Richard Vogel bleibt die Nummer eins der Welt.
Richard Vogel ist die neue Nummer eins der Springreiter! Dafür feiern wir ihn! Zu verdanken hat er diese Position besonders gutem Pferdemanagement. Denn ohne dieses kann keiner an Position eins reiten. Richard Vogel hat Glück! Mit United Touch, Gangster Montdesir, Cloudio und Phenyo van het Keysersbos hat er eine unheimlich starke ‚erste Riege‘, zu der sich noch mehrere weitere Pferde für Weltranglistenpunkte gesellen. Vogel versteht diese Pferde stets sinnvoll nach ihren Fähigkeiten einzusetzen und ihnen ausreichend Pausen zu gewähren. Das ist wichtig, sonst klappt es nicht.
Heutige Form der Weltrangliste seit 2001
Die Weltrangliste der Springreiter in der Form, die wir heute kennen, ist noch gar nicht so alt. Sie existiert seit 2001.
Bekannt ist sie auch als FEI Longines Rankings, da der Uhrenhersteller seit 2013 als Sponsor dabei ist. Zuvor war sie als Rolex Rankings bekannt.
Die Rangliste berücksichtigt die Leistungen der Springreiter bei FEI-Turnieren über einen gleitenden Zwölfmonatszeitraum. Jeden Monat aktualisiert die FEI die Punkte: Die vor zwölf Monaten erzielten Punkte verfallen und werden durch die neuesten Ergebnisse ersetzt. Konkret bedeutet dies, dass ein Reiter, der im September 2026 einen Grand Prix gewinnt, die entsprechenden Punkte im September 2027 verliert.
Die Reiter sammeln Punkte entsprechend ihren Platzierungen bei FEI-zertifizierten internationalen Turnieren: CSI2*, CSI3*, CSI4*, CSI5* sowie bei Großveranstaltungen wie dem Longines FEI World Cup Finale, dem Nationenpreis (CSIO), den Europameisterschaften und Weltmeisterschaften oder den Olympischen Spielen. Das Turnier muss ein Preisgeld von mindestens 28.200 € ausloben, damit die Ergebnisse berücksichtigt werden. Das Niveau des Turniers – und damit die Anzahl der Weltranglistenpunkte – wird durch Faktoren wie die Hindernishöhe, Preisgeld, Prestige der Veranstaltung und die Anzahl der Teilnehmer bestimmt.
Vorteil durch viele Pferde?
Mit vielen Pferden an vielen Turnieren teilzunehmen, bringt zwar mehr Möglichkeiten, bei denen die Reiter Punkte sammeln können, um ganz nach vorne durchzudringen. Aber grundsätzlich werden nur ihre 30 besten Ergebnisse der letzten 12 Monate gewertet. So gibt es zwar einige, wie Richard Vogel, die mit vielen unterschiedlichen Pferden hohe Punktzahlen erlangen. Ein Blick auf den Weltranglisten-Ersten der Vormonate, Kent Farrington, beweist jedoch, dass er die Punkte mit relativ wenigen Pferden und vornehmlich seiner Top-Stute Greya erzielte.
Bonuspunkte erhalten Reiter, die bei Großveranstaltungen, insbesondere bei den Olympischen Spielen, der Weltmeisterschaft, der Europameisterschaft, den Panamerikanischen Spielen oder dem Weltcup-Finale, aufs Podium reiten.
„Man muss seine Platzierung jede Woche verteidigen. Man kann im Januar die Nummer eins sein und im folgenden Dezember aus den Top 20 herausfallen“, betonte vor einiger Zeit Daniel Deußer, der weiß, wie sich die Spitzenposition anfühlt.
Die deutschen Reiter an der Spitze
Insgesamt haben es sechs deutsche Reiter an die Spitze der Weltrangliste in ihrer heutigen Form geschafft.
Der erste war Ludger Beerbaum, gleich nach Einführung im Jahr 2001. Er blieb dort für 30 Monate.
Es folgte seine Schwägerin: Meredith Michaels-Beerbaum übernahm Ende 2004 die Spitzenposition.
Marcus Ehning übernahm im August 2005 die Führung und blieb bis Januar 2007 die Nummer 1.

Vier Mal Position eins in der Welt: Merdith Michaels-Beerbaum, Ludger Beerbaum, Marcus Ehning und Christian Ahlmann (© S. Lafrentz)
Christian Ahlmann rückte im Dezember 2012 erstmals auf Platz eins und behielt die Führung bis Mitte 2013. Er übernahm 2016 erneut die Spitze.
Daniel Deußer wurde im April 2015 Weltranglisten-Erster. Von Dezember 2016 bis März 2017 hatte er wieder die Spitzenposition inne. Ebenso im Juni 2021 als bislang letzter Deutscher.
Nun im September 2026 ist Richard Vogel nach längerer Durststrecke die neue Nummer eins!
Die erste und einzige Frau
Ihr Name ist schon gefallen: Meredith Michaels-Beerbaum. Aber sie war nicht nur eine von sechs Deutschen an der Spitze. Sie war die erste und einzige Frau, die jemals diese Position erlangte. Bis heute! Insgesamt kam sie auf 24 Monate an der Spitze der Weltrangliste. Maßgeblich waren dafür ihre beiden legendären Spitzenpferde Shutterfly und Checkmate verantwortlich. Sie betont jedoch, dass der Wallach Le Mans, der heute 31-jährig immer noch in Thedinghausen lebt, maßgeblich daran beteiligt war.
„Ohne Leo, der mit Markus 2005 Siebter im Großen Preis von Aachen wurde und den er mir etwas später übergab, hätte ich niemals diese Position so lange immer wieder halten können. Ich hätte niemals für eine Weltranglisten-Spitzenposition meine Pferde überanstrengt. Ihr Wohl stand für mich immer an erster Stelle und ich habe mich immer wieder selbst bewusst gebremst. Es war für mich die größte Ehre, im Dezember 2004 die Spitzenposition zu erreichen. Auf Kosten meiner Pferde hätte ich niemals agieren können. Aber ich glaube, sie haben mir genau das mit ihren Spitzenleistungen gedankt und mir dieses Geschenk gemacht, die erste Frau an der Spitze zu sein.“
Besondere Herausforderungen seit Einführung
Ein Problem, das bei den Damen im Springsport weit verbreitet ist, ist der Verlust von Weltranglistenpunkten durch Schwangerschaft und Geburt. Erst im Dezember 2022 reformierte die FEI den Paragrafen, nach öffentlicher Kritik von Jessica von Bredow-Werndl und Janne Friederike Meyer-Zimmermann. Seither wählen Athletinnen ihre Auszeit zwischen drei und zwölf Monaten selbst und behalten bei früherem Wiedereinstieg die Hälfte ihrer Weltranglistenpunkte.
2020/21 wurde das System wegen der Pandemie massiv angepasst. Da der internationale Turnierkalender quasi zusammenbrach, verlängerte die FEI die Gültigkeit der Rankingpunkte und fror die Rangliste teilweise ein. Ab Juni 2021 begann dann eine schrittweise Rückkehr zum normalen System.
Henrik von Eckermann ist einsame Spitze
Am längsten ununterbrochen an der Spitze der Weltrangliste stand Henrik von Eckermann. Mit 32 Monaten brach er den alten Rekord von Ludger Beerbaum, der 30 Monate ganz vorne stand. Interessant: Auch Henrik von Eckermann hatte diese Position vorrangig einem einzigen Pferd zu verdanken: King Edward. Allerdings hatte dieser – ähnlich wie bei MMB – einige Unterstützer.
Zu seiner Zeit an der Spitze sagte Henrik von Eckermann:
„Die Spitzenposition bedeutet keinen zusätzlichen Druck für mich. Ich versuche, den Moment zu genießen – ich weiß, dass dieser Moment nicht ewig anhalten wird. Es ist wie das Klettern auf einer Leiter. Man kann nicht ewig oben bleiben. Alles muss zusammenpassen mit den Pferden. Und das ist nur ganz selten der Fall.“


