Mit diesem Bild verabschiedete sich Monty Roberts von Shy Boy.
Monty Roberts war eine Naturgewalt. Wo er auftrat, gelang es dem kleinen Mann aus Kalifornien alle in seinen Bann zu ziehen. So geschehen mehrfach in Deutschland im Rahmen der Equitana. 2019 war er dort noch einmal vor ausverkauftem Haus zu Gast. In den vergangenen Jahren wurde es ruhig um ihn. Gesundheitliche Probleme begleiteten den Mann, der am 14. Mai 1935 in Salinas/Kalifornien geboren wurde. Nun ist er am 31. Juli im Alter von 91 Jahren in Kalifornien gestorben. Nur wenige Monate, nachdem sein Lieblingspferd Shy Boy mit 33 Jahren gegangen war.
Damals sagte Monty Roberts: „Kein Pferd wird mir jemals so sehr in Erinnerung bleiben wie dieser wundervolle amerikanische Mustang. Er liebte praktisch jeden, und die gesamte Pferdewelt liebte ihn. Ich bin mittlerweile über 90 Jahre alt, und ich bin mir sicher, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis ich wieder bei ihm bin. Alle, die ihn kannten, werden zustimmen, dass er jedem in Erinnerung bleiben sollte. Ich liebe dich, Shy Boy, und ich bin mir sicher, dass wir uns bald wiedersehen.“
„Wir werden uns bald wiedersehen“
Insbesondere der letzte Satz bewegt. Er wird in Erinnerung bleiben. Monty Roberts, mit eigentlichem Namen Marvin Earl Roberts, hatte vermutlich bereits mit seinen damals stolzen 90 Jahren gespürt, dass die Kräfte nachließen. Wer noch einmal die Geschichte von Monty und Shy Boy genauer nachvollziehen möchte, dem sei unser damaliger Nachruf auf das Wildpferd an seiner Seite empfohlen.
Zuletzt lebte Monty Roberts mit seiner Ehefrau Pat, einer Künstlerin mit Leidenschaft für Pferdeskuplturen, zusammen. Sie sei seine Stütze, betonte er immer wieder. Roberts wuchs als Sohn eines Pferdetrainers quasi auf dem Rücken der Tiere auf. Allerdings war die Art und Weise, wie der Vater Pferde (und Menschen) behandelte, für ihn der Grund, es anders zu machen.
#doitride im Blut und Herzen
„Ich wollte den Pferden später etwas zurückgeben. Gewaltfrei mit ihnen umgehen. Zeigen, dass es einen anderen Weg gibt“, sagte er einmal. Er war ein Botschafter des #doitride-Gedankens. Zeit seines Lebens. Nicht, weil er alles richtig machte. Nein, Monty Roberts gab zu, dass er viele Fehler gemacht habe. Er arbeitete immer an sich, an seiner Herangehensweise, seinem Umgang mit den Pferden, hinterfragte alles – und stellte die Beziehung zu einem gleichwertigen Partner in den Mittelpunkt.
Mit vier Jahren war der kleine Monty schon auf Turnieren unterwegs. Als junger Mann arbeitete er als Stuntdouble für Filmstars. Außerdem verdiente er Geld beim Rodeo. Schon in den 60er Jahren begann er jedoch mit dem gewaltfreien Pferdetraining. Es dauerte allerdings bis in die 80er Jahren, dass die Zeit reif war dafür und die Öffentlichkeit aufmerksam wurde.
Berühmt dank Nicholas Evans und Robert Redford
Mit seiner bekannten Join-Up®-Methode sorgte Monty Roberts bereits in dieser Zeit für Aufsehen, als er sie als Gastdozent an der Universität Vancouver in Kanada präsentierte. In den folgenden Jahren entwickelte er daraus die Follow-Up®-Methode weiter und veröffentlichte in den 1990er Jahren auf dem Höhepunkt des öffentlichen Interesses mehrere erfolgreiche Bücher, die auch in Deutschland viele Leser fanden. Internationale Bekanntheit erlangte Roberts zudem durch seine Arbeit mit den Pferden von Queen Elizabeth II. Diese wurde 2023 in der sehenswerten Dokumentation „The Cowboy and the Queen“ aufgegriffen.
Vor allem gilt Roberts aber auch als Inspiration für die Figur des „Pferdeflüsterers“ in dem Roman von Nicholas Evans und der gleichnamigen Verfilmung von Robert Redford. Obgleich er mit der Geschichte nichts direkt zu tun hat, nicht als Berater diente oder ähnliches, war er fortan für viele eben ‚der echte Pferdeflüsterer‘ und wurde so auch in zahlreichen Berichten bezeichnet.
Arbeit mit Rennpferd Lomitas
In den folgenden mehr als 30 Jahren bereiste Monty Roberts nahezu alle Kontinente und demonstrierte seine Trainingsmethoden weltweit. Auch in Deutschland machte er sich einen Namen, insbesondere durch seine Kurse und Nachfolger wie Andrea Kutsch, aber auch durch die Arbeit mit dem Rennpferd Lomitas vom Gestüt Fährhof. Nach dem Training mit Roberts feierte der Hengst zahlreiche bedeutende Siege und entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Rennpferde seiner Zeit.
Heute führen Monty Roberts‘ Töchter Debbie Roberts Loucks und Laurel Roberts das Lebenswerk ihres Vaters im Monty Roberts California Horse Center fort. Außerdem arbeiten Monty Roberts Instructors weltweit mit Pferden im Sinne des Gründers der Bewegung.
„Kritiker motivieren mich, selbst immer besser zu werden“, meinte Roberts 2019 in Essen bei der Equitana. „Es gilt immer an sich selbst im Sinne des Pferdes zu arbeiten. Ich möchte definitiv nicht, dass mich alle nur mögen. Diskussionen sind wichtig. Ich habe die Begeisterung für Pferde mein Leben lang gelebt und hoffe, dass ich so vielen Pferden etwas Gutes tun konnte. Ich bin nicht derjenige, der sagt, man muss mit Pferden in Kontakt sein, um ein glückliches Leben zu führen. Aber mein Weg hat diese Verbindung geschaffen, die beiden Seiten ganz viel Gutes brachte. Wir alle sollten jeden Tag Dinge tun, bei denen wir in den Spiegel schauen und sagen können: ‘Das ist gut. Damit habe ich etwas Positives bewirkt.‘ Pferde können uns einen Weg dafür zeigen. Es ist sicherlich nicht der einzige Weg, aber es ist eine Möglichkeit, für tieferes Verständnis, für leises Zuhören und echte Harmonie.“
Wir verneigen uns vor einem der ganz Großen, die im Sinne des #doitride-Gedanken mit Pferden gearbeitet haben. Danke für Alles, Monty Roberts! Dieser Mensch wird unvergessen bleiben! Wir sind in Gedanken bei seiner Ehefrau, seinen Kindern, Angehörigen und allen, die ihn kannten und schätzten.
Hörenswert sind nicht nur heute die Podcasts von Monty Roberts und seinen Instruktoren.