Hier entscheidet sich heute die Vielseitigkeit: Der Springparcours ist die letzte Teilprüfung. © Imke Perne-Harms

Hier entscheidet sich heute die Vielseitigkeit: Der Springparcours ist die letzte Teilprüfung.

Der Geländetag steckt den Pferden noch in den Knochen, doch zum Durchatmen bleibt kaum Zeit. Aber alles gut, denn im Vet-Check wurden sie alle auf Herz und Nieren geprüft und haben das Okay bekommen.

Im abschließenden Springen der Vielseitigkeits-Weltmeisterschaft in Aachen warten noch einmal 13 Hindernisse – und ein Parcours, der nach Einschätzung von Olaf Herrmann aus dem Aachener Parcoursbauteam, vor allem durch seine Zeit und einige geschickt platzierte technische Aufgaben entscheiden könnte.

„Die Zeit wird ein Kriterium sein, auf jeden Fall“, sagt Herrmann nach der Parcoursbegehung für das Medienteam. Bereits im Vorfeld sei die erlaubte Zeit mehrfach überprüft worden. Eins kann man mit Sicherheit sagen: Geschenke soll es im Aachener Hauptstadion am Sonntag offenbar keine geben. Herrmann weiß: „Dieser Kurs hat seine ganz eigenen technischen Schwierigkeiten.“

Springparcours Aachen: Zwei Kombinationen hintereinander

Eine Schlüsselstelle befindet sich dort, wo zwei zweifache Kombinationen unmittelbar aufeinanderfolgen. Die Reiterinnen und Reiter müssten ihre Pferde präzise vorbereiten und bereits vor dem Anreiten einen klaren Plan haben. Gerade nach dem langen und anspruchsvollen Gelände dürften Rhythmus, Reaktionsschnelligkeit und Kraftreserven der Pferde eine besondere Rolle spielen. Denn im Springen der Vielseitigkeit gehe es nicht allein darum, die Stangen liegen zu lassen. Auch ein Überschreiten der erlaubten Zeit kann wertvolle Punkte kosten – und bei den engen Abständen einer Weltmeisterschaft das Klassement verändern. „Ein einziger Strafpunkt ist nachher schon eine entscheidende Geschichte“, sagt Herrmann gegenüber HOOFORIA. Genau das solle der Parcours abfragen.

Zum Ende des Springens droht diese Falle

Nach dem technisch geprägten Mittelteil lässt sich der Kurs über weite Strecken wieder flüssiger reiten. Doch wer glaubt, die entscheidenden Aufgaben anschließend überstanden zu haben, könnte sich täuschen. Zum Ende wartet noch einmal eine Kombination aus zwei Steilsprüngen. Dann könnten nach Herrmanns Einschätzung sowohl die nachlassende Konzentration der Pferde als auch etwas zu viel Vorwärtsdrang eine Herausforderung darstellen. „Vielleicht verleitet auch ein bisschen die Übermotivation dazu, hier und da einen Fehler zu machen“, sagt er.

Damit verlangt der Parcours eine schwierige Balance: Die Reiter müssen schnell genug bleiben, um innerhalb der erlaubten Zeit ins Ziel zu kommen, dürfen ihre Pferde dabei aber nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Wer früh zu viel riskiert, könnte an den Kombinationen bezahlen. Wer zu vorsichtig reitet, riskiert Zeitfehler.

In 25 Minuten steht der WM-Parcours

Dass der Parcours überhaupt so kurzfristig im Hauptstadion entstehen konnte, war eine logistische Aufgabe. Die Vielseitigkeitspferde durften den Platz am Morgen zunächst noch kurz kennenlernen. Erst nachdem sie gegen halb neun das Stadion verlassen hatten, begann das Team mit dem Aufbau. „Wir haben den Parcours in gut vorbereiteten 25 Minuten aufgebaut“, berichtet Herrmann. Anschließend rückte unter anderem die Blumentruppe an. Insgesamt stand der fertige Kurs nach etwas mehr als einer Stunde.

Olaf Herrmann

Olaf Herrmann erklärte uns den Parcours. (© Imke Perne-Harms)

Herrmann ist seit 2008 Teil des Aachener Parcoursbauteams. Er kümmert sich unter anderem um die Abstimmung zwischen der Parcoursbaumannschaft und den Medien, ist für Zeichnungen und organisatorische Aufgaben zuständig und arbeitet selbst als internationaler Parcourschef. Die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft begann für das Team natürlich bereits Monate zuvor. Schon zu Pfingsten wurden erste, zuvor auf dem Papier entworfene Linien auf dem Platz besprochen und abgeschritten.

Ein Kurs für Spannung bis zum letzten Sprung

Während des Springens wird Herrmann den Parcours nicht von einem einzelnen Hindernis aus beobachten. Stattdessen will er das Geschehen aus einem Wagen im Parcours verfolgen, der in den Farben des Weltreiterverbandes FEI gestaltet ist. Partei ergreifen möchte der Parcoursbauer offiziell nicht. Auch wenn ihm die deutschen Reiter naturgemäß vertrauter sind, gehe es ihm vor allem um guten Sport. „Wir gönnen es jedem“, sagt Herrmann. „Das Schönste ist guter Sport und Spannung – und wenn die Leute ringsum im Stadion mitfiebern und die Emotionen ein bisschen überkochen.“ Ganz verbergen kann er seinen Wunsch für den Nachmittag allerdings nicht: „Wir hoffen vielleicht auf einen deutschen Sieg.“ Ob dieser Wunsch auch für das deutsche Team mit Michael Jung, Julia Krajewski, Christoph Wahler, Libussa Lübbeke und Malin Hansen-Hotopp in Erfüllung geht, entscheidet sich noch heute im Aachener Hauptstadion.

Wer alles bei uns mitverfolgen möchte, der findet hier unnseren Liveticker am Sonntag.

Uns hier geht es zu den Live-Ergebnissen.

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