Britt Roth und Jeffrey beim Sieg im U25-Springpokal in Aachen.
Noch bevor Britt Roth laufen konnte, saß sie auf dem Pferdrücken. Der Vater ist Tierarzt und Amateur-Springreiter. Die Mutter Barbara Roth war im Springsattel bis hin zu den Deutschen Meisterschaften unterwegs. Das erste eigene Pony, das sie sich mit ihrem Bruder Mikka teilte, trug den Namen Mukkel.
„Pferde waren einfach immer da“, erzählt die heute 24-Jährige, die in diesem Jahr schon auf eine sagenhafte Erfolgsbilanz blickt: Gold bei den Deutschen U25-Meisterschaften, Sieg im Nationenpreis der EEF in Budapest, Qualifikation zum Finale des U25-Springpokals in Aachen – und nun gestern der Sieg in der ersten Prüfung des U25-Springokals hier in Aachen. „Es ist einfach unglaublich, hier zu reiten. Ich wusste, dass es toll wird. Aber man muss es erleben, damit man das wirklich begreifen kann. Und eigentlich ist es dann immer noch unfassbar. Ich kann nicht sagen, wie dankbar ich meinem Pferd Jeffrey dafür bin.“
Der neunjährige Comme il Faut-Sohn Jeffrey ist seit dem Jährlingsalter bei Familie Roth. In der langen Zeit haben Britt und er eine ganz besondere Beziehung aufgebaut. Britt Roth bildet ihre Pferde am liebsten selbst aus. „Anders wäre der Sport für uns auch nicht finanziell machbar“, betont sie. „Die Preise für ein gutes, fertig ausgebildetes Pferd sind unermesslich hoch. Aber ich liebe es auch, meine Pferde selbst in den Sport zu führen.“
„Jeffrey und ich kennen uns einfach in- und auswendig. Das ist unglaublich wertvoll“, erklärt Britt. „Er kam von seinem Züchter Philipp Freier aus Landau direkt zu uns auf die Weide gekommen. Dann haben wir ihn hier eingeritten. Ich habe ihn ausgebildet und direkt beim ersten Turnier vorgestellt. Jeffrey weiß immer, wann es drauf ankommt. Obwohl er noch so jung ist, weiß er genau, was er im Parcours tun soll und ich kann mich wirklich immer auf ihn verlassen.“
Von der ersten Schleife zum Spitzensport
Britt Roth und ihr drei Jahre jüngerer Bruder Mikka sind beide im Nachwuchssport groß geworden. Die Familie betreibt eine Warmblutzucht, das Gestüt Salmhof, in Rheinland-Pfalz. Mutter Barbara ritt viermal bei Nationenpreisen, war Deutsche Meisterin und ebenso wie ihre Kinder Mannschaftseuropameisterin. Sie hat gemeinsam mit dem Vater immer die Kinder gefördert. Diese hatten jedoch schnell auch ihren eigenen Weg gefunden. Wollten Springreiten wie die Mutter.
„Das Springen hat mir immer schon mehr Spaß gemacht und was spannender als die Dressur“, meint Britt mit einem Schmunzeln. Es ging kontinuierlich immer weiter nach oben: Pfalzmeisterschaften, Landesmeisterschaften, Landes- und Bundeskader. 2015 gewann Britt Roth mit der deutschen Children-Mannschaft Gold. Ein besonderer persönlicher Meilenstein folgte einen Tag vor ihrem 15. Geburtstag. Bei einem ländlichen Turnier konnte sie die S-Siege für das Goldene Reitabzeichen komplett machen. „Das ist dann auch gelungen und es war einfach einer der allerschönsten Momente für mich, weil es so eine Punktlandung war.“
Heute reitet sie ganz oben mit, darf sogar ins Ausland zu wichtigen Turnieren reisen. Doch für Britt Roth ist es nach wie vor der gemeinsame Weg mit dem Partner Pferd, der zählt. Gerade die kleinen Fortschritte sind es, die sie dabei besonders schätzt. Wenn ein junges Pferd seine erste Schleife gewinnt oder ein Sprung, an dem lange gearbeitet wurde, plötzlich funktioniert. Wenn sich aus vielen kleinen Entwicklungsschritten irgendwann ein erfolgreiches Sportpferd entwickelt. „Die Fortschritte bei den jungen Pferden zu beobachten, ist für mich wunderschön“, sagt sie. „Das macht mich glücklich. Man spürt vor allem bei den großen Turnieren einfach das Vertrauen der selbstausgebildeten Pferde. Und man weiß, dass man vieles richtig gemacht hat, wenn man dieses Niveau erreicht.“
Studium und Aachen
Neben Jeffrey ist sie derzeit auch mit dem ebenfalls neunjährigen Rheinländer Bobby Bob immer wieder ganz vorne dabei, gewann mit ihm in Riesenbeck, als sie mit Jeffrey den DM-Titel holte, ein anderes Springen.„Bobby ist sogar bei uns geboren. Es ist so ein unglaubliches Gefühl, wenn ein Pferd, das man vom ersten Moment kennt, dann diese Erfolge feiert und man das miterleben darf.“
Parallel zum Sport absolviert Roth ein Fernstudium. Nach ihrem Bachelor in Betriebswirtschaftslehre studiert sie inzwischen Management im Master. Die flexible Form des Fernstudiums ist für sie entscheidend, denn ihr Alltag wird stets vom Stall und den Pferden bestimmt. Ihre Zukunft sieht sie auf der heimischen Anlage, mit eigenen Pferden und der Ausbildung junger Talente. Das geht auch Bruder Mikka so. Der war eine Zeitlang bei Dietmar Gugler auf Gut Ising am Chiemsee, um nach dem Abitur die große Welt des Spitzensports und der Turnierställe kennenzulernen. Mikka ritt in dieser Zeit sogar in Hongkong mit Größen wie Richard Vogel. Doch ihm war immer klar, dass er wieder nach Freimersheim auf die heimische Anlage zurückkehren würde. Im Herbst wird auch er ein Wirtschaftsstudium beginnen.
Doch nun wartet auf Britt erst einmal Aachen. Dort, wo die Reiter unterwegs sind, von denen sich Britt und ihr Bruder gerne mal etwas abgucken. Richard Vogel beeindruckt sie mit den vielen verschiedenen Pferden, die er in den Sport gebracht hat. Sophie Hinners mit ihrer Rolle als Frau im deutschen WM-Team. Bruder Mikka drückt Britt in diesen Tagen ebenso wie die gesamte Familie die Daumen. „Einmal auf dem heiligen Aachener Rasen im großen Stadion zu reiten, war immer ein Traum von mir“, betont Britt. „Ich liebe auch kleine ländliche Turniere und finde, dass man sie unbedingt unterstützen muss, weil sonst keine Chancen für den Nachwuchs bestehen. Aber Aachen … das ist schon etwas ganz Großes, etwas Unvergessliches.“




