Hohe Luftfeuchtigkeit macht Pferdeheu oft mehr zu schaffen als die eigentliche Ernte. Selbst in geschlossenen Hallen droht Lagerschimmel. an den Heuballen. Wir haben mit einer Expertin gesprochen und Tipps zusammengestellt, die helfen sollen, das Raufutter lange frisch zu halten.
Gutes Heu ist die Basis jeder Pferdefütterung – das wissen wir aus unseren bisherigen Hooforia-Beiträgen zum Thema. Doch wie stelle ich das ganze Jahr über eine gute Qualität sicher? Wie funktioniert Heulagerung bei hoher Luftfeuchtigkeit?
In den vergangenen Beiträgen haben wir zum Beispiel mit Harald Unseld zu den Vorteilen des Bedampfens gesprochen, mit Tierärztin Maria Merkel über eine Heutrocknung und die Wichtigkeit von Heuanalysen und auch mit Prof. Dr. Dirk Winter von der Uni Nürtingen/Geislingen zu generellen Heuqualitäten und den ansteigenden Fällen von Equinem Asthma. Wir reden dabei immer über das fertige Produkt Heu, bereit zur Verfütterung. Doch zuerst müssen die Halme sachgerecht geerntet und gepresst werden und ein spannender Faktor ist auch die Zeit nach der Ernte. Wie bleibt Heu über Monate stabil, gesund und staubarm – trotz wechselhaftem Klima, hoher Luftfeuchtigkeit und begrenzten Ressourcen? Wie machen das Betriebe, die ganzjährig gute Heuqualitäten anbieten und auch die Option eröffnen, das Heu dort einzulagern? Wir wollten es wissen.
Gutes Heu das ganze Jahr? Das Problem Lagerschimmel
Wir haben ein Interview mit Daniela Janssen geführt. Gemeinsam mit ihrem Partner Renke Aeissen führt sie einen traditionsreichen Familienbetrieb bei Bunde in Ostfriesland – inzwischen in fünfter Generation. Unter dem Label „Premium-Pferdeheu“ produzieren und vertreiben die beiden ausschließlich Heu von den eigenen Flächen. Keine Zukäufe, kein Handel – volle Kontrolle über Sortenwahl, Pflege, Ernte und Lager. All das läuft über Vorbestellung, Kundinnen und Kunden können sowohl die Art der Ballen und die Größe wählen, also Rund- oder Quaderballen, und ob es trockenes Heu sein soll oder Heulage. Und sie können das Heu auch einlagern lassen. Aber wie bleibt es in „Premium-Qualität“?
„Wir bearbeiten ungefähr 120 bis 150 Hektar je Schnitt“, erzählt die Landwirtin. „Das ergibt – je nach Jahr und Schnittzeitpunkt – etwa 2.000 bis 3.000 Ballen.“ Viele fragten laut Daniela Janssen heute ausdrücklich zuckerärmeres Heu nach, gleichzeitig solle aber der Proteinbedarf gedeckt werden. An dieser Balance arbeiten Daniela und Renke konsequent – über Saatmischungen, Nachsaat und Pflegemaßnahmen wie Striegeln, Walzen und zeitlich kluge Erntefenster. Ein Naturprodukt bleibt Heu aber trotzdem: Wetter, Bodentypen und Vegetationsstand setzen die Rahmenbedingungen.
Nach der Einlagerung ziehen die beiden Mischproben aus vielen Ballen pro Charge und lassen sie analysieren – mit Blick auf Zucker, Fruktan, Rohprotein und mehr. Erst wenn die Ergebnisse da sind, werden die Vorbestellungen konkret zugeordnet: „Ich melde mich dann mit einem passenden Vorschlag bei den Kundinnen und Kunden. Die können dann wählen, ob die gemessenen Werte ihren Ansprüchen gerecht werden“ Daniela Janssen betont, dass die Heuanalysen zwar eine Richtung liefern können, keinesfalls aber laboridentische Werte für jeden einzelnen Ballen. „Letzten Endes haben wir eine 500-Gramm-Probe, die für viele Tonnen Heu stehen. Die Tendenz wird stimmen, aber es kann schon sein, dass bei einer erneuten Mischprobe leicht veränderte Werte ausgewiesen würden.“ Das liege allein schon daran, dass die Weideflächen mit vielfältigen Gräsern bestückt seien. „An einem Streifen haben sich vielleicht mal mehr Weidelgräser angesiedelt, an einer anderen Stelle kommt vermehrt Lieschgras vor, das macht in den Analysen natürlich einen Unterschied.“
Vorausgesetzt, die Analysen passen und das Heu wird eingelagert, sind nun einige Aspekte ganz entscheidend für die Lagerstabilität:
erstens darf das Heu nicht zu feucht gepresst werden, das gilt insbesondere für Quaderballen, bei denen die Ballenpresse mit enorm hohem Druck vorgeht und die Lagen quasi „aneinanderstanzt“. Für Quaderballen peilen Daniela und Renke deshalb immer unter 10 Prozent Restfeuchte an; Rundballen vertragen 13 bis 14 Prozent, wenn sie gut nachschwitzen können.
Ein unterschätzter Faktor: die Pressdichte. „Wer sehr trockenes Heu mit zu viel Bar presst, riskiert, dass die Halme brechen und am Ende vor allem Krümel übrigbleiben. Wir pressen dann lieber etwas lockerer, damit der Ballen nachschwitzen kann“, sagt die Expertin im Gespräch. Das senke auch das Risiko für mikrobielle Belastungen.
Aber in Daniela Janssens Augen gibt es dafür noch einen mindestens genauso wichtigen Faktor: „Wir hoffen immer darauf, dass wir möglichst wenige Feldtrocknungstage benötigen. Denn jeder zusätzliche Tag draußen, bzw. insbesondere die Nacht, bringt Tau, Pollen und Keime auf die Halme. Ihr Credo: „Wir nehmen lieber etwas mehr Restfeuchte als 10 Prozent bei nur drei Feldtagen in Kauf, als fünf Prozent nach acht Tagen auf dem Schwad.“
Dafür nutzt der Hof Aeissen beim Mähen meist einen sogenannten Aufbereiter, der das Mähgut durch Walzen oder Zinken laufen lässt. Diese quetschen die Halme leicht und brechen die Zellschicht an den Halmen auf. Der Zellsaft kann besser verdunsten und die Trocknung auf dem Feld verkürzt sich um ein bis zwei Tage – manchmal sogar mehr. Beste Voraussetzungen, um nicht zu viel Feuchtigkeit ins Lager zu bringen.
So bleibt Heu im Lager frisch
Apropos Lager: In der Halle hat sich für Daniela Janssen und Renke Aeissen beim Stapeln ein pragmatischer Zwischenweg bewährt: Sie stellen die Ballen nah aneinander, aber mit gut einem Fingerbreit Luft für die Zirkulation – das aufwendige „weit auseinanderstellen“ habe keine messbaren Vorteile gebracht, nur mehr Platz verbraucht. Einen deutlich spürbaren Effekt hatte hingegen ein Klassiker aus der Praxis: grünes Strohvlies nach der Ablagerungszeit über die Ballen legen. „Wichtig: wirklich erst nach dem ‚Ausschwitzen‘, sonst staut man Restfeuchte – dann wird’s schlimmer, statt besser.“ In geschlossenen Hallen muss das Vlies nicht festgezurrt werden; es genügt, es locker aufzulegen und am Rand leicht abzuziehen, damit unter dem Vlies etwas Luft zirkulieren kann. Was laut Daniela Janssen auch helfen kann: Eine dicke Schicht Stroh über die Heuballen ausbreiten, die dann Außenfeuchtigkeit aufsaugen kann.
Aber dennoch hört man immer wieder, dass sich auch bei großen, gut organisierten Ställen im Verlauf der Monate Lagerschimmel an den Außenschichten bilden. Was machen sie falsch?
Aus Daniela Janssens Sicht liegt das ab und an sicherlich an zu feucht gepresstem Material
aber inzwischen auch immer häufiger an der hiesigen Witterung und hoher Luftfeuchte im Winterhalbjahr. „Ab Dezember merken viele, dass die Ballen von außen nicht mehr schön sind – selbst in geschlossenen Hallen.“
Ein Dach schützte zwar vor Regen, nicht aber vor Nebel, Tau und gesättigter Außenluft. Einige Kunden und Kundinnen, das erzählt Daniela Janssen aus ihrer Erfahrung, denken deshalb inzwischen über aktive Entfeuchtung ihrer Lagerhallen nach. Das sei jedoch kostspielig und energieintensiv, aber mancherorts der einzige Weg, die Außenfeuchte in den Griff zu bekommen.
„Manche Ställe oder ihre Lagerhallen liegen geografisch vielleicht auch direkt in einer Windschneise oder kriegen die Wetterseite immer ab. Da kann das Heu noch so perfekt eingelagert worden sein, es wird sich nach und nach verschlechtern.“ Trotzdem wichtig zu wissen: Nicht jeder „Staub“ ist Schimmel. In Jahren mit vielen Blühgräsern zum Schnittzeitpunkt kann der Anteil von Pollenstaub im Heu hoch sein – sichtbar beim Auflockern des Heus, aber ohne den typischen modrigen Geruch und ohne dieselbe Gesundheitsrelevanz wie Schimmel, sofern keine Allergie vorliegt.
Heu nachträglich wickeln: Ein realistischer Kompromiss?
Neu im Werkzeugkasten des Betriebs ist übrigens das nachträgliche Wickeln von bereits abgelagertem Heu – als Antwort auf genau diese Außenfeuchte-Problematik. Der Ablauf: Ballen lagern mindestens 8 Wochen in der Halle ab, werden an einem trockenen, sonnigen Tag rausgefahren. Hier kommt der Ballenwickler ins Spiel und packt die Heuballen achtlagig ein. Anschließend werden die Ballen wieder für den Versand bereitgestellt. Erste Rückmeldungen sind sehr positiv – auch bei geplanter Lagerdauer bis zur nächsten Ernte.
Fachlich betrachtet ist das kein Silieren im klassischen Sinne, weil die Restfeuchte dafür zu niedrig ist; es geht um Schutz vor Umgebungsfeuchte, nicht um Gärung. „Aber der Langzeittest steht hierfür noch aus. Ich frage mich immer trotzdem, ob die Restfeuchte – so gering sie auch sein mag bei gut abgelagertem Heu – nicht dennoch unter einer Folie irgendetwas anrichtet“, gibt Daniela Janssen zu bedenken. Daher werde man im kommenden Herbst noch einmal Proben aus eben jenen Ballen ziehen . Die Überprüfung zeigt, wie sich die Qualität der Nährstoffe und auch die Keimbelastung innerhalb eines Jahres verändert haben.
Ökologie und Pferdehaltung: Wie verträgt sich das?
Der Hof Aeissen bewirtschaftet die Flächen nach biologischen Grundsätzen, weshalb sich auch immer wieder wirtschaftlich wie ökologisch die Ressourcenfrage stellt. Wickelfolie verursacht nämlich viel Abfall und potentiell Mikroplastik. Vor Kurzem ist dem Betrieb eine Halle zur Pacht angeboten worden, in der loses Heu nachgetrocknet werden könnte. 30 Kilometer entfernt. Technisch möglich, logistisch aufwendig und sowieso nur mit Kapazitäten für eine sehr kleine Menge. „Aktuell werden wir das also nicht nutzen. Aber fragt mich in 20 Jahren nochmal, dann sind die Wetterkapriolen vielleicht so verrückt, dass wir es uns nochmal überlegen“, erzählt die Landwirtin lachend.
Das sollten Betriebe beim Heulagern beachten
Analyse nutzen – mit Augenmaß: Laborwerte ordnen Chargen ein; sie sind Leitplanken, keine Einzelballen-Garantie
Lager konsequent denken: Geschlossene Halle, Vlies nach der Ablagerung, Zirkulation zulassen. Außenfeuchte im Winterhalbjahr bedenken
Nachträgliches Wickeln als Option prüfen, wenn Hallen- oder Standortlage zu Außenfeuchteproblemen neigt
Ressourcen im Blick behalten: Verpackung, Energie, Logistik – Nachhaltigkeit bleibt ein Abwägen
Fazit: Heu bleibt Handwerk
Gutes Heu bleibt Handwerk – und es lebt von Timing, Technik und Teamarbeit. Daniela Janssen und Renke Aeissen zeigen, wie man Qualität nicht dem Zufall überlässt: eigene Flächen, klare Chargen, kluge Press- und Lagerstrategie, und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen – vom Vlies bis zum nachträglichen Wickeln.