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Ob Turnierumtrunk oder Stallfeier: Das gemeinsame Anstoßen gehört für viele Reiter dazu. Doch wie selbstverständlich ist dabei der Griff zum Alkohol?

Es trinkt der Mensch, es säuft das Pferd – bei Reitern ist’s oft umgekehrt – so steht es fein säuberlich pyrografiert auf dem Holzschild über der Theke in unserem Reiterstübchen. Hier, im verräucherten Herz der Stallgemeinschaft, mit Pokalvitrine und Vereinsstandarte, trifft man sich zum Anstoßen. Mit Prosecco, auf ein Bier und den ein oder anderen Kurzen. Man trotzt Kälte und Dunkelheit mit Glühwein und Grog.

Fröhlicher Suff oder schlechtes Gewissen?

Ja, die Reiter, das ist landläufig bekannt, sind ein ebenso robustes wie trinkfestes Völkchen. Selbstverständlicher und regelmäßiger Alkoholkonsum gehört hier zur Normalität. Das kann man kritisch sehen oder eben nicht:

Alle 20 bis 40 Jahre kippe in der Gesellschaft die Stimmung vom „fröhlichen Suff“ zum „schlechten Gewissen“. Oder, ein wenig wissenschaftlicher formuliert, „vom Hedonismus zum Asketismus“. Das hat Professor Hasso Sprode, Professor für Historische Soziologie an der Universität Hannover und Kenner der Kulturgeschichte des Alkohols, beobachtet.

Verantwortung und Verkehrssicherheit

Doch egal, wie man ein Stößchen hier oder ein Prösterchen dort auch bewertet: Der verantwortungsvolle Umgang mit dem Tier muss jederzeit gewährleistet sein, ebenso das verkehrssichere Handling mit dem Pferd am Strick oder im Sattel in der Öffentlichkeit. Und hier gibt es tatsächlich auch klarere Regeln, als Willi Wodka und Sekt-Susi es vielleicht wissen:

Zwar sind Pferde (nicht nur) rechtlich keine Fahrzeuge im Sinne des Straßenverkehrsgesetzes, doch es braucht gar keine feste Promillegrenze, damit die Polizei massiv alkoholisierte Reiter aus dem Verkehr ziehen kann!

Strafe ohne offizielle Promillegrenze

Wer alkoholisiert einen Unfall verursacht oder andere auch nur gefährdet, kann strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden – beispielsweise wegen fahrlässiger Körperverletzung oder Gefährdung des Straßenverkehrs. So etwas kann Reitern ebenso angelastet werden wie Radlern oder Rollerfahrern.

Auch – und das wissen viele nicht – kann die generelle Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen angezweifelt werden, wenn man den „blauen Reiter“ nicht gerade malerisch interpretiert.

Solche Aussetzer können letzten Endes den langfristigen Entzug des Pkw-Führerscheins zur Folge haben.

Apropos: Ziehen Pferde eine Kutsche, so ist der Tross ein Fahrzeug und schwipps – äh, schwupps – gelten für den Pferdeführer die Promillegrenzen …

Zwischen Exzess und Normalität

Das Thema Alkohol im Stall muss man übrigens gar nicht zwischen totalem Kontrollverlust und Komasaufen auf den Tisch bringen. Es ist nämlich nicht die alte Geschichte von Brandys Ritt im Vollrausch, zu dem er anno dazumal in den Sattel gehievt wurde, aus dem er später einfach kippte, die die Trinkgewohnheiten hartgesottener Reiter aufs Korn nimmt.

Vielmehr sind es die vielen „Trink doch einen mit“, die einem tagtäglich so selbstverständlich über die Lippen kommen. Im Stall übrigens ebenso wie anderswo, wo Menschen sich gesellig gruppieren und süffige Prozente als eine Art soziales Schmiermittel schlucken, das Hemmungen und Zungen löst. Bier (und Bratwurst) – das gibt es als glücklich machendes Kulturgut ja auf dem Turnierplatz ebenso wie am Spielfeldrand!

Alkohol im Reitsport: Echtes Risiko oder Panikmache?

Ganz klar: Das Risiko, in einen herumliegenden Hufkratzer zu treten, sich eine tiefe Stichwunde zuzuziehen, mit anschließender Blutvergiftung bis kurz vor tot, ist größer, als nach dem Rumpunsch beim Adventsreiten an einer Leberzirrhose zu krepieren.

Aber: Es ist dieses „Ach komm, einer geht noch“, das aus dem gelegentlichen Prosit einen leicht besäuselnden und schwer abzulehnenden Gruppenzwang macht.

Stroh im Schweif, Äppelhaufen im Hallensand oder Sturz vom Pferd – vermeintlich gute Gründe, „einen zu heben“, gibt es viele. Das sollte man hin und wieder reflektieren, ohne dafür ins Glas schauen zu MÜSSEN!

Schoki statt Schampus

Lasst gerne die Korken knallen bei Championatsbällen und Auktionsspitzen, duscht in Champagner auf dem Meisterschaftspodest und ja, wärmt euch nach dem Ausritt die Hände am Glühwein. Ich für meinen Teil greife lieber zu heißem Kakao. Da türme ich dann Sahne drauf und Schokoflocken. Und wenn ich mir so richtig die Kante geben will, dann stippe ich auch noch Marshmallows mit rein.

Bevor nun die Frage aufkommt: Nein, eine Schwangerschaft liegt nicht vor. Und ich bin auch keine trockene Alkoholikerin. Ich kann einfach fröhlich by nature …

Sektglas und Zügel in einer Hand: Beim geselligen Anstoßen bleibt die Verantwortung fürs Pferd. (© Adobe Stock)

Schon gewusst? Nüchterne Fakten rund um den Alkohol

Reiten gegen den Suff? Alkoholabbau kann nicht beschleunigt werden

Der Körper baut Alkohol mit einer Geschwindigkeit von etwa 0,1 bis 0,2 Promille pro Stunde ab. Frauen bauen im Schnitt rund 0,1 Promille pro Stunde ab. Bei Männern kann das auch doppelt so schnell geschehen. Ganz wichtig zu wissen: Die Leber arbeitet dabei in einem konstanten Tempo. Kaffee, Kaltduschen oder Sport helfen zwar subjektiv, trotz Restalkohol in Gang zu kommen, die Alkoholkonzentration im Körper nimmt dadurch aber nicht zügiger ab: Ein flotter Ritt zum raschen Alkoholabbau bringt also nichts – außer möglicherweise Ärger.

Promillegrenze auf dem Turnier?

Als Reaktion auf die Alkoholexzesse, gepaart mit sexuellen Übergriffen im Reitsport vor einigen Jahren, hat Pferdesport Deutschland derartigen Auswüchsen mit der Nachbesserung des Reglements einen Riegel vorgeschoben. In der Leistungsprüfungsordnung (LPO) ist nun ein Limit von 0,5 Promille notiert. Stichprobenartige Alkoholkontrollen sind hier angekündigt. Veranstalter haben als „Hausherren“ darüber hinaus die Möglichkeit, eine Null-Promille-Grenze in der Ausschreibung verbindlich zu verankern.

Alkoholverbot für Pferde?

Pferde mögen Bier. Und zwar nicht nur alkoholfreies Malzbier, welches die wohltuende Mash-Suppe erst so richtig schmackhaft werden lässt. Auch normales Bier ist bei Rössern durchaus beliebt und in Mini-Maßen auch bekömmlich.

Gegen den geteilten Schluck nach dem siegreichen A-Springen ist also nichts einzuwenden. Ein ganzer Liter indes bringt den 500-Kilo-Koloss ins Taumeln und seine Leberwerte in Gefahr.

Und: Auch wenn ein weiteres Springen folgt, muss Abstinenz gewahrt werden. Denn Alkohol – beim Pferd – ist klar dopingrelevant!

„Es trinkt der Mensch, es säuft das Pferd“ bekommt beim gemeinsamen Blick ins Sektglas eine ganz neue Bedeutung. (© Adobe Stock)

Trinken mit Tradition

Ihr beherztes Halali tönt derzeit durch Wald und Flur. Die Jagdreiter haben aufgesattelt. Im Schlepptau läutende Hunde, förmliche Etikette und manch wohlfeilen Schluck.

Ausschließlich mit links gehoben, werden beschlagene Messingbecher und ledergebundene Flachmänner an die durstigen Lippen geführt, Sherry, Gin und Kräuterliköre mit Stil verköstigt. Deutlich weniger als früher, aber doch in ritueller Regelmäßigkeit: Mit der Linken wird gesoffen, mit der Rechten wird geschossen, so steht’s in der Jagdbibel. Heute lautet die Erklärung weniger martialisch, die rechte Hand führe die Zügel …

Während bei der „echten Jagd“ inzwischen ein striktes Alkoholverbot gilt, lassen sich die Rotröcke zumindest beim Stelldichein als Bügeltrunk oder in den Pausen zwischen den Schleppen als Satteltrunk ein gutes Tröpfchen zu Pferde munden. Und spätestens nach dem jagdlichen Curée wird dann tüchtig gebechert …

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