WM Aachen © Stefan Lafrentz

Steht Deutschland wieder ganz oben auf dem Podium wie bei der WM?

Zwei Millionen Euro Preisgeld, sieben Disziplinen und gewaltige Unterschiede. Bei den Weltmeisterschaften in Aachen geht es nicht nur um Medaillen, Titel und sportlichen Ruhm. Für die Besten gibt es auch Geld. Allerdings fällt der Griff in die Aachener Schatulle je nach Disziplin höchst unterschiedlich aus.

Mehr als die Hälfte des Preisgeldes ist für die Springreiter reserviert. Allein für die Teamwertung stehen 400.000 Euro bereit. Deutschland gewann Gold und damit 136.000 Euro – bei vier Teammitgliedern sind das 34.000 Euro pro Reiter. Im Einzelfinale am heutigen Sonntag werden weitere 500.000 Euro ausgeschüttet. Der neue Weltmeister erhält davon allein 100.000 Euro.

Dressurreiter bekommen deutlich weniger

Dagegen fallen die Summen in der Dressur geradezu bescheiden aus. Insgesamt standen für Grand Prix, Grand Prix Special und Kür 350.000 Euro zur Verfügung.

Besonders deutlich wird der Unterschied in der Teamwertung. Für den deutschen WM-Titel gab es insgesamt 24.500 Euro. Bei vier Reitern sind das rechnerisch 6125 Euro pro Kopf – weniger als ein Fünftel dessen, was die deutschen Springreiter jeweils für ihren Mannschaftstitel erhalten.

Michael Jungs Goldritt bringt 53.200 Euro

Auch in der Vielseitigkeit sind die Dimensionen andere. Insgesamt wurden für die Team- und Einzelentscheidung 300.000 Euro ausgelobt. Michael Jung sicherte sich mit fischerChipmunk FRH den Weltmeistertitel und erhielt dafür 53.200 Euro. Deutschland gewann zudem Silber in der Mannschaftswertung.

Damit bestätigt die WM ein Bild, das im internationalen Reitsport längst bekannt ist: Im Springen lässt sich deutlich mehr Preisgeld verdienen als in Dressur oder Vielseitigkeit.

Warum verdienen Springreiter mehr?

Rein sportlich lässt sich die Diskrepanz kaum erklären. Ob Dressurviereck, Gelände oder Parcours, in allen Disziplinen bewegen sich Pferd und Reiter auf höchstem sportlichem Niveau.

Der wirtschaftliche Wert einer Disziplin hängt allerdings nicht allein von ihrer sportlichen Schwierigkeit ab. Zuschauerinteresse, Ticketverkäufe, Sponsoring, Medien- und Streamingrechte sowie die Vermarktung der Stars beeinflussen, wie viel Geld Veranstalter ausschütten können.

Hinzu kommt die Struktur des Sports. Das belgische Datenerfassungsunternehmen Hippomundo hat sich mit den Verdienstmöglichkeiten der unterschiedlichen Disziplinen beschäftigt. Erfolgreiche Springreiter können mit einer vergleichsweise großen Zahl von Pferden international Preisgeld sammeln. Spitzenreiter verfügen teilweise über einen umfangreichen Turnierstall und sind beinahe das ganze Jahr weltweit unterwegs.

In der Dressur ist die Zahl der Pferde, mit denen auf höchstem Niveau nennenswerte Preisgelder verdient werden können, meist wesentlich kleiner. Fällt eines der Top-Pferde aus, hat das entsprechend große sportliche und wirtschaftliche Folgen.

Noch deutlicher ist die Situation in der Vielseitigkeit. Dort ist bereits eine größere Anzahl von Pferden auf Top-Niveau eher die Ausnahme. Wirtschaftlich ist die Disziplin deshalb besonders anspruchsvoll.

Reit-WM Aachen: Weltmeisterschaft oder Millionenturnier?

Trotz der vergleichsweise hohen Preisgelder gehören selbst die besten Springreiter längst nicht zu den Spitzenverdienern des internationalen Sports. Und auch innerhalb des Springsports gibt es Veranstaltungen, bei denen finanziell erheblich mehr zu holen ist als bei einer Weltmeisterschaft.

Ein Beispiel ist das Spruce Meadows Masters im kanadischen Calgary, das vom 8. bis 13. September 2026 stattfindet. Das Turnier gehört seit Jahren zu den prestigeträchtigsten und höchstdotierten Veranstaltungen im internationalen Springsport.

Für Spitzenreiter entsteht damit ein interessantes Dilemma: Ein WM-Titel besitzt einen enormen sportlichen Wert. Wer dagegen seine Saison nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten plant, kann bei hochdotierten internationalen Turnieren und Serien erheblich mehr verdienen.

Das große Geld lockt auch am Golf

Lukrative Turniere haben in den vergangenen Jahren zudem die Golfstaaten zu wichtigen Schauplätzen des internationalen Reitsports gemacht. Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate investieren in Veranstaltungen, moderne Sportanlagen und den internationalen Pferdesport. Zahlreiche europäische Reiter, Trainer und Pferdehändler unterhalten inzwischen auch geschäftliche Beziehungen in die Region.

Einen Pay Gap zwischen Männern und Frauen gibt es beim Preisgeld im Reitsport dagegen nicht. Frauen und Männer treten in den FEI-Disziplinen gegeneinander an und erhalten für dieselbe Platzierung dasselbe Preisgeld.

Wer viel investiert, verdient nicht automatisch viel

Bemerkenswert ist noch etwas anderes: Die Disziplinen mit den höchsten Kosten sind keineswegs automatisch diejenigen mit den höchsten Preisgeldern. Besonders deutlich wird das bei den Vierspännern. Transport, Pferde, Personal und Ausrüstung verursachen enorme Kosten. Trotzdem gehört das Fahren beim Preisgeld nicht zur Spitzengruppe. Für die gesamte WM-Entscheidung der Vierspänner sind in Aachen 175.000 Euro vorgesehen.

Voltigierer und Para-Dressurreiter müssen sich ebenfalls mit deutlich geringeren Summen begnügen.

Am Ende zeigt der Kassensturz von Aachen deshalb vor allem eines: Medaille ist nicht gleich Medaille. Sportlich entscheidet bei einer Weltmeisterschaft ein Platz auf dem Podium über Ruhm und Titel. Finanziell können zwischen zwei Goldmedaillen aber Zehntausende Euro liegen.

Und wer in Aachen tatsächlich den größten Einzel-Scheck mit nach Hause nimmt, entscheidet sich erst heute im Springparcours.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert