Nach einem Sturz vor der Prüfung konnte sich Wenke Kraus mit Samba Royal K WE den Titel der Bundeschampionesse bei den vierjährigen Reitponystuten und -wallache sichern.
Dass das Finale in diesem Jahr für extra Zündstoff sorgte, lag auch am neu eingeführten Prüfungsmodus der FN. Erstmals traten die vierjährigen Nachwuchstalente im Finale nicht mehr wie gewohnt gemeinsam in der Gruppe zu einer Reitponyprüfung an, sondern absolvierten eine einzeln gerittene Dressurponyprüfung der Klasse A. Unter Extrembedingungen durch den Wetterumschwung, wie am Samstag, zeigte dieses System auch seine Kehrseite:
Die jungen Reitponys mussten sich von den anderen auf dem Arbeitsplatz lösen und ihnen fehlte auf sich allein gestellt ein gewisses Maß an Sicherheit im Viereck. Hier war bei mehreren Reitponys eine mentale Belastung sichtbar. Bei den Bundeschampionaten soll das Thema Pferdewohl noch stärker in den Mittelpunkt rücken. Diese Änderung für die Vierjährigen im Finale wird allerdings nach den Ereignissen des heutigen Tages bestimmt nicht nur in Züchter- und Ausbilderkreisen intensiv diskutiert werden.
Schrecksekunde vor dem Einreiten und Hoffen auf grünes Licht
Ausgerechnet die Siegerinnen der Qualifikation sorgten kurz vor der Prüfung für ein banges Innehalten. Beim Einreiten sah es so aus, als hätte Samba Royal K WE Angst, sich von der Gruppe auf dem Arbeitsplatz zu lösen. Sie stieg, verlor das Gleichgewicht und stürzte mit Reiterin Wenke Kraus, die unter das Pony geriet. Geistesgegenwärtig reagierte die Turnierleitung, um den Ablauf geordnet zu halten. Während Veterinär und Notarzt Reiterin und Stute gründlich untersuchten, rückte das Paar an das Ende des Starterfeldes.
Nachdem Janne Sommer das Viereck verlassen hatte, blieb es erst einmal still – bis die erlösende Nachricht kam. Wenke Kraus konnte als letzte Starterin einreiten. Jede Person, die schon einmal einen solchen Sturz erlebt hat, weiß, wie gefährlich das sein kann. Das eine ist vom Pferd zu fallen, das andere mitsamt dem Pferd oder Pony zu stürzen. Wenke Kraus stieg erst kurz vor ihrem Start erneut in den Sattel. Und im Viereck zeigte sich, dass Pony und Reiterin doch so ein gutes Team sind.
Tageshöchstnote für die Durchlässigkeit
Die Tochter des Cosmo Royale aus einer Wengelo’s Ricardo-Mutter überzeugte mit einer herausragenden Trabtour. „Eine sehr gute Schulterfreiheit sowie ein guter Fußungsbogen der Hinterhand, wobei sich die Stute bereits sehr sicher und ausbalanciert zeigte“, kommentierten die Richter und belohnten den Trab mit einer 9,4. Das Publikum jubelte und pfiff bei der Verkündung. Wenke bat sie mit einer Geste mit der Hand, die Lautstärke zu reduzieren. Sicherheitshalber verließ sie das Viereck vor Ende der Benotung, um Samba Royal nicht unnötig aufzuregen.
Im Galopp zeigte sich die Stute aus der Zucht von Reinhard Kramer, die im Besitz von Ralf Knauf ist mit schöner Bergauftendenz. Dafür gab es eine Wertnote von 8,8 und für den Schritt eine 8,3. Für die einfach sehr gute bis fast schon ausgezeichnete Durchlässigkeit konnte Samba Royal die Tageshöchstnote von 9,6 auf ihrem Konto verbuchen. Gemeinsam mit einer 9,0 für den Gesamteindruck stand das Ergebnis fest: 9,02 für die neue Bundeschampionesse! „Wir haben ganz sichere Übergänge und eine gute Balance gesehen“, lobten sie Richter das Paar. „Das Ganze sah einfach natürlich und mühelos aus.
Disney’s Mobility wird Vize-Bundeschampionesse
„Das könnte wirklich ein gutes Kinderpony werden“, kommentierten die Richter die Vorstellung von Disney’s Mobility unter Mailin Quast.
Die sympathische Reitponystute, die in der Qualifikation noch Platz vier belegt hatte, konnte im Verlauf der Aufgabe trotz der Umweltbedingungen immer mehr Vertrauen gewinnen und sich präsentieren. Abstammend von The Braes My Mobility aus einer Don Nobless-Mutter wird diese Stute bestimmt noch von sich reden lassen. Für die Anpaarung entschied sich die Zuchtgemeinschaft Frieling und Disney’s Mobility ist im Besitz von Maik Cordes.
Das Highlight dieser Runde war die Schritttour, welche am Mikrofon daher begeistert kommentiert wurde: „Den Schritt fanden wir nicht gut, den fanden wir sehr gut!“. Dafür gab es eine glatte 9,0. Trab und Galopp wurden jeweils mit einer 8,0 bewertet. Die Richter legten in Bezug auf die Durchlässigkeit noch eine Schippe drauf und vergaben eine 9,5. Gemeinsam mit der 8,8 für den Gesamteindruck sicherte sich Disney’s Mobility Platz zwei mit der Gesamtwertnote von 8,66 und darf sich Vize-Bundeschampionesse nennen.
Ghostkeeper sichert sich Platz drei
Das Podest komplettierte der bereits in der Qualifikation zweitplatzierte Wallach Ghostkeeper von Goldecht P aus einer Trentino-Mutter, vorgestellt von Patricia Gehre. Züchter ist Hermann Arts, Besitzer Christoph Gehre. Auch Ghostkeeper punktete vor allem mit einer ausdrucksstarken Trabtour, für die es eine 8,7 gab, sowie einer dynamischen Galoppade, welche die Richter mit einer 8,5 benoteten.
Die Grundgangarten wurden mit einer 8,0 für den Schritt komplettiert. In Sachen Durchlässigkeit war an diesem Finaltag noch Luft nach oben, was aber durchaus auch erneut der Kulisse zu schulden gewesen sein kann. Daher gab es eine 7,9. Der Gesamteindruck wurde mit einer 8,3 benotet. Am Ende sicherte sich das Paar Bronze bei den vierjährigen Reitponys mit einer Gesamtwertnote von 8,28.