Das Para-Team aus Deutschland mit Regine Mispelkamp, Heidemarie Dresing, Anna-Lena Niehues und Helen Brandt.
Regine Mispelkamp ist seit Jahren im Para-Sport erfolgreich und hat schon an vielen Championaten teilgenommen. Bei zwei Paralympics gab es vier Medaillen für die 55-Jährige aus Greven. Helen Brandt (28) ist dagegen bei ihrem ersten Championat dabei. Dennoch sind sich beide einig: Aachen ist etwas ganz Besonderes und eine große Chance für den Parasport.
Was muss denn für euch ein Pferd mitbringen, um ein gutes Championatspferd zu sein?
Regine: Ein Championatspferd muss, glaube ich, viel Kampfgeist mitbringen und auch Lust haben, sich zu präsentieren. Man muss sagen können, dass dieses Pferd so richtig mitgeht und immer mitkämpft.
Helen: Für mich ist auch immer wichtig, dass ein Championatspferd kämpft, nie aufgibt, selber viel Spaß daran hat und trotz dieser riesigen Bühne mir zuhört. Dann kann man sich gemeinsam einer solchen Prüfung stellen.
Was macht denn die Verbindung zwischen euch und euren Pferden so besonders?
Regine: Ich glaube, unsere Pferde spiegeln uns natürlich extrem. Sie lernen mit unseren Einschränkungen umzugehen und passen sich so ein bisschen an. Sie merken schon, wenn es uns vielleicht nicht ganz so gut geht. Dann passen sie auf uns auf und tragen uns. Genau diese Verantwortung haben wir natürlich auch umgekehrt.
Helen: Also ich kann mich da genauso anschließen. Die Verbindung zwischen dem Pferd und mir ist genau, wie Regine das beschreibt. Ich weiß, wann ich mich auf ihn verlassen kann, weiß auch, in welcher Situation er vielleicht ängstlich reagiert, sodass ich auch ein bisschen mehr auf ihn aufpassen kann. Man beschützt sich gegenseitig und kämpft füreinander.
Wie schwierig ist es eigentlich als Para-Dressurreiter das richtige Pferd zu finden?
Regine: Ich glaube, das ist nie so einfach. Egal ob bei uns oder den ‚normalen‘ Reitern. Da muss einfach so dieses Feeling da sein füreinander. Ich glaube, das spürt jeder Reiter für sich selber, unabhängig davon, ob man Einschränkungen hat oder nicht. Je mehr man sich dann kennenlernt, umso mehr wächst man einfach miteinander und freut sich, dass man jeden Tag immer wieder eine neue Entwicklung hat. Stück für Stück wird das immer besser und man wächst gemeinsam. Und das macht ja auch so ein bisschen den Reiz aus, dass es irgendwie immer weitergeht.
Helen: Ich glaube, jeder von uns kennt das Gefühl. Man setzt sich drauf, man reitet los und entweder man hat das Gefühl, das wird ein Match, auch wenn es ein weiter Weg ist, oder man sagt, ist zwar gut, aber ich habe einfach nicht das passende Gefühl. Dafür war es bei mir auch egal, ob Beeinträchtigung oder keine Beeinträchtigung. Ich habe immer draufgesessen und wusste, das wird was oder das passt eben nicht so ganz.
Wann bekommt ihr eigentlich das Gefühl von ‚heute wird das so richtig gut‘?
Regine: Man kennt sich in und auswendig und dann kriegt man einfach das Gefühl, dass man jetzt nur noch rein ins Viereck möchte. Und man weiß einfach, das wird jetzt toll und man möchte zeigen, was man kann. Highlander hat ja in diesen Momenten auch gern mal ein paar lustige Attacken im Gepäck. Ich muss dann genau darauf schauen, was ich tun kann, damit er ruhig ist und sich ganz auf mich konzentriert.
Helen: Ich merke das bei Vulkan Vegas auch sofort. Er atmet einmal durch und meistens muss er dann auch noch einmal misten und dann weiß ich er ist locker, er ist bereit.
In Deutschland für Deutschland zu reiten. Was ist das für ein Gefühl?
Regine: Das sind so viele unterschiedliche Gefühle. Ich glaube, wir haben alle die ganze Saison auf diesen Moment hingefiebert. Jetzt ist es ein Geschenk obendrauf, dass wir das geschafft haben, hier Deutschland vertreten zu dürfen, das im eigenen Land. Und ich glaube, die ganze Sportnation steht hinter uns und darüber freuen wir uns natürlich.
Helen: Für mich bedeutet das wirklich die Welt! Ein Kindheitstraum, der in Erfüllung geht. Mein erstes Championat im eigenen Land für Deutschland, das ist für mich nach wie vor unbeschreiblich, macht mich immer emotional. Jeden Morgen stehe ich auf, fahr hier zu meinem Pferd und habe die Tränen in den Augen, wenn ich realisiere: Wir sind wirklich da! Ich glaube, das kann keiner mit Worten beschreiben.
Was muss denn in den nächsten Tagen zum Ende der WM passieren, dass ihr sagt, das war für mich erfolgreich?
Regine: Der größte Erfolg ist für mich, hier starten zu dürfen. Alles andere ist ein Geschenk obendrauf.
Helen: Das trifft es eigentlich ziemlich genau, denn ich glaube, für uns ist es eine Riesenehre hier zu sein. Mein größtes Geschenk wäre, wenn ich hier rausreite und sage, ich bin zufrieden und ich konnte es genießen. Ich möchte danach sagen: Das war das Schönste, was hätte passieren können.
Regine: Und dann hoffe ich auf mehr Sichtbarkeit für den Para Sport und wir versuchen ganz viel Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben mit unseren eigenen Mitteln. Aachen hat eine sehr große Vorreiterrolle und dass wir diesen Hype auch mitnehmen können in andere Sportarten. Das wäre ein großer Erfolg. Für mich ist immer ganz wichtig: Wir sind nicht anders als andere Menschen. Uns kann jeder ansprechen und kriegt immer eine Antwort und wir lieben unseren Sport genauso wie jeder andere. Und jeder Mensch sollte sich darüber im Klaren sein, dass sich das Leben jede Sekunde völlig ändern kann und trotzdem weitergeht. Mein größter Wunsch ist in jedem Fall, dass wir alle Sportler sind. Egal ob Springreiter, Dressur, Fahren oder eben Para-Dressur.
Wenn wir jetzt mal das Wort Para komplett weglassen, was macht für euch richtig gute Dressur aus?
Regine: Ganz viel Harmonie, das Pferd spüren und dieser Reiz, es geht noch ein klein bisschen mehr, das Gefühl wird noch schöner, dass man sich so miteinander in eine Symbiose bringen und das wirklich zelebrieren kann.
Helen: Es sieht einfach schön aus, es ist harmonisch und man sieht überhaupt nicht, dass der Reiter obendrauf viel arbeiten muss, weil es wie ein Tanz einfach ist.

