Ihren Eltern im Parcours wie aus dem Gesicht geschnitten: Brianne Beerbaum auf Kiss Me.
HOOFORIA hat vor Beginn der Weltmeisterschaften mit einem Nachwuchs-Top-Talent gesprochen: Brianne Beerbaum.
Das Besondere: Ihr Mutter Meredith Michaels-Beerbaum war vor 20 Jahren die umjubelte Heldin der Weltreiterspiele in Aachen im Springsattel. Dank ihrer Nullrunde im abschließenden Parcours des Nationenpreises war der Ritt um Bronze überhaupt erst möglich. Am Ende schaffte sie es sogar ins Einzelfinale, würde dort mit dem legendären Shutterfly noch einmal Dritte und erhielt Bronze aus den Händen von Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Szenenwechsel: Weltmeisterin (wie die Mutter vier Jahre später in Tryon) ist Brianne zwar noch nicht. Aber sie ist bereits zweifache Europameisterin. Einmal gewann sie mit dem Team bei den Children und jetzt bei den Junioren in diesem Jahr. 2025 erhielt sie in Aachen, wo die Mama 2005 auch den Großen Preis gewann, das Goldene Reitabzeichen. Eine rundum gelungene Beziehung zu diesem Ort also, die in dieser Woche noch steigerungsfähig ist.
Denn die 16 Jahre alte Brianne startet in der Tour der Jungen Reiter gemeinsam mit anderen – und in der Regel älteren – Nachwuchswuchstalenten.
Welche Erinnerungen hast du an Aachen?
Ganz viele! Ich war schon als kleines Kind immer mit dabei war, hab zugeguckt, wie meine Mutter geritten ist. Ich war immer im Kids Club. Es gab dort häufig Wettbewerbe, bei den man selbst über die Hindernisse springt. Die habe ich immer gewonnen. Und ich mache das heute immer noch gern und habe zuhause seit vielen Jahren meine Hindernisse stehen. Das ist für mich eine Art Ausgleichssport und ich mag das auch, um dem Kopf frei zu bekommen. Eine besonders schöne Erinnerung an Aachen ist natürlich, dass ich dort im vergangenen Jahr das Goldene Reitabzeichen bekommen habe. Das war schon sehr cool an diesem Ort!
Du darfst in diesem Jahr im Rahmenprogramm der Weltmeisterschaften in Aachen reiten. Wie fühlt sich das an?
Ganz besonders! Ich liebe Aachen, habe hier auch mein Goldenes Reitabzeichen bekommen und durch die ganzen Erfolge meiner Mama ist es ein sehr spezieller Ort. Ich werde hier mit Kiss Me antreten, meinem Europameister. Er ist sehr erfahren und so ein großer Platz mit so Zuschauern wie auf der WM liegt ihm, denke ich. Er ist ganz begeistert von großen Rasenplätzen! Das passt deshalb einfach perfekt. Ich freue mich so richtig, dass ich die Gelegenheit habe, in Aachen im Hauptstadion zu reiten. Das ist schon immer ein Traum gewesen und jetzt wird er wahr. Das hätte ich niemals gedacht! Letztes Jahr war es auch schon ganz schön cool im Fahrstadion bei der Deutschen Meisterschaft. Aber das wird jetzt noch besser!
Die meisten der Teilnehmer werden älter sein als du. Es ist ja eine Junge-Reiter-Tour. Du reitest dein erstes Jahr bei den Junioren.
Ich habe auch wirklich nicht erwartet, dort zu reiten. Also ich wusste, es gibt diese junge Reitertour. Aber wir haben so viele Junge Reiter bei uns in Deutschland und die sind richtig gut. Ich hätte nicht gedacht, dass man mich auswählt. Deshalb war ich einfach so, so happy, als mir gesagt wurde, dass ich nominiert bin. Das Stadion ist einfach irre.

Wenn da mal nicht Erinnerungen an ihre Mutter wach werden: Brianne Beerbaum als geniale Schlussreiterin inmitten des Goldteams der Junioren in Hagen vor wenigen Wochen. (© S. Lafrentz)
Deine Eltern sieht man bei den wichtigen Springen immer am Rande des Parcours …
Ja, meine Mutter trainiert mich hauptsächlich und deshalb machen wir das meistens zusammen. Aber wenn mein Papa dabei sein kann, ist er vor allem bei Großereignissen immer auf dem Abreiteplatz und hilft, gibt Tipps. Es ist natürlich super, noch ein weiteres Auge auf alles zu haben. Ich würde sagen, beide fiebern genauso mit und sind auch beide genauso glücklich, wenn ich aus dem Parcours komme. Es ist wirklich ein Team-Effort, also von der ganzen Familie.

Meredith Michaels-Beerbaum und Shutterfly auf dem Sprung zu Bronze in Aachen 2006. (© Dirk Caremans)
Mit sechs Monaten bei der WM
Als deine Mutter hier vor 20 Jahren bei den Weltreiterspielen geritten ist, warst du noch nicht auf der Welt. Aber welche Erinnerungen hast du an Shutterfly beziehungsweise auch Checkmate, mit dem deine Mama ja Weltmeisterin in Kentucky wurde, als du gerade mal ein paar Monate alt warst?
Ich konnte von beiden eigentlich keine Turniere mehr bewusst erleben. Aber als ich sechs Monate alt war, bin ich zum ersten Mal in die USA geflogen mit meinen Eltern zur WM in Lexington. Ich erinnere mich natürlich nicht daran. Aber es gibt ein lustiges Bild, wo ich mit einer Deutschlandfahne auf dem Schoß von Ninna, jetzt meine Pflegerin, damals mein Kindermädchen, sitze. Alle berichten mir, dass ich die ganze Zeit mit der Fahne gewedelt und gefühlt alle Zuschauer damit getroffen habe. Ich habe mich wohl einfach so gefreut.
Aus der Zeit, wo Shutterfly und Checkmate Rentner waren, gibt viele süße Bilder. Als Rentner waren die beiden echt richtig coole Pferde. Ich habe bis zum Schluss immer gemerkt, dass sie einfach was ganz Besonderes sind. Und auch richtig liebe Pferde. Wenn ich als Kind bei ihnen war, waren sie immer besonders vorsichtig und liebevoll. Unsere Rentner haben bei uns ja einen eigenen Stall und genießen das richtig. Le Mans von meiner Mutter ist beispielsweise mit 32 Jahren immer noch bei uns. Er hat auch einige Große Preise gewonnen und meine Mutter betont immer, dass sie ohne ihn nie an die Spitze der Weltrangliste gekommen wäre. Dass sie das als einzige Frau überhaupt geschafft hat, bewundere ich sehr. Meine Eltern sind in jeder Hinsicht meine Vorbilder.

Noch kein ganzes Jahr ist Brianne und feuert schon ihre Mutter bei den Weltreiterspielen in Kentucky an. (© Pochhammer)
„Es geht immer darum, dass die Pferde wirklich alles haben“
Pferdeliebe steht bei euch als Familie über allem …
Ja, ganz genau! Meine Mutter hat immer gesagt, dass auch als sie Nummer 1 war in der Welt, sie nie versucht hat, immer Punkte zu kriegen und jede Woche ein Turnier zu reiten. Sie hat sich einfach darauf fokussiert, dass ihre Pferde alle gut in Form sind. Und so hat es funktioniert, dass sie lange Zeit Nummer eins bleiben konnte. Ich reite sehr gerne Turniere, aber es viel wichtiger für mich, dass die Pferde sich wohlfühlen, zwischendrin immer viele Pausen haben und dadurch dann auf dem ausgewählten Turnier auch perfekt in Form sind. Es geht immer darum, dass die Pferde wirklich alles haben und dass es ihnen super geht. Und dann folgen auch die guten Ergebnisse. Das klappt nur, wenn man diese Verbindung mit dem Pferd hat und das Pferd auch wirklich den Reiter mag und ich glaube, das habe ich wirklich mit meinen Pferden, also jedem einzelnen, ganz egal, wie verschieden sie sind.
Wie gehst du eigentlich mit Kritik am Springsport, vielleicht auch an deiner Person, um? Oder wenn du hörst, Springreiten wäre Tierquälerei?
Das ist schon schwierig. Ich habe es auch bei meiner Mutter früher noch ein bisschen miterlebt. Wir haben damals viel geredet, dass es Menschen gibt, die eine festgefahrene Meinung haben und diese gar nicht ändern möchten. Sie hätten die Gelegenheit zu sehen, wie wichtig uns die Pferde sind und wie gut wir sie halten. Dass sie alles bedeuten für uns. Aber das wollen viele Leute gar nicht wissen, sondern einfach einen oft verletzenden Kommentar bei Instagram oder so loslassen. Ich versuche, da einfach ein bisschen wegzubleiben, weil ich weiß, dass meine Pferde ein tolles Leben haben und sich mega wohlfühlen. Ich glaube, man muss sich auf die positiven Kommentare fokussieren und nicht zu sehr über das andere aufregen.
Was ist der beste Rat, den dir deine Mama fürs Reiten jemals gegeben hat?
Ich denke das ist, niemals aufzugeben und wirklich an mich selbst zu glauben.
Und der beste Rat von deinem Papa?
Ich glaube, der stimmt immer meine Mutter überein! Aber sein Spruch ist immer: „Ganz ruhig bleiben“. Und das hilft mir auch!

Familie über alles: Für Meredith Michaels-Beerbaum schließt sich bei der WM ein Kreis. Tochter Brianne reitet in der Junge-Reiter-Tour. (© Stefan Lafrentz)
Ein kurzes Q&A
Bist du eher Morgenmensch oder Nachteule?
Morgenmensch. Definitiv!
Dein Lieblingsessen?
Meine Mutter macht immer so ein Karottenpüree. Karotten an sich mag ich auch, aber so dieses Püree ist für mich irgendwie ganz besonders.
Ein Lieblingsbuch?
Mord im Orient Express von Agatha Christie. Ich lese supergern Krimis. Gefühlt dann das ganze Buch in einem Tag. Und ich mag Klassiker.
Lieblingssänger?
Taylor Swift, ganz klar! Alles von ihr! Ich war mit meinen Eltern auf einem ihrer Konzerte.
Lieblingsfilm oder Serie?
Gossip Girl.
Lieblingsfach?
Mathe und Wirtschaft.
Dein Lieblingsort auf der Welt?
Überall, wo meine Pferde sind.
Dein Lieblingsturnier?
Aachen! Natürlich! Und nach der WM bestimmt noch viel mehr!
Was magst du gar nicht?
Achterbahnen und so Sachen mit Überschlägen. Irgendwelche waghalsigen Dinge wie Fallschirmspringen oder Bungeejumping. Meine Freunde sagen immer, du reitest über so hohe Hindernisse, das musst du doch machen. Aber nee, das ist was ganz anderes!
Und was möchtest du unbedingt mal machen?
Eine Safari mit Pferden machen ist ein großer Traum von mir. Und nach Australien und Neuseeland reisen!

Meldereiterin Brianne einst auf Pony Magic in Luhmühlen mit Mama Meredith Michaels-Beerbaum. (© www.sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz)
