Riesige Kulisse, viele Helferinnen und Helfer: In Aachen wird die Weltmeisterschaft ausgerichtet. Aber wie läuft die Organisation eines kleinen ländlichen Turniers? Unsere Autorin Jessica Kaup erzählt es Euch!
Während andere gerade Weltmeisterschaften reiten, bereite auch ich mich auf ein sportliches Großereignis vor. Nur dass zu meinem Trainingsprogramm Brombeerhecken, Parkplätze und die Frage gehören, ob zwei Pferde-Lkw gleichzeitig auf unseren Feldweg passen.
Denn zum Ende des Sommers ist nicht nur die Zeit der glanzvollen Pferdesportevents – und damit reichlich zu tun für mich als Reitsportjournalistin. Ich bin auch Turnierveranstalterin. Und genau jetzt, zwischen Weltmeisterschaft und Bundeschampionat, lädt meine Familie zum hauseigenen Turnier. Ob das terminlich besonders clever ist? Fragt mich nach dem Wochenende noch einmal. (Hier gibt es bewegte Eindrücke aus 2025).
Reitturnier: Zwischen Laptop und Traktor
Zumindest nehmen wir den internationalen Super-Events nicht die Teilnehmer weg. Hier kommt also mit ziemlicher Sicherheit kein Neid auf. Aber das ist es dann auch erst mal mit den Annehmlichkeiten. Ansonsten sind diese turniertollen Tage ein rasantes Hin und Her zwischen Laptop und Traktor, Livestream und Heckenschere. Work-Life-Balance auf die robuste Art.

Vom Trecker gleich zurück an den Computer: Jessica Kaup hilft ihrer Familie bei der Ausrichtung eines Vielseitigkeitsturniers – und erzählt von den Unterschieden (oder Gemeinsamkeiten?) zur WM in Aachen. (© Privat)
Vielseitigkeitsturnier Lupendorf: Where the f.ck?
Anstelle eines professionellen Event-Managements mit helfenden Hundertschaften, stampft bei uns ein eigens gegründeter Verein das Turnier aus dem sandigen Boden: der VFV Lupendorf. Und da ist der Name Programm. Man braucht nämlich wirklich eine Lupe, um uns auf der Landkarte zu finden. Und unsere zwei Handvoll Mitglieder – man könnte auch sagen: der zwangsrekrutierte Familienclan – verlaufen sich schon mal in den Weiten der 30 Hektar Wettkampffläche.
Ja, wenn wir eines hier genug haben, dann ist es Land …
Parken beim Reitturnier: P wie Problem
Parken ist also kein Problem. Die An- und Abfahrt indes wird schon kniffliger und bedarf großer Übersicht von Parkwächter und Jungbauer Jannis im dunkelblauen Helfer-Shirt und mit wichtiger Miene. Sagen sich zwei Lkw auf dem Feldweg hinauf zu unserem Pferdeparadies „Hallo“, wird’s eng.
Ob man sein Gefährt dann in eine der alten Kastanien rammt oder zur anderen Seite in den frisch gepflügten Acker setzt – wer die Wahl hat, hat die Qual. Nun gut. Besonders viele XXL-Transporter, also solche Giga-Liner mit Slide-out, werden nicht erwartet. Ein paar altersschwache 7,5-Tonner vielleicht.
Vom kleinen Turnier zur Landesmeisterschaft
Ist ja ein eher kleines Turnier: E, A und L. Aber eben mit vielseitigem Gelände. Das ist hier oben ziemlich beliebt und so gefragt, dass wir im vergangenen Jahr sogar die Landesmeisterschaften austragen durften. Ein gelungener Kraftakt. Und darüber hinaus offenbar bemerkenswert genug, dass der NDR seinen Übertragungswagen irgendwo ins Nirgendwo schickte, um tagesaktuell über unseren Mini-Verein mit dem großen Herzen – von Reitern für Reiter – zu berichten.
Wenn die Weltklasse in der Startbox steht
Dass mit Malin Hansen-Hotopp eine unserer derzeitigen Weltmeisterschaftsteilnehmerinnen in der Startbox aus Strohballen Position bezog und sich den Titel der Mecklenburgischen Landesmeisterin schnappte, tat dem Ganzen sicher keinen Abbruch.
Dieses Jahr gibt es bei uns keine Schärpen. Aber genauso viel Arbeit im Vorfeld. Und während anderswo um Weltmeistertitel und Bundeschampionats-Schärpen geritten wird, kämpfen wir in Lupendorf erst einmal mit zugewucherten Gräben, schmalen Buckelpisten und der Wetter-App.

Buschhindernis in the making: Hier wurden Gräben freigeschnitten, Unkrautvlies ausgelegt, Hackschnitzel verteilt, Stämme aus der Schreinerei geholt, zurechtgesägt, zusammengezimmert… Ja, ein Vielseitigkeitsturnier ist nicht „mal eben“… (© Jessica Kaup)
Warum man sich das freiwillig antut? Das frage ich mich jedes Jahr wieder. Meist ungefähr bis zu dem Moment, in dem das erste Pferd aus unserer Startbox galoppiert. Dann weiß ich es wieder.
Von Lupendorf nach Aachen: Der Turnierwahnsinn geht weiter
Damit ist die Geschichte allerdings noch nicht zu Ende. In den kommenden Tagen schaut Jessica Kaup für HOOFORIA ganz genau hin – in Lupendorf genauso wie bei den Weltmeisterschaften in Aachen. Was passiert, wenn auf der einen Seite Weltklasse-Sport in der Soers zelebriert wird und auf der anderen ein Familienclan mitten im Nirgendwo sein eigenes Turnier auf die Beine stellt?
Wo liegen Welten dazwischen – und wo sind sich großes Championat und kleines Landturnier erstaunlich ähnlich? Jessica wird den Vergleich in kleinen Glossen weiterspinnen. Also: Fortsetzung folgt.