Delia und Anja Schöniger auf dem Weg zum Sieg in der Finalqualifikation der fünf- und sechsjährigen Vielseitigkeitsponys bei den Bundeschampionaten 2026.
Stand früher die Dressur an erster Stelle der drei Finalprüfungen, ist man inzwischen dazu über gegangen, den Nachwuchs zunächst in den Parcours zu schicken, um Bundeschampion in der Vielseitigkeit zu werden – vielleicht um ein bisschen überschüssige Energie abzubauen….
Obwohl alle Titel-Aspiranten im Rahmen der Qualifikation zum Bundeschampionat auch eine Springpferdeprüfung oder eine komplette Vielseitigkeit samt Springen mit guten Ergebnissen bestehen mussten, erweist sich das Springen über die abwerfbaren Hindernisse häufig als reelle Klippe auf dem Weg zur Championatsplatzierung. Kürzere Wege, engere Linien und viel mehr bunte Ablenkung als im Gelände lassen bei manch einem hochgehandelten Talent bereits im anderthalbfach zählenden Parcours die Stangen purzeln. Zudem sind nicht alle Buschpferde ganz so vorsichtig, wie reine Springpferde und auch die Reiter entsprechend angespannt.
Rittigkeit ist A und O
Im Viereck bestätigt sich dann meistens das, was die Richter in Gelände und auch im Springen im Rahmen der Rittigkeit gelobt – oder eben moniert haben. Sie zieht sich durchs Finale wie ein roter Faden und die imposanteste Galoppade oder ein herausragendes Springvermögen können nicht über mögliches Ausbildungsdefizite hinwegtäuschen.
Harmonische Bilder, das ist das, was die Richter sowohl im Cross als auch im Parcours und in der Dressur sehen wollen: Reagiert das Pferd fein auf die Reiterhilfen? Bewältigt es seine Aufgaben aufmerksam aber mit der notwendigen Gelassenheit, schwungvoll aber kontrolliert? Genau das steht in der einfach gewerteten Dressur im Zentrum des Interesses.
Mit guter Vorleistung zum Bundeschampion der Vielseitigkeit
Wer an Tag eins im Springen und in der Dressur nicht genügend Punkte sammelt, hat es am zweiten Tag schwer, den Rückstand aufzuholen. Der finale Cross kann – doppelt gewertet – zwar an der Spitze nochmal einiges durcheinander wirbeln, Wunder verbringen kann er im Hinblick auf die Titelträume allerdings nicht…
Nicht immer stehen übrigens die Sieger der Finalqualifikation im Gelände am Ende auch mit der schwarz-rot-goldenen Schärpe und dem Titel Bundeschampion da. Denn ein Vielseitigkeitspferd ist mehr als ein Geländepferde. Es muss, so wie unserer französischen Nachbarn es in der Prüfungsbezeichnung „Concours complet“ auf den Punkt bringen: komplett sein. In Parcours, Viereck und über Stock und Stein.
Aussichtsreiche Führung vorm Finale
Richtig gut vorgelegt und damit gute Aussichten auch morgen ganz nach vorne zu kommen, haben: Der Hannoveraner Hengst Carbolin unter Julia Krajewski bei den fünfjährigen Vielseitigkeitspferden, der Westfalen Wallach Hallox unter Sina Brügger bei den sechsjährigen Buschpferden sowie Titelfavoritin Delia unter Anja Schöniger bei den vielseitigen Ponys.
Da sie alle bereits in der Finalqualifikationen ihre Qualität im Cross schon einmal unter Beweis gestellt haben, sind das die besten Voraussetzungen auch morgen im Gelände mit Bravour zu performen. Aber: Die Konkurrenz schläft nicht und die Spitze ist in allen drei Finals noch dicht beieinander. Das wird spannend!