Hereinspaziert: Für etwas mehr Komfort als mit dem Pferdeanhänger kann der 3,5-Tonner die perfekte Alternative sein.
Vor dem Transporter-Kauf lohnt sich ein genauerer Blick. Wir haben uns bei Pferdetransporter-Händler André Roos angesehen, was die kompakten Zweier bis 3,5 Tonnen können – und was ihre Besitzer wissen und welchen Führerschein sie haben sollten.
Welcher Führerschein für welchen Pferdetransport?
| Führerscheinklasse | Erlaubt |
|---|---|
| Klasse B | Kraftfahrzeuge bis 3.500 kg zulässige Gesamtmasse. |
| Klasse BE | Zugfahrzeug der Klasse B plus Anhänger mit bis zu 3.500 kg zulässiger Gesamtmasse. |
| Klasse C1 | Kraftfahrzeuge über 3.500 bis maximal 7.500 kg zulässige Gesamtmasse. Ein Anhänger bis 750 kg ist eingeschlossen. |
| Klasse C1E | C1-Fahrzeug plus Anhänger mit mehr als 750 kg; die zulässige Gesamtmasse der gesamten Kombination darf höchstens 12.000 kg betragen. |
| Klasse C/CE | Kraftfahrzeuge über 3.500 kg ohne die 7,5-Tonnen-Grenze. Soll ein Anhänger über 750 kg dahinter, wird Klasse CE benötigt. |
Achtung bei der Auflastung: Wird aus dem 3,5-Tonner durch Auflastung ein Fahrzeug mit mehr als 3.500 kg zulässiger Gesamtmasse, ändern sich nicht nur die Anforderungen an den Führerschein. Auch Geschwindigkeitsvorschriften und das Thema Maut können relevant werden. Deshalb bitte immer vor einer Auflastung den konkreten Einzelfall prüfen.
Zu Besuch beim Pferdetransporter-Händler André Roos
Es ist Ende August und ziemlich heiß in Ganderkesee. André Roos sitzt in seinem Büro und hat immerhin eine Perspektive für uns: „Wenn ich irgendwann genug Transporter verkauft habe, dann gibt’s hier auch eine Klimaanlage.“ Er lacht und zeigt uns seinen Verkaufsraum. In dem stehen genügend Pferdetransporter, um zumindest gedanklich sofort auf Reisen zu gehen. Groß, kleiner, mit Sattelkammer, mit mehr oder weniger Wohnabteil, auf Chassis verschiedener Hersteller.
Dahinter liegt ein Gebäude, das früher ganz anders genutzt wurde. Hagstedt & Roos ist in einer ehemaligen Reithalle zu Hause. Noch heute hängen an den Wänden Schaukästen voller Schleifen, die die Familie selbst erritten hat, sowohl im Spring– als auch im Dressursport. Der tägliche Umgang mit Pferden und ihr Transport ist dem Experten also nicht unbekannt.

Spezialist für Pferdetransporter: André Roos gibt Tipps, was es beim 3,5-Tonner zu beachten gibt. (© Valerie Jenner)
Heute läuft André Roos zwischen den Fahrzeugen hin und her, öffnet Klappen, drückt Knöpfe, schlägt mit der Hand gegen Sicherheitsmechanismen und erklärt, was passiert, wenn ein Pferd auf eine Stange steigt. Unsere Fotografin fährt derweil mit einem Aufzug auf und ab, um die Transporter aus anderer Perspektive ins Bild zu bekommen. Man merkt ziemlich schnell: Wer André Roos nach Pferdetransportern fragt, bekommt nicht nur technische Daten, Fakten und Preise. Sondern auch eine Meinung.
Pferdetransporter: Stehen die Pferde hier falsch herum?
Der Pferdetransport mit einem Sprinter funktioniert ein bisschen anders als die klassische Kombination Zugfahrzeug und Anhänger. Denn im Transporter steht das Pferd mit dem Kopf entgegen der Fahrtrichtung. Für Roos ist genau diese Bauweise einer der Vorteile: „Muss ich als Fahrer aus irgendeinem Grund stark bremsen, kann das Pferd die entstehenden Kräfte über Hinterhand und Po abfangen. Hinzu kommt: Die Tiere stehen im Transporter zentral zwischen den Achsen. Und sie haben – je nach Aufbau – ordentlich Platz, um ihre Balance selbst zu regulieren.“
Leise und einfach in der Handhabung
Einen weiteren Pluspunkt sieht Roos in der Geräuschkulisse. Durch den geschlossenen Fahrzeugaufbau empfindet er das Innere vieler Transporter als besonders ruhig. Zudem sei das Fahrzeug im Vergleich zu einem Gespann kürzer – und eben eine einzige Einheit. „Zudem ist das Handling sehr leicht: Für den Fahrer fühlt sich das zu nächst viel mehr nach Auto als nach Pferdetransport an“, weiß der Experte. Gerade Menschen, die sich mit Anhänger rückwärts auf einem vollgeparkten Turnierplatz eher ungern einer öffentlichen Prüfung ihrer Nervenstärke unterziehen, dürften darin einen gewissen Reiz erkennen.

Vordach gefällig? Bei einigen Transportern ist die obere Seitenwand hochklappbar und bietet wartenden Pferden Luft, aber dennoch Regen- und auch Sonnenschutz. (© Valerie Jenner)
Anhänger oder 3,5-Tonner? Auch eine Bequemlichkeitsfrage
Dazu kommt Komfort. Die Aufbauten bieten große Sattelkammern, viel Stauraum und je nach Modell weitere Ausstattung. Manche verfügen über einen kleinen Wohnbereich, größere Fahrzeuge sogar über umfangreichere Wohnabteile. Auch im Pferdebereich steckt einiges an Technik. Dächer werden isoliert und hell ausgeführt, um die Aufheizung durch Sonneneinstrahlung zu reduzieren. Belüftungssysteme gehören je nach Aufbau zur Ausstattung, Klimatisierung ist ebenfalls möglich.
Auch bei der Innenhöhe lohnt sich genaues Hinschauen: Beim Equidentransport gelten 75 Zentimeter Abstand zwischen dem Widerrist des größten Pferdes und der Laderaumdecke als Maßstab. Wer ein besonders großes Pferd transportiert, sollte deshalb nicht nur auf die Zahl der Pferdeplätze, sondern auch auf die tatsächliche Innenhöhe achten. Und generell gilt eine Regel, die uns an diesem Tag noch häufiger begegnen wird: Alles, was eingebaut wird, wiegt auch etwas.
- Gepolsterte Mittelwand? Gewicht.
- Großer Sattelschrank? Auch keine Feder.
- Wohnbereich? Erst recht Gewicht.
- Mehrere Mitfahrer? Viel gute Laune hoffentlich, aber auch ein paar Kilogramm.

Hinten kochen, vorne Pferde verladen: Dieses Modell inkludiert ein kleines Wohnabteil, in dem geschlafen, geduscht und gegessen werden kann. (© Valerie Jenner)
Pferdetransporter mit Führerschein Klasse B fahren
Damit sind wir bei dem Thema, an dem beim 3,5-Tonner kein Weg vorbeiführt. Der Reiz dieser Fahrzeugklasse ist natürlich schnell erklärt: Ein Transporter mit einer zulässigen Gesamtmasse von 3,5 Tonnen lässt sich mit dem normalen Führerschein der Klasse B fahren: keine zusätzliche Lkw-Fahrerlaubnis nötig, kein Anhänger hinter dem Auto, trotzdem Platz für Pferde und Ausrüstung.
3,5 Tonnen… und nicht mehr!
Aber 3,5 Tonnen bleiben 3,5 Tonnen. Und deshalb beginnt die eigentlich wichtige Frage nicht bei der Zahl der Pferdeplätze, sondern bei der tatsächlichen Zuladung. „Ich empfehle deshalb, nüchtern auf die konkreten Zahlen zu gucken: Wie viel wiegt das Fahrzeug fahrbereit und mit seiner tatsächlichen Ausstattung? Wie schwer sind die Pferde? Wer fährt mit? Wie viel Ausrüstung kommt dazu?“, erklärt uns André Roos.
Ein Pferd könne je nach Größe 500 Kilogramm wiegen oder 700. Zwei Sättel, Trensen, Putzzeug, Wasser, Futter, Decken, Turnierkisten und Menschen verschwinden eben falls nicht gewichtslos im Fahrzeug. Besonders anschaulich wird die Rechnung bei Transportern mit mehreren Sitzplätzen. In den technischen Berechnungen wird pro Mitfahrer mit 75 Kilogramm kalkuliert. Vier zusätzliche Personen bedeuten damit bereits 300 Kilogramm – bevor überhaupt ein Pferd eingestiegen ist.

Sicherheit hat Priorität: Dieses System löst sich, sobald ein Pferd mit viel Gewicht auf die Vorderstange steigen sollte. (© Valerie Jenner)
Auf dem Papier ist gut – wiegen ist besser
Einen ersten Überblick über die technischen Daten gibt die sogenannte CoC-Bescheinigung, das „Certificate of Conformity“. Trotzdem sollte man sich nicht ausschließlich auf die Nutzlastangabe verlassen. Roos empfiehlt, das Gewicht auf einer öffentlichen Fahrzeugwaage prüfen zu lassen. Und dann heißt es rechnen. Selbst der Tankfüllstand spielt eine Rolle.
Damit Hersteller innerhalb der 3,5-Tonnen-Klasse möglichst viel Nutzlast ermöglichen können, sind auch die verwendeten Materialien wichtig. Hier wird die Sache anspruchsvoll: Leicht soll es sein, stabil aber auch. Moderne Aufbauten arbeiten deshalb viel mit Aluminium, Verbund- und Kunststoffmaterialien. Rost und Fäulnis sollen möglichst wenig Angriffsfläche bekommen. Roos hält die heutigen Aufbauten bei vernünftiger Pflege für ausgesprochen langlebig.
Das erklärt auch, warum er eher selten gebrauchte Zweiertransporter auf dem Hof stehen hat. Zwar würde er Fahrzeuge durchaus in Zahlung nehmen oder weiterverkaufen, sagt er. Häufig seien gepflegte Transporter aber schon weg, bevor sie überhaupt bei ihm landeten. Denn:
„Wer einmal einen Transporter hatte, weiß die Vorzüge sehr zu schätzen.“
Sicherheit im Pferdetransporter
Mindestens so wichtig wie die Frage, wie das Pferd einsteigt, ist die Frage: Wie bekommen wir es im Notfall wieder aus einer misslichen Situation? Auch hier haben sich Systeme weiterentwickelt. Begrenzungs- beziehungsweise Bruststangen können je nach Hersteller mit unterschiedlichen Notfallmechanismen ausgestattet sein. Manche Systeme geben bei erheblicher Belastung nach, andere lassen sich gezielt lösen.
Roos demonstriert es gekonnt: ein Schlag, ein Handgriff – die Stange fällt. Im Ernstfall soll niemand erst zwischen Pferdebeinen herumkriechen müssen. Bei einem anderen Modell klappt Roos die obere Hälfte einer Seitenwand auf. Plötzlich steht das Pferdeabteil beinahe unter einem Vordach: Luft kann hinein, gleichzeitig bleiben Schatten und ein gewisser Wetterschutz erhalten. Praktisch, wenn Pferde auf einem Turnier längere Zeit warten müssen.
Roos schaut auf die geöffnete Klappe und lacht. „So, Leute – aber bevor ihr losfahrt, müsst ihr das wieder einklappen.“ Auch Pferdetransporter haben schließlich nur begrenzte Fähigkeiten. Welche Transportform für das eigene Pferd am besten passt, ist nach André Roos’ Erfahrung übrigens vor allem eine Frage des geplanten Einsatzes: „Anhänger und Transporter haben jeweils ihre eigenen Stärken.“
Pferdetransporter vor dem Kaufen erst mal Probe fahren
Wer nicht aus einer spontanen Laune heraus kaufen möchte, kann ausprobieren, ob das Transporter-Konzept überhaupt zum eigenen Alltag passt. Denn was auch interessant ist: Der Transporter muss nicht anstelle eines Anhängers eingesetzt werden. Viele von ihnen verfügen über eine Anhängerkupplung. Wer den passenden Führerschein besitzt (in dem Falle BE) und Gewichte sowie technische Grenzen einhält, kann Transporter und Pferdeanhänger kombinieren.
Damit entstehen ganz andere Möglichkeiten. Ein Pferd fährt beispielsweise im Transporter, zwei im Anhänger. Ausrüstung lässt sich aufteilen. Oder der Transporter übernimmt zwei leichte Pferde, während weiteres Material beziehungsweise zusätzliche Pferde im zulässigen Rahmen hinterherfahren. Statt zwei Zugfahrzeugen, zwei Anhängern und zwei Fahrern kann so für bestimmte Einsätze ein Gespann reichen.
Der 3,5-Tonnen-Zweiertransporter setzt sich damit ziemlich geschickt zwischen die Welten. Mehr Fahrzeug als ein klassischer Pferdeanhänger. Deutlich kompakter als der große Pferde-Lkw. Oder, um mit André Roos zu sprechen: Türe auf, Pferd rein, Klappe zu. Los! Und vorher bitte einmal rechnen.

Toller Bericht. Aber man sollte doch (leider) auch ganz deutlich sagen, zwei Pferde mit Ausrüstung und einem Helfer gehen gehen einfach nicht.
Wir müssten mit mit einem Pferd im Transporter und einem Pferd im Anhänger zum Turnier fahren.