Olympiasieger Christian Kukuk hat geheiratet. © S. Lafrentz

Olympiasieger Christian Kukuk hat geheiratet.

Update, 26. August: Christian Kukuk hat sich inzwischen selbst zu seinem Ausscheiden aus dem Olympiakader geäußert. In einem Instagram-Statement schreibt er, die Mitteilung von Pferdesport Deutschland habe einen „etwas unklaren Eindruck“ hinterlassen. Die Entscheidung, Checker nach der Weltmeisterschaft aus dem deutschen Kader zu nehmen, sei demnach bereits vor der WM in einem Gespräch mit Bundestrainer Otto Becker besprochen worden. Aachen sollte laut Kukuk aller Voraussicht nach Checkers letztes Championat werden. Eine Teilnahme an der Europameisterschaft 2027 habe ohnehin nicht zur Debatte gestanden. Auch die Olympischen Spiele 2028 seien derzeit noch weit entfernt. Sollte der dann 18-jährige Checker zu diesem Zeitpunkt weiterhin auf entsprechendem Niveau springen, schließt Kukuk einen Olympiastart allerdings nicht grundsätzlich aus.

Vor allem wolle er die Turnierplanung des 16-Jährigen künftig individueller und flexibler gestalten. Gleichzeitig möchte Kukuk sich laut seines Statements verstärkt seinen Nachwuchspferden widmen.  Der Schritt sei keine Reaktion auf die jüngsten Nominierungsentscheidungen gewesen. Ausschlaggebend sei allein das Management von Checker gewesen. Seinen nächsten Turnierstart mit dem Olympiasieger kündigt Kukuk bereits an: In einigen Wochen soll es nach Spruce Meadows gehen.

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Christian Kukuk ist auf eigenen Wunsch nämlich nicht mehr Teil des deutschen Olympiakaders. Nicht mit seinem Goldmedaillengewinner aus Paris, dem 16 Jahre alten Checker. Und nicht mit Just be Gentle, der zwölfjährigen KWPN-Stute, die ihn im vergangenen Jahr zu EM-Team-Silber in A Coruña trug.

Just be Gentle hat man schon seit längerem nicht mehr auf hohem Niveau springen sehen. Die Tyson-Tochter könnte verletzt gewesen sein. Genau war das nicht in Erfahrung zu bringen. Fakt ist, dass sie zuletzt auf Vier-Sterne-Niveau in Wellington im Januar unterwegs war, dort auch den sechsten Platz in einem Großen Preis holte. Danach ging sie erst wieder Mitte Juni über 1,35 Meter in Bedizzole/Italien.

Just be Gentle war auch das Pferd, welches von Kukuk im November beim Weltcup in Verona auf blankem Schlaufzügel geritten wurde. Was folgte, war massive Kritik, der gegenüber sich der Reiter teils einsichtig zeigte.

Hinsichtlich seiner Position im Olympiakader hatte das belastende Material daher keine nachhaltigen Konsequenzen. Auch wenn die Fragen hinsichtlich ethischem Verhalten im Spitzensport blieben.

Kukuk bei WM in Aachen in Reserve

Christian Kukuk war für die Weltmeisterschaften in Aachen zunächst als zweite Reserve vorgesehen. Später rückte er mit seinem Olympiasieger Checker auf die Position als fünfter Mann vor. Dabei blieb es. Ehning, Hinners, Deußer und Vogel holten derweil die umjubelte Goldmedaille.

Einen Tag nach der WM folgte zunächst eine Nachricht, die durchaus den Eindruck eines Zusammenhangs erwecken konnte: Christian Kukuk gehörte mit Checker auf eigenen Wunsch nicht mehr dem Olympiakader an. Pferdesport Deutschland nannte in seiner Mitteilung keine näheren Beweggründe. Kukuk hat nun also klargestellt: Die Entscheidung war bereits vor der WM gemeinsam mit Bundestrainer Otto Becker besprochen worden und ausdrücklich keine Reaktion auf seine Nichtnominierung für Aachen. Damit bekommt der Schritt eine andere Einordnung. Nach Kukuks Darstellung geht es vor allem darum, dem mittlerweile 16 Jahre alten Checker eine individuellere Turnierplanung zu ermöglichen. Die EM 2027 sei ohnehin kein Thema gewesen, Los Angeles 2028 noch weit entfernt.

Vogel und Hinners trotz Trennung professionell

Und während man im Vorfeld vielleicht hinter vorgehaltener Hand Fragezeichen heraushörte, ob denn das einstige und nun getrennte Traumpaar Hinners/Vogel in der Mannschaft harmonieren würde, musste man am Ende konstatieren, dass die beiden absolut professionell waren. Im Gegensatz zum Fußball war dann natürlich auch die einhellige Meinung zu Otto Beckers goldener Team-Entscheidung: Alles richtig gemacht! Toll, unser Bundes-Otto!

Wir wissen aber alle, dass das in den vergangenen Jahren nicht selten ganz anders war. Otto Becker hatte manches Team ins Rennen geschickt, für das es am Ende keinen Blumentopf zu gewinnen gab. Christian Kukuks Olympiasieg dagegen war einer seiner glorreichsten Momente. Und seit Paris hatte Kukuk mit Checker auf Aachen hingearbeitet. Hätte Otto Becker das berücksichtigen müssen?

Nominierungsfrust bei Springreitern

Nominierungsfrust ist nichts Neues. Gerade im Springreiten ist er eher die Regel. Vielleicht, weil mehr Geld in dieser Disziplin im Umlauf ist, als etwa in der Vielseitigkeit. Aber so gut wie alle, die schon seit Jahren dabei sind, hatten solchen Frust bereits zu verkraften. Auch ein Schweizer Weltmeister Steve Guerdat. Auch ein Marcus Ehning, der eben jetzt doch das Glück des Tüchtigen hatte, und mit vielen hervorragenden Resultaten – unter anderem der Sieg im Großen Preis von St. Gallen – noch auf den WM-Zug aufsprang.

Und man muss bei Christian Kukuk ehrlich sagen, dass er zwar kurz vor den Weltmeisterschaften mit Checker in absoluter Top-Form den Großen Preis der Global Champions Tour in London gewann und wenige Wochen vorher in Riesenbeck, ebenfalls im Rahmen der LGCT, Platz drei sicherte. Aber da war der Zug längst abgefahren und die Nominierung (am 1. Juli) erfolgt.

Ausgerechnet im Großen Preis von Aachen beim tsCHIO lief es für Kukuk mit acht Punkten im ersten Umlauf so gar nicht gut. Das sieht auch ein Bundestrainer, der über die richtigen Leute für eine Top-Performance auf einem sehr speziellen Platz entscheiden muss. Marcus Ehning hatte in jenem Großen Preis vier Punkte in Runde eins. Daniel Deußer, Sophie Hinners und Richard Vogel kamen fehlerfrei nach Hause. Letztere beide sicherten sich am Ende den dritten Platz und den Sieg. Rein rechnerisch kann man Otto Beckers Nominierung damit absolut nachvollziehen.

Entscheidung für sein Pferd Checker

Dass Kukuk über die Nichtnominierung für Aachen enttäuscht war, hat er zuvor selbst deutlich gemacht. Und die grundsätzliche Frage nach sportlichem Frust, Nominierungsentscheidungen und der Außenwirkung eines Olympiasiegers bleibt trotzdem interessant . Nur: Sein Ausscheiden aus dem Kader ist offenbar nicht darin begründet.Vielleicht passt deshalb der Satz seiner Ersatzreiter-Kollegin Semmieke Rothenberger, die gegenüber HOOFORIA vor der WM sagte: „Ich weiß, dass mein Glück oder mein Wert als Mensch und Reiter nicht von einer Nominierung abhängen.“ Sie bezog sich dabei auf den folgenschweren Brand des Familiengestüts.

Nach Aachen richtet sich der Blick ohnehin wieder nach vorn. Für Christian Kukuk und Checker zunächst nach Spruce Meadows – und irgendwann vielleicht sogar noch einmal in Richtung Los Angeles.

Kommentar: Alexandra Koch

 

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