Jeden Monat neu: Die Hooforia-Kolumne von Jonas Schmidt


Bild vergrößern Pferd schnuppert an geöffneten Händen

In der Hooforia-Kolumne von Jonas Schmidt geht es – natürlich – ums Pferd. (© Adobe Stock / PIC by Femke)

Neuer Monat – neue Hooforia-Kolumne. Hier finden Sie alle Texte unseres Autoren Jonas Schmidt.

Bisher erschienene Kolumnen (neuste oben)

  1. Die Kunst des Zuhörens
  2. Offener Appell an alle Pferdesportfreunde
  3. Ich. Mein Pferd. Und wir?
  4. Ich, unverbesserlich?

Teilen Sie gerne Ihre Gedanken mit uns unter dem zugehörigen Instagram-Beitrag. Wir freuen uns auf den Austausch bei @hooforia.official!


Die Kunst des Zuhörens

Wir leben in einer lauten Zeit. Jeder trägt seine Meinung wie eine Standarte vor sich her. Doch was zählt wirklich? Nicht mehr das Verstehen, sondern das Beharren. Nicht mehr der Dialog, sondern das Durchsetzen. Oft warten wir nicht, um zuzuhören – sondern um zu antworten. Wir hören nicht, wir planen. Wir empfangen nicht, wir senden.

Zuhören – echtes, stilles, offenes Zuhören – ist zu einer seltenen Kunst geworden. Denn wer zuhört, geht ein Risiko ein. Das Risiko, die eigene Position zu überdenken. Das Risiko, sich bewegen zu lassen. Zuhören heißt: den anderen ernst nehmen. Seine Erfahrung gelten lassen. Seine Wahrnehmung würdigen. Nur dann entsteht ein Raum, in dem Gräben kleiner werden. Nur dann wachsen Brücken. Nur dann wird Gemeinsamkeit möglich.

Und genau hier zeigt uns das Pferd den Weg.

Ein Pferd versteht keine langen Erklärungen. Es nimmt keine Rücksicht auf unsere starren Überzeugungen. Es reagiert auf das, was wir wirklich fühlen – auf unsere Körpersprache, auf unsere Haltung, auf unsere Echtheit. Wenn ich möchte, dass mein Pferd mir zuhört, dann muss ich zuerst lernen, ihm zuzuhören. Den kleinsten Signalen. Dem Atem. Der Spannung im Schritt. Dem Vertrauen im Blick.

Zuhören im Pferdesport heißt nicht nur, die Ohren des Pferdes zu sehen oder die Stellung des Halses zu deuten. Es heißt, die Zwischentöne wahrzunehmen. Die feinen Schattierungen. Das Ungesagte, das doch lauter spricht als jedes Wort. Und es heißt auch: mich selbst zu hinterfragen. Vielleicht ist mein Plan für heute nicht der richtige. Vielleicht braucht es Geduld. Vielleicht muss nicht das Pferd sich ändern – sondern ich.

Wer zuhört, gibt Würde.
Wer versteht, schenkt Vertrauen.
Wer reflektiert, schafft Veränderung.

So wird aus zwei Stimmen ein gemeinsamer Rhythmus. So werden aus zwei Herzen Partner. So entsteht Freundschaft.

Mein Aufruf an Sie:

Lassen Sie uns wieder lernen, zuzuhören – offen, still, ehrlich. Lassen Sie uns das Zuhören im Pferdesport als Haltung begreifen – nicht als Technik. Lassen Sie uns Vorbilder werden, die zeigen, dass Verstehen mehr Kraft hat als Beharren. Vielleicht sollten wir öfter werden wie die Pferde: wach, geduldig, klar. Denn Zuhören ist mehr als Höflichkeit. Zuhören ist der Beginn. Der Beginn von echter Begegnung. Der Beginn von Vertrauen. Der Beginn von Veränderung.

Offener Appell an alle Pferdesportfreunde

Der Pferdesport in Deutschland hat eine lange, stolze Tradition – er ist mehr als nur Wettkampf, er ist Teil unserer Kultur, unserer Leidenschaft und unserer Identität. Doch wir stehen an einem Wendepunkt. Immer stärker gewinnen fremde Sponsoren und Interessen an Einfluss. Unsere eigenen Helden, Idole und Vorbilder verschwinden dabei mehr und mehr im Hintergrund. Journalismus wird zu oft als Mittel zum Zweck benutzt, und in den sozialen Medien hat zwar jeder eine Meinung – doch kaum einer bietet echte Lösungen.

Dabei vergessen wir: Der Mensch ist ein soziales Wesen. Das, wonach wir uns am meisten sehnen, ist Zugehörigkeit. Statt gemeinsam zu wirken, arbeiten wir unbewusst gegeneinander – und reißen dabei auch den Pferdesport mit in den Strudel der Spaltung. Doch wir haben eine Verantwortung: für das Land, in dem wir leben, und für die Traditionen, die uns geschenkt wurden. Diese Verantwortung heißt nicht blinder Patriotismus. Sie bedeutet Klarheit und Bewusstsein – die Pflicht, unsere Kultur im Pferdesport zu schützen und lebendig zu halten.

Mein Aufruf an Sie:

  • Lassen Sie uns nicht nur Probleme benennen, sondern gemeinsam konstruktiv Lösungen suchen.
  • Lassen Sie uns die deutsche Tradition im Pferdesport bewahren und gleichzeitig zukunftsfähig machen.
  • Lassen Sie uns ein Vorbild für die nächste Generation sein – damit die Jugend uns nicht nur akzeptiert, sondern auch respektiert und von Herzen annimmt.

Ich lade Sie ein: Bringen Sie Ideen, Vorschläge und Visionen ein. Gehen wir in den Dialog – lösungsorientiert, respektvoll und mit Leidenschaft. Nur gemeinsam können wir erreichen, dass unsere Tradition nicht verlorengeht, sondern wieder strahlt.

Ich. Mein Pferd. Und wir?

Ich bin ein Pferdemensch.
Ich bin ein Pferdeliebhaber.
Ich bin ein Pferdefreund.
Immer ich, immer ich – und wieder ich!

Ich war dabei, meine Beziehung zu meinem Pferd zu beschreiben, und ertappte mich dabei, eigentlich immer nur von mir selbst zu sprechen.

Doch was ist mit meinem Pferd?
Warum habe ich diese Beziehung?
Ist das überhaupt eine Beziehung?
Wer führt sie?
Wer pflegt sie?
Habe ich Verpflichtungen?
Und wenn ja – erfülle ich diese?
Was sind sie überhaupt?
Ja, in letzter Zeit geht mir vieles durch den Kopf.

Ich möchte über meine Beziehung zu meinem Pferd und die Art und Weise, wie ich sie lebe, tiefgründiger nachdenken.

Ich lade Sie ein, mitzudenken.
Welche Gedanken machen Sie sich über Ihre Beziehung zu Ihrem Pferd?

Ich, unverbesserlich?

Fühlst du dich manchmal verloren? Suchst du einen Ort, an dem du einfach sein darfst? Ich habe ihn gefunden: Bei meinem Pferd. Und ich habe erlebt: Ein kleiner Moment wahrer Verbindung kann alles verändern. Vielleicht erkennst du dich darin wieder. Vielleicht ist das auch dein erster Schritt.

Manchmal verliere ich mich. Und finde mich doch wieder – bei meinem Pferd. Es sind diese Momente, in denen ich mich frage: Wie komme ich da nur wieder raus? Diese Tiefpunkte, in die ich immer wieder gerate, wie in eine Schleife. Ich versuche, mich selbst zu verstehen – und spüre gleichzeitig: Ich brauche einen ruhigen Ort. Einen Platz nur für mich. Einen Ort, an dem ich einfach sein darf.

Und da ist mein Pferd.

Was bedeutet es mir eigentlich? Ist es mein Helfer? Mein Spiegel? Oder ist es einfach da – wie ein Freund, der nichts erwartet und trotzdem alles gibt? Vielleicht ist das die Antwort. Mein Pferd hilft mir – nicht, weil es muss, sondern weil es da ist. Es urteilt nicht. Es hört zu. Es schenkt mir Präsenz und Raum. Und ich? Ich darf einfach sprechen. Gedanken teilen. Fühlen. Sein.

Das ist mein Anfang. Mein fester Boden.

Heute habe ich beschlossen, zu meinem Pferd zu gehen – ohne Erwartung, ohne Druck. Nicht, weil ich Heilung erwarte, sondern weil ich bereit bin, etwas zurückzugeben. Weil es um Beziehung geht, nicht um Bedürftigkeit. Ich möchte da sein – für mein Pferd, wie ich mir wünsche, dass jemand für mich da ist. Ein Gespräch – 15 Minuten. Kein Muss. Kein Ziel. Einfach nur Verbindung. Echtheit. Nähe.

Das ist meine Aufgabe für heute.

Und vielleicht … möchtest du sie auch annehmen? Erzähl mir, wie es dir damit geht. Ich werde berichten, wie es für mich war. Dein Weg beginnt mit einem ersten Schritt. Fühlen. Verbinden. Leben.

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