Helen Brandt bei der Deutschen Meisterschaft in Balve. © S. Lafrentz

Helen Brandt bei der Deutschen Meisterschaft in Balve.

Helen Brandt aus Lindlar ist der Para-Shooting-Star des Jahres. Das klingt wild. Nach Herausforderung und Abenteuer. Und nach einem Sprung ins Unbekannte ohne doppelten Boden. Ja, so fühlt sich die WM vielleicht tatsächlich ein bisschen für die 28-Jährige Para-Dressurreiterin an, die Medizin studiert und nebenbei als Krankenschwester arbeitet.

Helen Brandt und Vulkan Vegas in Aachen.

Helen Brandt und Vulkan Vegas in Aachen. (© S. Lafrentz)

Lähmungen aus heiterem Himmel

2019 erkrankte sie während ihrer Ausbildung zur Krankenschwester, hatte Lähmungserscheinungen in den Beinen. Die Ursache ist bei heute nicht ganz klar, vermutlich eine seltene neurologische Erkrankung. Das linke Bein ist vom Unterschenkel abwärts gelähmt, sie trägt als Unterstützung beim Laufen eine elektronische Schiene. Auch der linke Oberschenkel und das Becken sind zum Teil gelähmt, das rechte Bein ist ebenfalls von Parästhesien betroffen.

Schon seit ihrer Kindheit war Helen in Pferde verliebt. Dank Physiotherapie konnte sie trotz der Lähmungen wieder reiten. 2025 war sie erstmals international in Grade IV unterwegs. In den Top-Sport drang sie allerdings – noch unter ihrem Mädchennamen Schildhauer – erst in diesem Jahr vor. Dank Willi, Vulkan Vegas IB, einem Westfalen-Wallach, der sie – nun glücklich verheiratet als Helen Brandt – in Aachen neben Größen wie Regine Mispelkamp und Heidemarie Dresing bei ihrem ersten Championat begleitet. HOOFORIA hat mit Helen Brandt kurz vor Beginn ihrer Wettkämpfe gesprochen.

Helen Brandt

Helen Brandt (© Penning/Pferdesport Deutschland)

 

Kurz vor der WM in Aachen: Wo seid ihr aktuell und was steht gerade im Mittelpunkt eures Tages?

Wir sind angekommen und leben uns hier ein. Aktuell fühlt sich Vulkan Vegas Ib, den ich liebe voll Willi nenne, sehr frisch, motiviert und richtig gut an! Im Mittelpunkt stehen aktuell unsere regelmäßigen Kuscheleinheiten vor und nach dem Training und ihn motiviert zu halten. 

An was wurde bei euch kurz vor der WM noch gearbeitet?

Wir haben uns  eher darauf konzentriert, Willi locker und durchlässig zu halten. Lektionen bauen wir natürlich immer wieder mit ins Training ein. Finetuning kann man schließlich nie genug machen, aber kurz vorher wird natürlich nichts mehr über den Haufen geworfen.

Wie sieht es gerade bei euch Paras mit der Gesundheitsfürsorge so kurz vorher aus. Wir da vielleicht noch besonders optimiert in Sachen Physio?

Ich versuche so ziemlich alles gleich zu halten wie vor anderen internationalen Turnieren auch. Damit bin ich sehr gut durch die Saison gekommen. Für mich bedeutet das, regelmäßig zu meinen Physiotherapie-Einheiten zu gehen, genügend zu schlafen und auf den Körper zu hören. 

Hattest du Gelegenheit, bei einer der anderen Disziplinen vorbeizuschauen?

Ja, ich war tatsächlich beim Grand Prix der Dressurreiter und habe natürlich die Daumen gedrückt! Ein tolles, goldenes Erlebnis!

Helen Brandt bei der Familiarization in Aachen.

Helen Brandt bei der Familiarization in Aachen. (© S. Lafrentz)

„Die Eröffnungsfeier war unglaublich toll“

Worauf freust du dich in Aachen am allermeisten?

Ich freue mich am allermeisten, dass ich überhaupt in Aachen starten darf. Damit geht für mich ein absoluter Kindheitstraum in Erfüllung! Ich werde versuchen jede Sekunde in vollen Zügen zu genießen. Und ich denke, der Anfang ist schon mal geglückt! Wir haben viel Spaß hier und saugen jeden Moment in uns auf! Manchmal gibt es Momente, die man erst einmal begreifen muss.
Bei der Eröffnungsfeier der Weltmeisterschaft in Aachen dabei zu sein, war unglaublich! Meine erste Weltmeisterschaft und plötzlich steht man mittendrin. Zwischen all den Emotionen, dieser besonderen Atmosphäre und dem Gedanken daran, wie viel Weg hinter diesem Augenblick steckt.

Helen Brandt

Helen Brandt und Vulkan Vegas IB (© S. Lafrentz)

Du und dein Pferd seid die Shooting Stars im Para-Team in diesem Jahr. Hast du jemals erwartet, dass ihr es zur WM schafft?

Es fühlt sich für mich alles noch sehr surreal an! Ich habe immer an mein Pferd geglaubt und gewusst wie besonders er ist. Doch dass wir diese Saison solche Ergebnisse erzielen können, hätte ich niemals gedacht! Aachen war natürlich ein großer Traum und unser Ziel. Dasss es jetzt aber Realität wird, ist einfach nur unglaublich und macht mich sehr, sehr emotional!

Wie würdest du dein Pferd charakterisieren? Was macht Willi so besonders?

Willi ist ein absolutes Charakterpferd! Er würde am liebsten den ganzen Tag kuscheln und bei allem dabei sein. Zudem macht er unglaublich gerne Quatsch! Man muss immer auf ihn aufpassen! Ganz besonders an ihm ist, dass er im Viereck sein ganzes Herz gibt und für mich kämpft! Er möchte gefallen und liebt es durchs Viereck zu tanzen!

Du arbeitest ja im Krankenhaus. Lässt sich das gut mit der WM und überhaupt der Vorbereitung, dem Sichtungsweg und dem doch recht hohen Zeitaufwand dafür vereinbaren?

Ehrlich gesagt lässt sich das nur sehr schwierig kombinieren. Dieses Semester hatte ich ein Forschungssemester in meinem Medizinstudium, in dem meine Arbeit zum Glück von überall möglich war. Somit konnte ich zumindest meine Uni und das Reiten gut kombinieren. Ich arbeite noch circa fünfmal im Monat als Krankenschwester im Krankenhaus. Das ist deutlich schwieriger zu bewältigen. Ich habe das große Glück, dass meine Stationsleitung immer wieder versucht, mir den Rücken frei zu halten und meine Dienste so passend wie möglich zu legen.

Helen Brandt mit Bundestrainerin Silke Fütterer-Sommer

Helen Brandt mit Bundestrainerin Silke Fütterer-Sommer (© S. Lafrentz)

Alles zur WM in Aachen gibt es hier.

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