Römische Statuen auf den Kapitolinischen Hügeln
Vor rund 2.000 Jahren regierte Rom die Welt. Man spricht nicht umsonst bis heute vom römischen Imperium, eines Machtzentrums, dessen Reichweite seinerzeit bis nach Persien, den kompletten Nahen Osten, bis nach Nordafrika und auf die iberische Halbinsel reichte. Und jeder von uns weiß, dass die Ausdehnung sich auch Richtung Mitteleuropa erstreckte. Deutsche Städte wie Regensburg („Castra Regina“), Augsburg („Augusta Vindelicum“) und die Weltstadt des Pferdesports Aachen („Aquae Granni“) existierten bereits unter den Römern, waren zum Teil wichtige Standorte von Kastellen. Quer durchs Land zog sich der Limes als Abgrenzung zu den ‚Barbaren‘, die in modernen Comics Namen wie Asterix und Obelix tragen. Und ganz im Norden, in Schottland, erstreckte sich gar der Hadrianswall als Grenze. Ja, auch „Londinium“ war damals römisch, ebenso Städte wie Bath, York oder Gloucester.
Aber genug dieser Zeitreise. Wir wollen uns ja direkt auf die Spuren der Römer begeben, die noch in heutiger Zeit von deren glorreichsten Zeiten zeugen. Denn Roms Herrscher und die Pferde, die bieten fast unendlich viel Raum für Geschichten.
Incitatus und Borysthenes
Noch vor den römischen Kaisern sorgte der legendäres Julius Caesar (er lebte 100–44 v. Chr.) mit seinem außergewöhnlichen Pferd für eine bemerkenswerte Überlieferung. Sueton beschreibt ein Tier, dessen Füße beinahe menschlich ausgesehen hätten: Die Hufe seien so gespalten gewesen, dass sie an Zehen erinnerten. Das klingt eher nach einer Krankheit. Caesar ließ laut Sueton eine Statue seines Pferdes vor dem Tempel der Venus Genetrix aufstellen. Wie lang das Pferd lebte, ist nicht bekannt.
Die wohl berühmteste Pferdegeschichte aus dem alten Rom dreht sich um Incitatus, das Lieblingspferd des Kaisers Caligula, dessen kurze Regierungszeit sich von 37–41 n. Chr. erstreckte. Der Name dieses Pferdes bedeutet ungefähr „der Schnelle“ oder „der Angesporntе“. Der Biograf Sueton berichtet, Caligula habe für den Hengst einen Stall aus Marmor, eine Futterkrippe aus Elfenbein, purpurfarbene Decken und einen juwelenbesetzten Stirnschmuck bereitstellen lassen. Darüber hinaus habe das Pferd ein eigenes Haus mit Bediensteten und kostbarer Einrichtung besessen. Sueton schreibt, Caligula habe beabsichtigt, sein Pferd zum Konsul zu ernennen. Allerdings wurde Incitatus nach heutigem Forschungsstand nicht tatsächlich zum Konsul ernannt. Es scheint vielmehr eine Drohung des Kaisers gewesen zu sein.
Nero war nicht nur als Herrscher (von 54–68 n. Chr.) bekannt, sondern auch als leidenschaftlicher Anhänger des Wagenrennens. Der Historiker Cassius Dio berichtet, dass er berühmte Rennpferde, die ihre beste Zeit bereits hinter sich hatten, weiterhin mit Geld für ihr Futter unterstützte. Pferde waren zu dieser Zeit in Rom nicht nur Reittiere oder militärische Begleiter, sondern auch gefeierte Sportstars. Wagenrennen waren allgegenwärtig. Sie wurden im berühmten Circus Maximus abgehalten. Genau dort, wo jetzt die Global Champions Tour auf dessen Ruinen stattfindet. Kaiser Hadrian herrschte einige Jahrzehnte später von 117–138 n. Chr. (Ja, er war der Kaiser mit dem Wall gegen die Schotten) verbrachte seine Zeit gern als leidenschaftlicher Jäger und schätzte sein Jagdpferd Borysthenes so sehr, dass er ihm nach dessen Tod ein Grab errichten ließ.
Zwischen Antike und Neuzeit
Pferde waren im Alten Rom wichtige Begleiter im Alltag, in der Landwirtschaft und bei der Fortbewegung. Sie waren aber auch Statussymbol, wichtige Militärdiener und auch bei Sportveranstaltungen wie Wagenrennen der Mittelpunkt des Geschehens.
Kaum ein römischer Herrscher, auf dessen Spuren man in der ewigen Stadt nicht samt einem Pferd stoßen kann. So findet man beispielsweise die Reiterstatue des Marc Aurel (von 161 bis 180 römischer Kaiser) auf der Piazza del Campidoglio direkt am Kapitolinischen Hügel in unmittelbarer Nähe zum Forum Romanum. Heute gilt die Statue als das wichtigste erhaltene Beispiel antiker kaiserlicher Reiterplastik. Das Original befindet sich in den Kapitolinischen Museen, auf dem Platz selbst befindet sich eine (hervorragende!) Kopie.
Dass die Statue erhalten blieb, hängt vermutlich damit zusammen, dass man den Reiter im Mittelalter irrtümlich für Kaiser Konstantin hielt. Christliche Herrscher konnten an einer Darstellung des ersten christlichen Kaisers eher festhalten als an einem heidnischen Kaiserbild.
Doch es gibt weitere bedeutende Reiterdenkmäler in der Ewigen Stadt.
Der italienische Freiheitskämpfer Giuseppe Garibaldi (1807 bis 1882) wird auf dem Hügel Gianicolo am Viertel Trastevere als Reiter dargestellt. Das Denkmal von Emilio Gallori wurde 1895 eingeweiht. Das Reiterstandbild des ersten Königs des vereinigten Italiens, Viktor Emanuel II. (1820-1878), aus dem Jahr 1910 bildet den Mittelpunkt des gewaltigen Nationaldenkmals Vittoriano.
In den Gärten der Villa Borghese im Norden der Stadt entdeckt man das Reiterdenkmal für Umberto I., der von 1878 bis zu seiner Ermordung 1900 König von Italien war. Das Denkmal gehört zu den Reiterstandbildern, mit denen das junge italienische Königreich seine Monarchie und nationale Einheit im Stadtbild präsentierte.
Konstantin und Karl der Große: Zwei Reiter im Petersdom
Im Eingangsbereich des Petersdoms im Vatikan, der einen eigenen Staat innerhalb Roms bildet, befinden sich zwei bedeutende Reiterstandbilder. Zum einen zeigen sie Konstantin den Großen (er war 306 bis 337 römischer Kaiser), der als erster christlicher römischer Herrscher gilt. Gian Lorenzo Bernini schuf die monumentale Darstellung des römischen Kaisers im 17. Jahrhundert. Außerdem entdeckt man hier Karl den Großen, der sich im Jahr 800 in Rom zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches krönen ließ. Agostino Cornacchini schuf im 18. Jahrhundert diese Reiterstatue.
In den Vatikanischen Museen gibt es übrigens einen Bereich nur für die päpstlichen Kutschen. Diese können auch im Rahmen spezieller Führungen besichtigt werden.
In den Galerien der schier endlos erscheinenden Vatikanischen Museen (man muss sich von der Illusion entfernen, hier alles sehen zu können, sondern sollte sich lieber einer Führung zu speziellen Punkten anschließen … sonst ist man ziemlich verloren) gibt es viele weitere Gemälde und Statuen mit Pferdebezug.
Der Nationenpreis von Rom
Besondere Berühmtheit erlangte am 1922 (ab 1926 als FEI-Turnier) der Nationenpreis in Rom, welcher bis heute zu den bedeutendsten Veranstaltungen zählt. Vor den Toren der Ewigen Stadt, auf der Piazza di Siena in den bereits genannten Gärten der Villa Borghese, ging es um die „Coppa d´Oro“. Deutschland gelang dies erstmals 1931 gegen die seinerzeit als unschlagbar geltenden Italiener. Fortan wurde Deutschland als dominierende Nation angesehen, doch der Zweite Weltkrieg zerstörte nicht nur dieses Bild, sondern zu einem großen Teil die Reiterwelt und Welt der Nationenpreise. Wären es nicht Namen wie die Inzeo-Brüder und Hans Günter Winkler gewesen, die in den frühen 50er Jahren Werbung im wahrsten Sinne des Wortes machten, hätte dieser Nationenpreis womöglich keine Zukunft gehabt. Doch er blieb bis heute bestehen.
1998 fanden in Rom sogar die Weltreiterspiele statt. Sieger im Springreiten wurde damals Rodrigo Pessoa mit Lianos. Isabell Werth siegte mit Gigolo in der Dressur, der Neuseeländer Blyth Tait mit Ready Teddy in der Vielseitigkeit und Nadja Zülow (heute Ehefrau von Marcus Ehning) im Voltigieren.
Die Global Champions Tour
2015 gastierte erstmals auch die Global Champions Tour im Stadio dei Marmi, das zum historischen Olympiakomplex aus dem Jahr 1960 gehört. Hier gewann als Erster der Schwede Rolf-Göran Bengtsson mit dem Holsteiner Hengst Casall. 2021 zog die Tour vom Stadio dei Marmi in den Circus Maximus um. Die Pferde kehrten damit nach mehr als 2.000 Jahren in das antike Wagenrennstadion zurück – diesmal allerdings für modernen Springreitsport. Jenes erste Springen gewann der Belgier Pieter Devos auf Claire Z.
Pferde sind in Rom also immer wieder gegenwärtig. Es gibt allerdings auch kritische Punkte, beispielsweise die traditionellen touristischen Pferdekutschen, die als „Botticelle“ bekannt sind. Im Juli 2026 wurde in der italienischen Abgeordnetenkammer ein Gesetzesvorschlag eingebracht, der solche touristischen Kutschfahrten verbieten würde. Vorausgegangen war unter anderem ein Vorfall, bei dem ein Pferd bei großer Hitze in Rom zusammenbrach.
Rund 30 Kilometer nordöstlich von Rom liegt Montelibretti, ein wichtiger Ort für die italienische Lipizzanerzucht. Hier betreibt das staatliche Forschungszentrum CREA eine Zuchtstätte für die traditionsreiche Pferderasse; auch Monterotondo gehört zu den italienischen Standorten der Lipizzanerhaltung. In Montelibretti findet zudem eine bekannte Vielseitigkeitsveranstaltung statt. Etwa 35 Kilometer südöstlich der Hauptstadt, im Gebiet der Albaner Berge, liegt Pratoni del Vivaro. Das dortige Centro Equestre Federale wurde für die Vielseitigkeitsprüfungen der Olympischen Spiele 1960 in Rom angelegt. Seither hat sich das Gelände zu einem international bekannten Standort des Vielseitigkeitssports entwickelt. Pratoni war unter anderem Austragungsort der Vielseitigkeits-Weltmeisterschaft 1998 und der Weltmeisterschaft 2022.
Nicht ganz von ungefähr zieht es deshalb auch Vielseitigkeitsstar Julia Krajewski in der kalten Jahreszeit in die Ausläufer Roms, wo ihr Lebensgefährte Pietro Roman lebt. Das Training ist dort definitiv leichter als bei uns im kalten Winter.
Die ländlichen Gebiete rund um Rom, insbesondere die Campagna Romana und weiter südlich der Agro Pontino, sind mit der Tradition der Butteri verbunden. Diese berittenen Viehhirten arbeiteten mit Rindern und Pferden in weitläufigen Weidegebieten. Aber das ist wohl schon eine neue Geschichte …
In Kürze:
- Anreise: Von fast allen größeren deutschen Flughäfen; Flugdauer: ca. 1 1/2 Stunden. Auch eine Anreise mit dem Zug ist, vor allem von München direkt, möglich. Preislich beginnen Flüge bei ca. 100 Euro in der Nebensaison.
- Hotels: Von der günstigen Pilgerunterkunft bis zur Luxusherberge ist alles drin. Für ein Mittelklassen-Hotel im Zentrum sollten ca. 150 bis 200 Euro pro Tag gerechnet werden.
- Essen: Gibt es viel und reichlich – und es muss nicht teuer sein! Besonders zu empfehlen sind die zahlreichen Pizzerien und kleinen Restaurants abseits der Touri-Ströme. Unbedingt probieren: Eis in der „Gelateria Tiborino Roma“ auf der Tiberinseln unweit des Circus Maximus und „Suppli“, kleine Reisbällchen sowie Spaghetti Cacio e Pepe (mit Pecorino und Pfeffer), die National-Pasta von Rom.
- Jenseits des großen Trubels sind Stadtviertel wie Trastevere und Testacchio zentrumsnah und gut erreichbar empfehlenswert.
- Müssen es unbedingt die Fontana di Trevi und das Pantheon sein? Solche Fragen sollte man sich in Rom immer wieder stellen. Es gibt unzählige sehenswerte Kirchen, sehenswerte Brunnen, sehenswerte Parks … und bei weitem nicht alles ist machbar. Also entweder Treiben lassen oder gezielt auswählen.
- Für Hotspots wie den Petersdom oder die Vatikanischen Museen sollte man sich überlegen, dass man durch eine Führung (etwa bei „Deutsche Römerin“ sogar auf Deutsch!) in der Regel deutlich mehr sieht und erlebt als auf eigene Faust. Alle zertifizierten Stadtführer in Rom müssen einen Universitätsabschluss in einem einschlägigen Studiengang haben. Wer viel sehen und nicht so viel laufen möchte, für den lohnen sich Touren mit dem Golf Cart, etwa bei „My Best Tour“.
- Für Rom sollte man ca. 3-4 Tage einplanen. Lohnenswert ist ein Zusatztag mit Ausflügen in die Umgebung, etwa Tivoli, Ostia, Orvieto …










