Die Equipe der Bundesrepublik Deutschland 1977.
Es war einmal … Ja, so beginnen Märchen. Aber so lassen wir auch die Historie von Spruce Meadows beginnen. Zunächst einmal zum Namen: Der bedeutet „Fichtenwiese‘. Und wenn man einmal auf die Lage blickt, dann ist Spruce Meadows auch so ein kleiner Fleck in den Suburbs der Millionenstadt Calgary östlich der Rocky Mountains. Calgary ist übrigens weltberühmt für ihre ‚Calgary Stampede‘, das weltgrößte Rodeo-Festival samt Landwirtschaftsmesse. Hier ist alles dabei, von Powwows der indigenen Bevölkerung bis hin zu Action bei Wagenrennen, Viehtrieb und eben Rodeo.
Und hier an jenem Ort, der heute aus der Luft wie ein riesiges Reitsport-Mekka wirkt, beginnt die Geschichte in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.
Spruce Meadows – vom Familienprojekt zum Mythos
Die Geschichte von Spruce Meadows beginnt nicht mit einem Turnier, sondern mit der Familie Southern. 1971 kauften Ron und Margaret Southern die rund 32 Hektar große Copithorne Ranch am südlichen Rand von Calgary. Ziel war zunächst, ihren Töchtern Nancy und Linda bessere Möglichkeiten für den Pferdesport zu bieten.
Am 13. April 1975 wurde die Anlage Spruce Meadows offiziell eröffnet. Bereits ein Jahr fand das erste Turnier statt. Zunächst gab es das „National“ und das „Masters“.
1976 gab es erstmals einen Sieger im Großen Preis: den Kanadier Michel Vaillancourt auf seinem Pferd Branch County. Damit war der Grundstein für eine Prüfung gelegt, die später zu einem der prestigeträchtigsten Grand Prix der Welt werden sollte.
Erster Nationenpreis geht an die Bundesrepublik Deutschland
Bereits 1977 wurde Spruce Meadows von der FEI zum einzigen Outdoor-CSIO Nordamerikas ernannt. Der entscheidende Schritt Richtung internationale Bühne. Zudem wurde in jenem Jahr erstmals ein Nationenpreis ausgetragen. Der Sieg ging an das Team der Bundesrepublik Deutschland mit Achaz von Buchwaldt, Norbert Koof, Ulrich Meyer zu Bexten und Hendrik Schulze-Siehoff, Chef d’Équipe war Fritz Ligges.
In den folgenden Jahren dominierten zunächst vor allem Großbritannien und Nordamerika.
Der Ire Eddie Macken und sein legendärer Wallach Boomerang schafften 1979 Großes: Die beiden gewannen beim Masters innerhalb von vier Tagen gleich vier Prüfungen. Die Zuschauerzahlen stiegen stetig an. 1979 überschritt die jährliche Besucherzahl erstmals die Marke von 50.000.
Mit 85.000 Dollar der höchstdotierte Grand Prix der Welt
1981 betrug das Preisgeld stolze 85.000 Dollar: Zu diesem Zeitpunkt war die Prüfung der höchstdotierte Grand Prix der Welt.
1984 gewann die Bundesrepublik Deutschland erneut den Nations Cup. Dieses Mal waren Paul Schockemöhle mit Deister, Franke Sloothaak mit Farmer, Peter Luther mit Livius sowie Karsten Huck mit Calano dabei. 1987 feierte Ludger Beerbaum einen Achtungserfolg – und mit gerade einmal 24 Jahren internationale Beachtung, als er sich nur dem Kanadier Ian Miller und Big Ben, zwei Legenden jener Zeit, geschlagen geben musste.
Im Jahr 1989 wurde Rolex offizieller Partner des Masters – eine Verbindung, die bis heute besteht und die Grundlage für den Rolex Grand Slam bildet, den heute Richard Vogel nach Hause holen könnte.
Der erste deutscher Grand-Prix-Sieger ist heute Bundestrainer
1990 gelang endlich der erste Sieg im Großen Preis … und es war … Trommelwirbel …
Der heutige Bundestrainer Otto Becker mit der Stute Pamina.
1998 und 1999 feierte Deutschland – nun wiedervereinigt – gleich zwei Nationenpreis-Siege. Beide Male mit dabei: Ludger Beerbaum und seine Schwägerin Meredith Michaels-Beerbaum. René Tebbel wurde 1999 zum zweiten deutschen Grand-Prix-Sieger mit Radiator.
Das Jahr 2000 markiert einen der wichtigsten Punkte in der Geschichte des Masters. Spruce Meadows veranstaltete den weltweit ersten Grand Prix mit einer Dotierung von einer Million Dollar. Sieger wurde der Brasilianer Rodrigo Pessoa mit Lianos. (Rolex Grand Slam)
2002 schlug die Stunde von Ludger Beerbaum, der sich mit Goldfever den Großen Preis sicherte. Ein Jahr später folgte erneut Otto Becker, dieses Mal mit seinem legendären Schimmel Cento. Im Nationenpreis ging das Siegen weiter. 2003 und 2004 gewann Deutschland ebenso wie 2007 und 2012 und 2013.
Scott Brash und der Rolex Grand Slam
Im Jahr 2013 veränderte sich die sportliche Bedeutung des Masters noch einmal grundlegend. Gemeinsam mit dem CHIO Aachen und dem CHI Genf wurde Spruce Meadows Teil des neu geschaffenen Rolex Grand Slam of Show Jumping. Heute gehören vier Majors dazu: Spruce Meadows, Aachen, Genf und das Dutch Masters in ’s-Hertogenbosch. Richard Vogel hat in s’Hertogenbosch und Aachen gewonnen.
Gleich zwei Jahre später zeigt Scott Brash, dass es tatsächlich gelingen kann, diese Turnierserie zu gewinnen. Mit Hello Sanctos holte er den Grand Prix von Spruce Meadows und ist damit der bislang einzige, dem das Kunststück des Grand Slam Sieges gelang.
2017 gewann Philipp Weishaupt mit LB Convall den großen Grand Prix. 2018 gab es wieder einen deutschen Sieg im Nations Cup. 2022 war Daniel Deußer mit Killer Queen der bislang letzte Sieger im Großen Preis unter schwarz-rot-goldener Flagge.
50 Jahre Spruce Meadows
2024 gab es noch einen deutschen Sieg im Nationenpreis. Und gestern gelang dies erneut. Und zwar zum zwölften Mal. Wenn das kein gutes Omen für den Grand Prix ist. Denn in den anderen großen Prüfungen standen ebenfalls immer deutsche Paare auf dem Podium: Richard Vogel und Chember sowie André Thieme und DSP Chakaria mit einem Sieg. Dazu kommen ein zweiter Platz von Daniel Deußer und Pepita van´t Meulenhof BR sowie Sophie Hinners und My Prins.
2025 feierte das Turnier sein 50-jähriges Bestehen. Die meisten Siege konnte Nick Skelton für sich verbuchen. Er gewann 1985, 1993, 1998, 2008. Also über einen Zeitraum von über 20 Jahren mit St. James, Dollar Girl, Virtual Village Hopes are High und Arko. Drei Siege können der Kanadier Ian Miller (1987, 1991 und über 20 Jahre später 2014) sowie John Whitaker (1986, 1992 und 1994) für sich verbuchen.
Nun wird die Geschichte weitergeschrieben …







