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Die Olympischen Ringe sind ein Traum von vielen, der für wenige wahr wird.

Es ist so weit: Der Nationalkader der deutschen Fußballer steht. Bundestrainer Jürgen Klopp präsentierte seine Wunschkandidaten, um Fußballdeutschland wieder zurück an die Spitze zu führen. Mit sechzehn Debütanten und zwei kompletten Teams. Wer darf mit, wer bleibt zu Hause? Das war für Millionen Deutsche fast ein sporthistorischer Moment samt Live-Ticker und ganz vielen Diskussionen.

Und während gefühlt ganz Deutschland auf das mediale Berufungs-Spektakel der DFB-Ball-Idole blickt, spürt eine Familie im Norden von Deutschland noch immer die Nachwehen einer Nominierungs-Eskalation auf Landesebene, die stellvertretend steht für unzählige persönliche Dramen, die sich unabhängig von Ort, von Zeit ja sogar von der Sportart im Leben eines Athleten (immer) wieder ereignen können.

Nominierungs-Zirkus

Es ist die Geschichte von einer Nachwuchsreiterin, die sich zu Unrecht kurz vor der Zielgeraden zur Deutschen Jugend-Meisterschaft von ihrem Verband auf bitterste Weise ausgebremst fühlt. Die Geschichte einer nicht ganz glücklichen Aufarbeitung via Social Media und es ist eine Geschichte, die neben Verlierern auf beiden Seiten viele Fragen offenlässt. Fragen zu nicht ausgeschöpften Startplatzkontingenten, nach Verantwortlichkeiten und Ermessungsspielräumen.

Allesamt Fragen, die sich aber wiederum nicht nur im Pferdeland zwischen den Meeren immer wieder stellen, sondern Fragen, die Kaderzusammenstellungen und Nominierungen per se regelmäßig und stets aufs Neue begleiten.

Herausforderung Kaderberufung

Kaderberufungen und Nominierungen sind nie nur leistungsbegründet, sie sind zutiefst menschlich. Natürlich gibt es auf den ersten Blick eine gewisse Nachvollziehbarkeit, die eine Berufung in den erlauchten Kreis der sportlichen Elite begründen.

Es gilt Wege einzuhalten und Ergebnisse zu liefern. Lehrgänge müssen besucht und Turniere erfolgreich bestritten, bevor man sich das Landeswappen aufs Jackett bügeln darf. Doch es ist so vieles mehr, was dort zwischen Sichtungssiegen und Platzierungsnachweisen im Hintergrund passiert und letztlich den anvisierten Start am Championat ermöglicht.

Der Vorwurf der Willkür bei Nominierungen durch Sportverbände entspringt dem immensen Spannungsfeld zwischen sportlicher Leistung, Verbandsautonomie und teils ziemlich schwammigen Nominierungskriterien. Während Verbände rechtlich einen weiten Ermessensspielraum besitzen, fordern Athleten zunehmend Transparenz und klagen diese Offenheit sogar erfolgreich vor Gericht ein. Mit einem Sieg vorm Kadi fährt manch ein Verbandsopfer dann doch noch zur WM, während ein anderes sein Pferd trotz einstweiliger Verfügung schlussendlich nicht für Olympia satteln darf.

Angefangen auf Kreisebene bis hoch auf die internationale Bühne: Nominierungen sind eben immer auch sportpolitische Entscheidungen, bei denen Verbände ihre ganz eigene Kultur pflegen.

Mit teils verständlichen Verflechtungen teils aber eben auch mit Seilschaften, die zumindest von außen ein bisschen filzig wirken könnten.

Ponyhof oder Haifischbecken?

Wer Leistungssport betreibt, weiß, dass das kein Honigschlecken ist. Weder der (reit)-sportliche Part mit forderndem Trainingspensum, noch die formalen Wege zum Championat und in den Kader. Und bis die Mannschaft unisono grölt „Eins zwei drei vier, Bestes Dream-Team das sind wir, fünf, sechs sieben acht, Mia hat das gut gemacht …“ muss viel Kuchen gebacken und bisweilen Kreide geknabbert werden.

Sind jedoch all die charakterstarken Leistungsträger zu einem harten Kern zusammengeschweißt, setzt das häufig ganz neue Energien frei. Beim Team und auch bei jedem Einzelnen. Das Wissen um die Stärke von Mannschaftsspirit und funktionierender Einheit mag im Übrigen auch seinen Teil dazu beitragen, dass manch Offizieller bisweilen lieber auf „prima Klima“ statt streitbarem Einzelkämpfer setzt. Trotzdem dürfen Willkür und das Übersehen individueller Leistung im Nominierungsgeschehen keinen Platz haben. Und die Gremien übernehmen mit Berufungen und möglichen Abnominierungen ganz sicherlich ein hohes Maß an (menschlicher) Verantwortung.

Fair Play, Schlichtung und Zusammenhalt, statt garstigen Bemerkungen, fiesen Unterstellungen und einem endgültigen Zerwürfnis. Support statt Streit. So sollte es im und mit dem Verband laufen.

Und das müssen sich nicht nur die Funktionäre vor Augen halten, sondern auch all die Löwen-Mamas und stolzen Papas, die für eine Nominierung ihrer Sprösslinge bisweilen mit härteren Bandagen kämpfen, als das dem Reitsport und insbesondere seinem Nachwuchs tatsächlich guttut.

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