Nutzt Social Media gern für ihre Arbeit: Trainerin Daniela Rahn.
„Vorab gesagt, ich nutze Social Media bewusst, weil ich es liebe, wie ich damit meine Arbeit machen, Wissen teilen und Menschen erreichen kann, die ich mit klassischen Lehrgängen oder Vorträgen nie erreichen würde“, sagt Daniela Rahn. Gerade im internationalen Kontext sei der digitale Raum ein entscheidendes Werkzeug für sie geworden.
Gleichzeitig hat sie erlebt, wie schnell genau dieser Raum kippen kann. Nicht durch konstruktive Kritik oder eine Diskussion über verschiedene Standpunkte, sondern durch gezieltes Herausreißen einzelner Sequenzen aus dem Zusammenhang. Aussagen wurden verkürzt, fragmentiert.
Daniela Rahn – Betroffene von Entkontextualisierung
„Ich habe in dem konkreten Fall in 17 aufeinanderfolgenden Storys auf Instagram all das erklärt, was mir wichtig bei meiner Arbeit ist. Davon wurden drei Sekunden ausgeschnitten, um mich schlecht dastehen zu lassen“, berichtet sie. Dabei sei es gar nicht darum gegangen, sich mit dem Thema Einwirkung oder Reitersitz oder mit dem Menschen dahinter konstruktiv auseinanderzusetzen, sagt Rahn, sondern lediglich um das Anheizen einer Debatte.
Besonders irritierend: Der moralische Deckmantel, unter dem solche Dynamiken stattfinden, sei häufig der von Tierwohl oder Verantwortung fürs Pferd. Begriffe, die Vertrauen erzeugen, aber nicht immer ehrlich gemeint seien. Konstruktiver Austausch spiele dabei selten eine Rolle. Dialogangebote habe sie damals aktiv gemacht, Gespräche, Telefonate, Videocalls. Sie seien unbeantwortet geblieben.
Social Media als Verstärker: positiv wie negativ
Da sie damals mit einem bekannten Influencer zusammengearbeitet hatte, dem mehr als 100.000 Follower bei seinem täglichen Tun zusahen, konnte man mit Hetze viel Aufmerksamkeit erzielen. „Ich bin sicher, wäre ich damals im Training mit einer auf Instagram unbekannten Person gewesen, es hätte sich niemand dafür interessiert.“
Was sie besonders erschüttert hat, war nicht nur der Angriff auf ihre eigene Arbeit, sondern die Dynamik im Hintergrund. Menschen, die öffentlich Stellung für sie bezogen, wurden anschließend selbst angegriffen. Für Rahn ein deutliches Zeichen, dass es häufig nicht um Inhalte gehe, sondern um Eskalation.
Dabei weiß sie auch: Kritik kann wertvoll sein. Sie berichtet von Situationen, in denen sie respektvoll direkt im Dialog angesprochen wurde, wenn es Meinungsverschiedenheiten gab. „Wenn es wertschätzend ist, ist es immer in Ordnung“, sagt sie. Ihre wichtigste Erkenntnis: Social Media ist weder gut noch schlecht. Es ist ein Verstärker. Für fachliche Arbeit ebenso wie für Verzerrung.