Mathies Rüder und Hjoptimus sind die neuen Einzel- und Mannschafts-Europameister der U21-Reiter.
Segersjö liegt quasi mitten im Wald, westlich von Stockholm. Nun kann man den Ort als echte Medaillenschmiede bezeichnen – und zwar für die deutschen Nachwuchs-Vielseitigkeitsreiter. Die sicherten sich nämlich nicht nur in der Junioren- und Junge-Reiter-Konkurrenz den Mannschaftstitel, sondern auch beide Einzeltitel. Dazu gab es Silber und Bronze. Kurz und knapp: Besser geht es nicht! Bei den Jungen Reitern wurde Mathies Rüder mit Hjoptimus Europameister, Pita Schmid und Favorita V gewannen Bronze. Die Junioren sorgten mit Teresa Leowald und DJ Continus für Einzel-Gold, während Iliane Hannalisa Hein mit Akeby’s Quemiro Silla Silber holte. Die Nachwuchsreiter können nun auf eine wahrlich enorme Serie in der Vielseitigkeit blicken, denn Calvin Böckmann war ja bereits U25-Weltmeister geworden und das Team hatte Rang zwei belegt, hinzu kam Bronze als Team bei den Pony-Vielseitigkeitsreitern.
Vielseitigkeit am Herrenhaus
Zum zweiten Mal nach 2021 fanden die Nachwuchs-Europameisterschaften rund um das schwedische Herrenhaus Segersjö in der Gemeinde Örebro statt. Die landschaftlich reizvolle Kulisse mit dem nahe gelegenen Hjälmaren, dem viertgrößten See Schwedens, und dem Kvismare-Kanal prägte auch die Geländestrecken. Wasserdurchritte und Wasserhindernisse waren mehrfach in die teilweise hügeligen Kurse integriert. Zu den außergewöhnlichsten Aufgaben gehörte bei den Jungen Reitern das Durchreiten eines Bootshauses mit anschließendem Sprung ins Wasser.
Junge Reiter legen mit Bestleistungen vor
Für die deutschen Jungen Reiter begann die Europameisterschaft bereits in der Dressur nahezu ideal. Carl Voigt mit Descansado FRH und Mathies Rüder mit Hjoptimus erzielten jeweils persönliche Bestleistungen und belegten nahezu gleichauf die Plätze eins und zwei. Auch Pita Schmid mit Favorita V lieferte ihre bislang beste internationale Dressur ab und legte damit gemeinsam mit ihren Teamkollegen den Grundstein für die deutsche Führung.
Im Gelände wartete mit der Wasserkombination 17ABC die vermutlich schwierigste Passage der Strecke. Championatsdebütantin Silva Kelly entschied sich mit Calypso am Element C für die Alternative. Da sie das ursprüngliche Hindernis nicht angeritten hatte, wurden lediglich Zeitfehler gewertet. Carl Voigt gelang eine echte Punktlandung: Exakt in der erlaubten Zeit von 8:46 Minuten absolvierte er die 4.820 Meter lange Strecke mit ihren 27 Hindernissen und behauptete seine Spitzenposition. Auch Mathies Rüder kam ohne Hindernisfehler ins Ziel. Pita Schmid konnte als Schlussreiterin auf einer komfortablen Ausgangslage aufbauen. Ihre Favorita V galoppierte sogar drei Sekunden innerhalb der erlaubten Zeit ins Ziel und präsentierte sich dabei noch ausgesprochen frisch und energisch.
Mathies Rüder krönt sich zum Europameister
Das abschließende Springen erwies sich als anspruchsvoll. Nur drei Reiter blieben ohne Hindernis- und Zeitfehler – darunter Mathies Rüder. Der erfahrene Championatsreiter spielte seine Stärke im Parcours aus und beendete die Europameisterschaft mit 23,7 Minuspunkten als Einziger auf seinem Dressurergebnis. Damit stand fest: Mathies Rüder und Hjoptimus sind die neuen Europameister der Jungen Reiter. Für Carl Voigt verlief das Springen dagegen nicht ganz so glücklich. Zwei Abwürfe mit seinem DSP Descansado bedeuteten 32,8 Minuspunkte und Platz vier.
Davon profitierte Pita Schmid. Nach Platz vier vor dem Springen kassierte sie lediglich 0,8 Zeitfehler und sicherte sich mit insgesamt 30,4 Minuspunkten die Bronzemedaille hinter der Britin Elizabeth Barratt und Ride For Thais Chaman Dumontceau. Silva Kelly und Calypso beendeten die EM auf Rang 27 mit 54,6 Minuspunkten. Die deutschen Einzelreiterinnen und -reiter hatten sich nach dem Gelände gute Ausgangspositionen erarbeitet. Für Liv Noé Hartmann und La Diva verlief das Springen mit vier Abwürfen allerdings nicht ganz nach Wunsch. Mit 49,4 Minuspunkten belegte sie bei ihrer EM-Premiere Platz 21. Ella Krüger und der Vollblüter Königsblauer kassierten nach einem Versehen am Aussprung der Wasserkombination 20 Strafpunkte und beendeten die Europameisterschaft mit 64,3 Minuspunkten auf Rang 30.
Am Ende sicherte sich auch die deutsche Mannschaft den Europameistertitel. Mit 86,9 Minuspunkten lag das Team rund 30 Punkte vor Großbritannien auf dem Silberrang (117,7). Die Briten stellten mit Elizabeth Barrat und Ride for Thais Chaman Dumontceau zugleich die Silbermedaillengewinnerin in der Einzelwertung.
Eng wurde es im Kampf um die Teammedaillen allerdings noch durch eine starke französische Aufholjagd. Die nach dem Gelände zunächst auf Rang fünf liegenden Franzosen setzten mit drei Nullrunden und lediglich 0,8 Zeitfehlern die Konkurrenz massiv unter Druck. Sie überholten zunächst Spanien und die Niederlande und verpassten schließlich nur knapp auch den Sprung auf den Silberrang. Am Ende blieb Frankreich Bronze.
Gold für Deutschlands Junioren und Teresa Leowald
Bereits nach der Dressur hatten Teresa Leowald mit DJ Continus und die Deutsche Meisterin Iliane Hannalisa Hein mit Akeby’s Quemiro Silla bei den Junioren die Spitzenpositionen übernommen und Deutschland damit in Führung gebracht. Auf der Geländestrecke gab es zunächst allerdings einen kleinen Rückschlag. Startreiterin Milla Staade löste mit Christ William am Einsprung des einflussreichen Wasserhindernisses 13ABC das MIM-Sicherheitssystem aus und erhielt dafür zusätzliche elf Strafpunkte. Ihr Ergebnis wurde damit zum Streichergebnis. Pia Sophie Schreiber gelang dagegen mit Cliemann eine fehlerfreie Geländerunde, durch die sie sich im Zwischenklassement um zehn Plätze verbesserte.
Auch bei Iliane Hannalisa Hein und Akeby’s Quemiro Silla sorgte Hindernis 13 kurzzeitig für Diskussionen. Zunächst stand die Frage im Raum, ob das Paar den schmalen, weiß angestrichenen Aussprung C korrekt absolviert hatte. Die Situation konnte jedoch schnell geklärt werden: Das Paar blieb fehlerfrei. Nach der dritten deutschen Nullrunde durch Schlussreiterin Teresa Leowald mit ihrem schnellen Schimmel behauptete das Team seine Führung souverän.
Fünfmal Deutschland in den Junioren Top Ten
Im abschließenden Springen unterstrich Deutschland schließlich seine Dominanz. Alle vier deutschen Paare blieben an den Hindernissen fehlerfrei, lediglich Milla Staade kassierte einen Zeitfehler. Damit war Team-Gold ungefährdet. Auch die Einzelwertung stand ganz im Zeichen der deutschen Nachwuchsreiter. Teresa Leowald und DJ Continus blieben im Springen ohne Fehler und beendeten die Europameisterschaft mit ihrem hervorragenden Dressurergebnis von 25,8 Minuspunkten. Das bedeutete Gold. Nur knapp dahinter folgten Iliane Hannalisa Hein und Akeby’s Quemiro Silla mit 26,1 Minuspunkten auf dem Silberrang. Bronze ging an Maeve Deverell aus Irland mit Annaharvey Dunowen (26,8), die mit ihrer fehlerfreien Springrunde verhinderte, dass auch der dritte Podestplatz an Deutschland ging.
Eine starke Leistung zeigte nämlich auch Einzelreiter Lukas Wilhelm Sühling mit Allnightparty, der mit 27,9 Minuspunkten Rang vier belegte. Dank fehlerfreier Runden in Gelände und Springen arbeitete sich Jona Isabell Heine mit Chantilly bei ihrer EM-Premiere bis auf Platz sechs vor (31,7). Direkt dahinter folgten Pia Sophie Schreiber und Cliemann auf Rang sieben (32,9). Damit beendeten insgesamt fünf deutsche Junioren die Europameisterschaft in den Top Ten – ein eindrucksvoller Beleg für die derzeitige Stärke des deutschen Vielseitigkeitsnachwuchses. In der Mannschaftswertung ging Silber an Irland vor Großbritannien.
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