Al Shira`aa in Hamburg: Hier ein Bild aus dem Derby im Mai dieses Jahres.
Als Al Shira’aa 2025 Titelsponsor der Bundeschampionate wurde, war die Botschaft groß: Pferdesport Deutschland erklärte damals, Zukunft und Fortbestand der Veranstaltung seien dadurch gesichert. Präsident Martin Richenhagen lobte auch im HOOFORIA-Gespräch im vergangenen Jahr den Respekt des Sponsors vor dem „Kulturgut Pferd“. Sheikha Fatima bint Hazza bin Zayed Al Nahyan wurde vor allem mit ihrem bekannten Namen zunehmend sichtbar – beim Hamburger Derby, beim Turnier der Sieger in Münster, in Hickstead und schließlich auch in Warendorf. HOOFORIA fragte deshalb schon 2025: Wie viel Einfluss bekommt ein einzelner finanzstarker Sponsor – und wie abhängig macht sich der deutsche Pferdesport?
Und nun gibt es Gerüchte: Sheikha Fatima sei derzeit offenbar nicht zu erreichen, heißt es, zugleich werden Fragen zu ausstehenden Sponsoringzahlungen laut. Wie viel ist dran?

Ein Bild aus 2023. Hier zu sehen ist Sheikha Fatima bint Hazza bin Zayed Al Nahyan aus der Herrscherfamilie von Abu Dhabi. (© X/Arabian Royal Ag)
Ein Post bringt neue Fragen ins Rollen
Ausgangspunkt der aktuellen Recherche ist ein öffentlich geteilter Beitrag aus dem Umfeld des Züchterforums. Darin wird scharfe Kritik am Sponsoring von Al Shira’aa geäußert und der Vorwurf erhoben, vereinbarte Gelder seien nicht überall vollständig geflossen, zudem sei die Scheichin „verschwunden, nicht auffindbar, kein Kontakt möglich“. HOOFORIA hat diesen Vorwurf zum Anlass genommen, bei Beteiligten nachzufragen.
Was sagen die Veranstalter?
Bei Schafhof Connect, verantwortlich für das Deutsche Spring- und Dressur-Derby in Hamburg, verweisen Kirsten Maier von der Presseabteilung und Veranstalter Matthias Rath auf laufende Verträge und wollten sich zu Einzelheiten der Zusammenarbeit mit Al Shira’aa gegenüber HOOFORIA nicht äußern. Auch über die PR-Agentur von Schafhof Connect erhielten wir bislang keine weitergehende Auskunft. Die Frage, ob sämtliche vereinbarten Sponsoringleistungen vollständig erbracht wurden, bleibt damit zumindest für das Derby zunächst unbeantwortet.
Martin Richenhagen jedoch gibt auf HOOFORIA-Nachfrage bekannt, dass für die diesjährigen Bundeschampionate in Warendorf tatsächlich noch keine Zahlungen des Sponsors eingegangen seien, in 2025 sei aber alles bezahlt worden. Für das Turnier in Münster habe man „Teilzahlungen“ erhalten. Was der Präsident bestätigt: Sheikha Fatima sei derzeit nicht zu erreichen, das sei sie jedoch auch früher nicht gewesen, da die Kommunikation immer über einen Mittelsmann gelaufen sei. Auch dieser sei nie für die Öffentlichkeit erreichbar gewesen, sondern nur für Geschäftspartner.
Abhängigkeit von ausländischen Sponsoren?
Womöglich wird das Nicht-Erreichen der Unternehmerin zu hochgekocht. Trotzdem: Man kann nur hoffen, dass hinter der plötzlichen Funkstille nichts steckt, was über normale Veränderungen im Management hinausgeht.
In unserem damaligen Hintergrundstück ging es ausdrücklich nicht nur um sie als Person, sondern um die Struktur hinter Al Shira’aa und um die grundsätzliche Frage: Was passiert, wenn ein Sponsor, der mehrere zentrale Veranstaltungen trägt, seine Strategie ändert oder sich zurückzieht?
Diese Debatte bekam zusätzliche Brisanz, als die Falsterbo Horse Show ihre gerade erst geschlossene Partnerschaft mit Al Shira’aa nach massiver Kritik wieder beendete. Dort ging es um Sportswashing-Vorwürfe – nicht um finanzielle Probleme. Das Beispiel zeigte aber früh, wie schnell selbst langfristig angekündigte Sponsoringmodelle wieder ins Wanken geraten können. Man kann sich durchaus fragen, ob das eigentliche Problem nicht nur in der Abhängigkeit von ausländischen Geldgebern liegt, sondern auch im Unterschied der Mentalitäten.
Sponsoring im Reitsport braucht Vertrauen
Im Herbst 2025 haben wir deshalb verschiedene Stimmen aus der Branche gefragt, wie tragfähig solche Partnerschaften tatsächlich sind. Volker Wulff sagte uns damals sinngemäß: Große Sponsorings seien wirtschaftlich attraktiv, könnten aber auch riskant werden. Entscheidend seien sauber ausgestaltete Verträge und Vertrauen. Besonders wichtig sei, dass Absprachen nicht nur auf dem Papier stünden, sondern „gelebt“ würden. Auch der Präsident von Pferdesport Deutschland, Martin Richenhagen, betonte damals, die Bundeschampionate seien ohne Sponsoren wirtschaftlich kaum zu stemmen. Rund 1,5 Millionen Euro koste eine Veranstaltung dieser Größenordnung. Al Shira’aa galt zu diesem Zeitpunkt als finanzstarker Partner, mit dessen Kooperation man „bisher sehr zufrieden“ sei.
Öffentlich ist von Rückzug wenig zu sehen
Nach außen wirkt Al Shira’aa übrigens weiterhin präsent und aktiv. Die Marke tritt bei mehreren internationalen Veranstaltungen auf, und die Partnerschaften werden öffentlich weitergeführt, auch für 2027 sind die Veranstaltungen unter dem Namen schon im Programm zu finden. Doch wie passt die öffentlich sichtbare Expansion zu den Berichten über möglicherweise offene Leistungen?
Sheikha Fatima war von Beginn an das Gesicht hinter Al Shira’aa. Jetzt stellt sich aber eine neue Frage: Wie stark ist sie selbst noch operativ in die europäischen Sponsoringentscheidungen eingebunden? Unklar ist zudem, aus welchen Strukturen die internationalen Sponsoringbudgets von Al Shira’aa konkret gespeist werden und wer letztlich über Umfang und Fortführung einzelner Engagements entscheidet. Hat sich also vielleicht die finanzielle oder operative Rolle Sheikha Fatimas innerhalb des Al-Shira’aa-Netzwerks verändert? Oder wird umstrukturiert? Schon damals gab es vor allem Kritik aufgrund des politischen Umfelds. Nach wie vor gibt es Probleme mit der Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit. Sicher ist nur: Der deutsche Pferdesport schaut jetzt genauer hin.
Schönes Format
Hi