Raphael Netz © S. Lafrentz

Es ist vollbracht! Raphael Netz und Camelot!

Raphael Netz und Great Escape Camelot haben ihre erste Weltmeisterschaft mit einer neuen persönlichen Bestleistung in der Kür gekrönt. 80,946 Prozent, ein mitklatschendes Aachener Stadion – und ein Reiter, der danach vor allem eines wollte: seinem Pferd Danke sagen.

Dreimal Personal Best

Die letzte Piaffe. Die Wendung auf die Schlusslinie. Und dann nimmt Raphael Netz einfach die Hand weg. Warum? „Keine Ahnung“, sagt er später lachend zu den Pressevertretern: „Es hat sich einfach richtig angefühlt.“

In diesem Moment ist das Aachener Hauptstadion längst Teil seiner Kür. Die Zuschauer klatschen mit, Netz und Great Escape Camelot tanzen die letzten Meter ihrer ersten gemeinsamen Weltmeisterschaft zu Ende. 80,946 Prozent stehen anschließend auf der Anzeigetafel – die dritte persönliche Bestleistung für das Paar innerhalb weniger Tage. Netz hatte bereits im Grand Prix und im Grand Prix Special neue persönliche Bestmarken aufgestellt. Im Special landeten er und sein 15 Jahre alter Wallach mit 75,091 Prozent auf Rang zehn. Dazu kommt Mannschaftsgold mit dem deutschen Dressurteam.

Raphi Netz und Camelot

Großes Knuddeln: Raphi Netz und Camelot (© www.sportfotos-lafrentz.de/Dirk Caremans)

Für den 27-Jährigen, der gebürtig aus Hessen kommt und nördlich von München auf dem Gut Weiglschwaig lebt, ist Aachen damit  eine Weltmeisterschaft, die für immer in seinem Herzen bleiben wird wird. HOOFORIA durfte im Nachgang ein kleines Interview führen.

Welche Sekunden bleiben von der WM in Aachen?

Wer eine Weltmeisterschaft reitet, bekommt hinterher vermutlich unzählige Bilder zugeschickt. Videos, Fotos, Reels, Wiederholungen. Doch auf die Frage, welchen Moment er später wohl immer wieder ansehen werde, will Netz sich gar nicht festlegen.

„Ich denke tatsächlich: von Montag bis Samstagabend einmal alles. Es waren so unheimlich viele Eindrücke – von der ersten Minute an, als wir hier auf den Hof gefahren sind. Der Vetcheck, das Miteinander im Team, der Teamspirit und dieser Rückhalt, den man hier gefühlt von der ganzen Nation genießen durfte. Auf deutschem Boden als Deutscher bei dieser Weltmeisterschaft einzureiten, ist einfach unglaublich.“

Gerade diese Mischung aus sportlichem Erfolg und Atmosphäre habe Aachen für ihn außergewöhnlich gemacht. Die Kür am Samstagabend setzte den Schlusspunkt – und dürfte sportlich wohl kaum schöner zu Ende gegangen sein.

WM Gold für Isabell Werth, Frederic Wandres, Raphael Netz und Katharina Hemmer.

WM Gold für Isabell Werth, Frederic Wandres, Raphael Netz und Katharina Hemmer. (© S. Lafrentz)

Worte an Camelot: „Danke, danke, danke“

Und Great Escape Camelot? Was bekommt der heute Abend noch zu hören?

„Danke, danke, danke, danke, danke – und noch einmal danke. Er ist der absolute Wahnsinn. Ohne ihn wäre ich nicht hier. Er gibt immer alles.“

Auch am letzten Tag des Championats habe sich Camelot noch frisch angefühlt. „Ich hatte nicht einmal das Gefühl, dass er sich anstrengen muss. Er hat mit mir getanzt. Das war von Anfang bis Ende ein unheimlich schönes Gefühl.“ Bleibt nur noch eine Frage: Geht er morgen noch einmal unter den Sattel? „Er würde wahrscheinlich. Aber er geht nur noch nach Hause und auf die Koppel.“ Und ziemlich verdient ist das wohl auch!

Mit einem Haflinger ins Viereck

Pferdeliebe lebt Raphael Netz seit seiner Kindheit.

„Ich liebe alle meine Pferde unglaublich Mit ihnen zusammen zu sein und zu leben bedeutet mir alles. Sie sollen bei mir das glücklichste aller Leben führen und sich rundum wohlfühlen.“

Durch einen Zufall bekam Raphael mit 17 Jahren die Gelegenheit, zu Jessica von Bredow-Werndl und Benjamin Werndl auf die Anlage ins bayerische Aubenhausen zu ziehen. Obwohl er damit noch vor der Volljährigkeit von zuhause weggehen musste, zögerte er keine Sekunde.

„Es war eine wunderbare und sehr prägende Zeit, während der ich unendlich viel lernen konnte und die mich natürlich ein Stückweit zu dem gemacht hat, der ich heute bin. Und ich habe in Aubenhausen meine heutigen Lebensgefährtin Selina Söder lieben gelernt. Gekannt haben wir uns schon viel früher von Jugendturnieren.“

Raphi Netz und Katha Hemmer

Spaß muss sein: Raphi Netz und Katha Hemmer (© www.sportfotos-lafrentz.de/Sharon Vandeput)

Dort war er nämlich auf dem Haflinger Akatenao dabei. Zu Anfang wurde er von allen Seiten belächelt. Mit einem Haflinger wollte er bestehen zwischen den Reitponys oder gar Großpferden? Doch das zeichnet ‚Raphi‘ aus: Er kämpfte sich durch. Glaubte an sich und sein Pferd. Damals wie heute. Und Akatenao, genannt Aki? Der ging am Ende mit dem nicht mal 15 Jahre alten Raphael eine S-Dressur. Da hielten dann doch einige den Atem an. Heute lebt er bei Raphaels Mutter Janet, die zuletzt der ganzen WM-Mannschaft ihr jeweiliges Pferd gehäkelt hatte – mit allen Details!

„Aki ist 21, steht immer noch in der gleichen Box wie damals und meine Mutter umsorgt ihn liebevoll.“

Und bei ihm und Selina auf Gut Weiglschwaig?

„Da ist unser Ziel, wirklich jedem Pferd das Gefühl zu geben, dass es die Nummer eins ist!“

Danke, Weltmeister! Camelot ist wieder zuhause!

Danke, Weltmeister! Camelot ist wieder zuhause! (© Raphael Netz/Instagram)

Alles zur WM in Aachen gibt es hier.

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