Sydney Sweeny mit ihrer Werbekampagne für Sportwetten auf dem Times Square in New York. © IMAGO / ABACAPRESS

Der nackte Rückschritt? Schadet diese Sexualisierung dem Frauensport? Sweeny mit ihrer Werbekampagne auf dem Times Square in New York.

Nun aber frage ich: Liebe Frauen, liebe Sportlerinnen, liebe Reiterinnen, Fahrerinnen und Voltigiererinnen, was triggert euch denn dermaßen? Was sehe ich einfach nicht problemorientiert genug?

Selbstbestimmt: Sweeny und ihre Sex Sells-Werbung

Bitte nicht falsch verstehen: Ich bin gegen Sexualisierung – nicht nur im Sport. Ich bin für Gleichberechtigung – nicht nur im Sport. Und: Ich bin für Selbstbestimmung.

Sydney Sweeney macht ebenso freiwillig wie freizügig Werbung für ein Portal, an dem sie unternehmerisch selbst beteiligt ist. Sie ist gewissermaßen ihre eigene Auftraggeberin, es drückt ihr niemand die Pistole in den Rücken und eine finanzielle Bedürftigkeit, diese Art von Sex Sells-Werbeclips gezwungenermaßen machen zu müssen, kann ich zumindest nicht erkennen!

Empörung: „Respectfully, Sydney Sweeney!“

Obwohl also selbstbestimmt und lukrativ, ist das Handeln der in diesem Fall erfolgreichen Unternehmerin Sydney Sweeney insbesondere Frauen ein Dorn im Auge!

Vereint unter dem gemeinsamen Motto aus erhobenem Zeigefinger und dem moralisierenden Appell „Respectfully, Sydney Sweeney … so sehen Frauen beim Sport wirklich aus“, formieren sich „echte“ Sportlerinnen, unter ihnen auch Springreiterin Janne Friederike Meyer, eindrucksvolle Vorkämpferin für Gleichberechtigung im Reitsport.

Sie entrüsten sich! Der sportliche Aspekt verliere durch die freizügige Werbung von Sydney völlig seine Bedeutung und es gehe um einen komplett anderen Aspekt …

Äh? Jein!

Sydney Sweeny macht Werbung für Wetten – nicht für Sport

Ja, in diesem Reklame-Clip es geht um einen völlig anderen Aspekt. Es geht nämlich nicht um Sport, um Athletik, um Trainingsfleiß und Wettkampfhärte, sondern es geht um das obskure Geschäft der sportWETTEN.

Und: Nein! Es ist NICHT Sweeney, die den Blick anhand eines perfekt kalkulierten und sensationell funktionierenden Werbe-Videos auf „andere Aspekte“ lenkt, sondern, in empörter Solidarität vereint, tun das all die aufgescheuchten HashtaggerInnen: Sie posten bewusst Shoots und Reels von Schweiß, Muskeln, Anstrengung und verzerrten Gesichtern, um zu demonstrieren, worum es ihrer Meinung nach im Frauensport „wirklich geht“ …

Aussehen ist Nebensache!

Also für mich geht es im Sport nicht primär darum, dass ich im Training schwitze, das ist einfach der Physiologie geschuldet. Mein Fokus liegt auch nicht auf meinem durch Anstrengung verzerrten Gesicht. Denn es geht doch nicht um das Aussehen von Athletinnen UND Athleten, grundsätzlich und bei der Ausübung ihres Sportes im Besonderen, sondern um den Sport selbst.

Wenn ich Weitspringerin bin, zählt für mich, weit zu springen. Bin ich Stürmerin, will ich den Ball im Tor versenken und als Dressurreiterin möchte ich einfach meine Volten möglichst exakt in den Sand zirkeln. Ob ich dabei lackierte Nägel oder Haare unter den Achseln habe – who cares?

Und all die Frauen, die das ungefilterte Bild der Athletik nun vor die sportliche Leistung stellen, erweisen dem Sport und seinen Sportlerinnen einen viel größeren Bärendienst als diese kleine aschblonde Frau in Amerika, deren Doppel-D so perfekt hinter zwei Rugbybällen verschwinden.

Arme Träumer – das Geschäft mit der Spielsucht

Hier mag ich nun wirklich nicht von „Verhöhnung vom Frauensport“ sprechen, sondern von einer Clickbait-Kampagne, zugeschnitten auf die bedauernswerten spielsüchtigen Männer, die in Utopia leben, träumend vom ganz großen Jackpot (den sie wohl nie gewinnen) und von einer Frau (die sie wohl nie bekommen), welche sich ihnen auf dem imaginären Billardtisch ihrer nicht vorhanden Villa ganz sicher nie darbieten wird … Dass man überhaupt für Sportwetten werben darf, darüber könnte ich mich entrüsten!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert