Was verändert sich durch Klinikgruppen und Investoren? Und welchen Einfluss hat es, wenn ein Pferd umfangreich versichert ist?

Hui, das kann teuer werden: Moderne Diagnostik kann sich schnell auf die Höhe der Tierarztrechnung auswirken. (© Christiane Slawik)
HOOFORIA hat Versicherer, Tierärzte und Verbände gefragt
Für unsere aktuelle Titelgeschichte „Diagnose: unbezahlbar?“ haben wir die verschiedenen Seiten dieser Debatte zusammengebracht. Wir haben mit Pferdetierärzten und der Bundestierärztekammer gesprochen, Pferdesport Deutschland und die Vereinigung Deutscher Tierhalter (VDTH) befragt und das BMLEH um Stellungnahme gebeten. Hinzu kommen Gespräche mit Versicherungsexperten und vier großen Anbietern von Pferdeversicherungen: Allianz, Agria, Uelzener und BarmeniaGothaer.
Außerdem haben wir uns angesehen, wie andere europäische Länder Tierarzthonorare regeln, Pferdehalter nach ihren Erfahrungen gefragt und alte und neue Tierarztrechnungen miteinander verglichen.
Was Versicherer bei den Tierarztkosten fürs Pferd beobachten
Allein die Zahlen der Versicherer zeigen, welche Dimension die Entwicklung angenommen hat. Ein Ergebnis der Recherche: Die durchschnittlichen Kosten pro Leistungsfall sind seit der GOT-Novelle um mehr als 50 Prozent gestiegen. Eine Kolikoperation kostet dort heute im Durchschnitt rund 14.000 Euro – zuvor waren es etwa 8.000 Euro. Alle Versicherer berichten von höheren Durchschnittskosten und steigenden Schadenssummen.
Was diese Zahlen für Pferdehalter in der Praxis bedeuten können, erlebt Versicherungsmaklerin Christine Schramm seit Jahren. Sie beobachtet, wie stark die Kosten für tierärztliche Behandlungen gestiegen sind. „Wir haben Rechnungen auf dem Tisch, deren Höhe früher kaum vorstellbar gewesen wäre. Rechnungen über 50.000 Euro kommen inzwischen immer mal wieder vor.“
Versicherungsoptimierte Abrechnung bei Pferden?
Spannend wird es bei einer anderen Frage: Verändert eine Versicherung möglicherweise auch Behandlung und Abrechnung? Darauf fallen die Antworten der Versicherer keineswegs einheitlich aus. Auch Pferdesport Deutschland und der VDTH äußern sich dazu. Die Vorwürfe reichen bis zum Begriff der „versicherungsoptimierten Abrechnung“. Was dahintersteckt, wie Versicherer Rechnungen inzwischen kontrollieren und was Tierärzte selbst dazu sagen, haben wir in der Titelgeschichte ausführlich recherchiert.
Tierarztkosten fürs Pferd: Wer soll das künftig bezahlen?
Die neue Forderung nach regelmäßigen Gebührenanpassungen dürfte die Diskussion weiter anheizen. Denn auf der anderen Seite stehen Pferdehalter, die nicht nur große Operationen finanzieren müssen. Auch die alltägliche Versorgung muss bezahlbar bleiben: Impfung, Wurmkur, eine Stute besamen, mal eben nach der Mauke schauen. Wie teuer allein diese Basics sind und wie schwierig dieser Spagat inzwischen geworden ist, zeigt die neue HOOFORIA-Ausgabe: mit konkreten Zahlen, Rechnungsbeispielen, den Positionen der Beteiligten.
Die komplette Titelgeschichte „Diagnose: unbezahlbar?“ lesen Sie in der neuen Ausgabe von HOOFORIA. Sie erscheint in der kommenden Woche.
Und die Recherche geht weiter: Wir bleiben dran an laufenden GOT-Evaluierung und der Diskussion um mögliche weitere Gebührenanpassungen.