Neben dem Exterieur entscheiden auch der Charakter und das Temperament des Pferdes über seine Eignung für eine bestimmte Disziplin.
Bei einer Pferdebeurteilung gibt es einige Fragen zu klären: Wie bewegt sich das Pferd? Kann es gut springen? Ist es leistungsbereit? Bringt es die physischen Voraussetzungen als Sportpferd mit? Ein Blick aufs Exterieur verrät es. Das Exterieur des Pferdes, also sein äußeres Erscheinungsbild, verrät viel über die Veranlagung des Pferdes – ob es sich z.B. elastisch oder eher steif bewegt. Gleichzeitig verraten Ausdruck und Verhalten eine Menge über das Interieur, also Charakter, Leistungsbereitschaft usw.
Auch das Interieur ist relevant bei der Pferdebeurteilung
Was willst du mit einem Springpferd in der Dressur?“, oder: „Bei dem Exterieur wirst du nie weit kommen!“, waren Sätze, die ich mir anhören musste, als mein neues Pferd einzog – eine junge Stute, die für den Springsport gezogen und kurz nach der Stutenleistungsprüfung aufgrund von Überforderung aus dem Training genommen worden war. Sie war schlecht bemuskelt, nervös und kaum reitbar. Dennoch hatte ich ein Bild im Kopf, wie sie mithilfe von gutem Training und pferdegerechter Haltung einmal aussehen und sich bewegen würde.
Trotz der schlechten Erfahrungen zeigte sie mit der Zeit immer mehr Spaß an der Bewegung und ihr Wille, unter dem Reiter zu glänzen, wuchs immer weiter. Kaum einer hätte anfangs geglaubt, dass sie einmal ohne Sattel, nur mit Halfter und zwei Stricken in der Piaffe glänzen und die fliegenden Wechsel spielerisch und mit viel Spaß springen würde. Das ist ein Beispiel dafür, dass nicht nur das Exterieur, sondern auch das Interieur und die entsprechende Haltung sowie das richtige Training zählen.

Je nach Exterieur bringen Pferde eine unterschiedlich gute Eignung für eine bestimmte Disziplin mit. Eine vielseitige Ausbildung und eine entsprechend gute Gymnastizierung sind jedoch für jedes Pferd wichtig. (© Christiane Slawik)
„Perfekt“ ist Definitionssache
Es gibt ein theoretisches Ideal eines Pferdes, doch das „perfekte Pferd“ ist Definitionssache, und es spielen weitaus mehr Faktoren eine Rolle als der Stammbaum oder die natürliche Veranlagung. Wie viele Pferde bringen von Natur aus beste Grundgangarten mit, verlieren aber durch Druck in der Ausbildung und falsches Training den eigenen Willen zu strahlen? „Der Pferdekenner weiß, dass die Grundsätze der Exterieurkunde nur Leitgedanken sein können, keine Naturgesetze. Als einfache Faustregeln sind sie flexibel – oder sollten es sein – und dienen als Hilfsmittel zur Einschätzung der vermutlichen Qualitäten und Schwachpunkte“, schreibt Martin Haller in seinem Buch „Pferde richtig beurteilen“.
Er betont, dass auch Charakter und Temperament eine wesentliche Rolle bei der Pferdebeurteilung spielen. Das Hauptziel bei der Beurteilung eines Pferdes sei es, seinen gesamten Körper als funktionale Einheit einzuschätzen und darüber hinaus, fast im Sinne des viel geschmähten Fehlerguckens, limitierende Mängel und deren Ausgleiche zu erkennen. „Die Mechanik, die Gangmanier, die Ausstrahlung und andere Merkmale wie Springleistung, Galoppiervermögen oder Wendigkeit müssen bewertet werden, denn der Mensch zieht in der Regel seinen Nutzen aus den athletischen Fähigkeiten des Pferdes“, so Haller.
Pferdebeurteilung: Die persönliche Wunschliste
Bevor es an die Beurteilung des Pferdes geht, sollten Sie sich bewusst machen, was Sie von Ihrem zukünftigen Partner Pferd erwarten. An ein Pony, auf dem Kinder lernen sollen, werden Sie andere Ansprüche stellen als an ein Sportpferd oder ein Pferd für Wanderritte. Eine Liste, auf der Anforderungen und Wünsche sowohl hinsichtlich des Exterieurs als auch hinsichtlich des Charakters und des Temperaments stehen, kann bei der Kaufentscheidung hilfreich sein.
Pferdebeurteilung ist Abwägungssache
Solange die Grundvoraussetzungen für den vorgesehenen Gebrauch des Pferdes gegeben sind (etwa ein korrektes Fundament, eine günstige Muskulatur, ein ausgeglichener Charakter), können andere, von uns als Mängel bezeichnete Eigenschaften oder Gegebenheiten verziehen werden. So können selbst vermeintliche Exterieurmängel durch ein überdurchschnittliches Bewegungspotenzial wettgemacht werden. Ebenso können ein starker Wille des Pferdes und Spaß am Training dazu führen, dass beispielsweise selbst Pferde mit weniger natürlichem Bewegungspotenzial in der Dressur punkten.

Die Möglichkeiten und die Grenzen eines Pferdes hinsichtlich seines Bewegungspotenzials werden unter anderem durch seine natürlichen Veranlagungen bestimmt. (© Christiane Slawik)
Nicht nur im Stand bewerten
Deswegen ist es auch wichtig, das Pferd nicht nur im Stand zu begutachten, sondern auch im Freilauf und unter dem Reiter. „Oftmals kann man am stehenden Pferd dessen wahre Qualitäten nicht erkennen oder klammert sich an vermeintliche Exterieurmängel“, betont Martin Haller und fügt hinzu: „Viel wichtiger als das Entdecken kleiner Fehler oder Mängel ist es, die entscheidenden Schwachstellen eines Pferdes zu erkennen und vorhersehen zu können, wie weit sie genau jene Leistung limitieren könnten, die ich von genau diesem Pferd erwarte. Sind es für mich bedeutsame Mängel, so sollte ich auch erkennen können, ob und inwieweit sie durch andere Eigenschaften ausgeglichen werden und daher weniger oder gar nicht ins Gewicht fallen.“
Exkurs: Warmblut oder Kaltblut?Unabhängig vom Stockmaß werden zwei Typen von Pferden unterschieden, die sich unter verschiedenen Umweltbedingungen und aus unterschiedlichen Urformen entwickelt haben. Die kaltblütigen, rumpfbetonten nordischen Pferde und deren Kleinformen entstanden im kalten und/oder feuchten Klima Eurasiens und Nordamerikas. Hingegen entwickelten sich die warmblütigen, atmungsbetonten orientalischen Rassen im warmen und eher trockenen Klima Nordafrikas, der Mittelmeerregion und Asiens. Der Warmblut-TypAufgrund des etwas milderen Klimas seiner Ursprungsregionen besitzt der Warmblut-Typ einen kleineren und schmaleren Körper, einen längeren Hals und in der Regel ein feineres Haarkleid. Dank leistungsfähiger Schweißdrüsen ist dieser Typ in der Lage, selbst bei großer Hitze den Körper auf Normaltemperatur zu halten. Die Hufe des Warmblutpferdes sind hart und schmal, wobei der Fesselbehang nur schwach ist, oder ganz fehlt. Auch der Kopf unterscheidet sich vom Kaltblut-Typ. Er ist üblicherweise relativ klein, weist große Augen und weite Nüstern auf. Bei den Orientalen ist das Gebiss eher schwach, die Ohren sind recht klein und zierlich oder lang und schmal. Der Kaltblut-TypZwar arbeiten seine Lungen und das Herz nicht so effizient wie beim Warmblüter, dafür speichern der voluminöse Körper und der kurze Hals Wärme viel besser. Im Verhältnis zum Körper sind die Beine kürzer und kräftiger. Dadurch wird der Luftstrom unter dem Körper verringert. Die großen, flachen Hufe ermöglichen eine bedächtigere Fortbewegung auf weichem Untergrund. Zu den kaltblütigen Typen gehören auch fast alle echten Ponys. Sie verfügen über eine robuste Haut, ein gut wärmendes Haarkleid und vor allem im Herbst über einen spürbaren Fettvorrat unter der Haut. Ihr Körper ist eher auf Wärmespeicherung programmiert, deswegen sind die Schweißentwicklung und die Thermoregulation nicht so ausgeprägt und effizient wie bei Warmblütern. Die dichte Mähne und der volle Schweif schützen gut gegen Wind und Kälte. Die eher kleinen Augen, Ohren und Nüstern sollen den Atmungsapparat vor Kälte schützen, während der große Kopf sowohl Platz für ein robustes Gebiss als auch für geräumige Nasenhöhlen bietet. |

Kalt- und Warmblüter unterscheiden sich besonders in ihrem Körperbau und ihrer Fähigkeit zur Thermoregulation. (© Christiane Slawik)
Grundlagen und Grenzen eines Pferdes erkennen
Anatomie und Biomechanik des Pferdes bilden die Grundlage und zugleich auch die Grenze hinsichtlich der Ausbildungsmöglichkeiten. So geben unter anderem der Halsaufsatz oder die Winkelung der Gelenke vor, was grundsätzlich an körperlicher Leistung erwartet werden kann. Ein Pferd mit einem durch die Halsform bedingten Ganaschenzwang wird nicht in der Lage sein, sich so beizuzäumen wie ein Pferd mit einem optimal geschwungenen Hals.
Die äußeren Gegebenheiten sagen aber nicht aus, ob ein Pferd „gut“ oder „schlecht“ ist. Vielmehr ist es Aufgabe des Reiters, das Pferd im Rahmen seiner körperlichen Möglichkeiten zu gymnastizieren und zu fördern. Eine gute, systematische Ausbildung, die Rücksicht auf die jeweiligen Probleme des Pferdes nimmt, kann helfen, Exterieurmängel zu kompensieren oder zu verbessern. Auch wenn ein Pferd nicht dazu in der Lage ist, sportliche Höchstleistungen zu erbringen, ist eine angemessene Gymnastizierung zur Gesunderhaltung unabdingbar.
Der Reiter formt das Pferd
Bei der Pferdebeurteilung sollten Sie immer die Vorgeschichte des Pferdes beachten. Gehen wir davon aus, dass Sie ein bereits angerittenes oder ausgebildetes Pferd kaufen wollen. Dieses hat in der Vergangenheit also eine bestimmte Haltung unter dem Reiter eingenommen, die sich auf die Bemuskelung ausgewirkt hat. Fehlhaltungen können also auch das Ergebnis einer falschen Ausbildung sein.
Ebenso können Blockaden oder Stress dazu führen, dass das Pferd nicht sein volles Bewegungspotenzial zeigt. Sie sollten sich das Pferd nicht nur unter dem Reiter, sondern auch im Freilauf und an der Longe anschauen. So lassen sich auch Aussagen zur Schiefe treffen. Vereinbaren Sie mehr als einen Termin zum Kennenlernen und Probereiten. Wenn möglich, schauen Sie auch unangekündigt beim Käufer vorbei. Verlassen Sie sich dagegen nie auf die Beurteilung anhand von Fotos.
Pferdebeurteilung: Format und Rahmen
Ein Foto kann allerdings hilfreich sein, um sich mit Begriffen wie „Format“ oder „Rahmen“ vertraut zu machen. Damit werden die Verhältnisse der Längen von Gliedmaßen und Rumpf geometrisch ausgedrückt. „Man spricht vom Quadrat- und Rechteckformat und weiß dann auch gleich, was damit gemeint ist. Allerdings hapert es oft im Detail, denn wenige wissen genau, wie die geometrische Figur in der Praxis anzuwenden ist“, kritisiert Haller.
Zur Verdeutlichung der Vermessung stellen Sie sich zunächst eine obere Linie vor, die durch den höchsten Punkt des Widerrists horizontal nach hinten verläuft. Deren paralleler Gegenpart ist der horizontale Erdboden, auf dem das Pferd geschlossen und entspannt steht. Es folgen nun die senkrechten Begrenzungen. Dabei verläuft die vordere Linie senkrecht genau durch die Bugspitze und trifft etwa in der Halsmitte auf die obere Horizontale. Die hintere Begrenzungslinie liegt am Ende des Sitzbeinhöckers und trifft etwas über der Schweifrübe auf die obere Horizontale.
Probieren Sie diesen Baustein der Pferdebeurteilung am besten direkt selbst aus. Nehmen Sie ein Foto eines Pferdes und zeichnen Sie die vier Linien ein. Es entsteht ein Quadrat oder Rechteck, je nachdem, in welchem Verhältnis Rumpf und Stockmaß des Pferdes zueinander stehen.

Die Proportionsverhältnisse eines Pferdes können annähernd quadratisch sein (li.) oder eher rechteckig. (© Christiane Slawik)
Exkurs: Quadrat oder Rechteck?Bei der Beurteilung eines Pferdes hilft die sogenannte Proportionslehre. Bereits im 18. Jahrhunderts stellte Claude Bourgelat (der Begründer der ersten Tierarzneischule) Proportionsverhältnisse zur Bestimmung des idealen Reitpferdetyps auf. Im 19. Jahrhundert wurden mittels der Vermessung zahlreicher Kavalleriepferde der preußischen Armee Proportionsverhältnisse aufgestellt, die noch heute gültig sind. RechteckformatDie meisten heute gezüchteten Warmblutpferde stehen im Rechteckformat. Unter einem Rechteckpferd wird ein langliniges Pferd verstanden. Vom Bug bis zum Sitzbeinhöcker gemessen ist es in Relation zur Widerristhöhe mehr lang als hoch. Aufgrund der rechteckigen Fläche steht es stabiler auf dem Boden. Die Rückenmechanik weist eine vermehrte Neigung zum Schwingen auf, jedoch kann es durch die vermehrte Mobilität auch leichter zu muskulären Verspannungen kommen. QuadratformatJahrhundertelang galten Pferde, die ebenso lang wie hoch sind, als die Reitpferde schlechthin. Doch mit der Zeit veränderten sich die Anforderungen an das Gangwerk und die Reitbarkeit. Zwar sind kompakte Pferde meist wendiger und leichter zu versammeln, sofern sie über eine entsprechend gute Hinterhand und einen bestimmten Arbeitswillen verfügen, jedoch sind sie hinsichtlich der Rahmenerweiterung eher begrenzt. |
Von Kopf bis Huf – Orientierungshilfen für die Pferdebeurteilung
Im Folgenden geben wir Ihnen einige Tipps zur Beurteilung von Pferden als Orientierungshilfe an die Hand.
Der Pferdehals
Ein korrekt gerittenes Pferd erkennt man an der schlanken Halsunterseite mit deutlicher Drosselrinne. Dabei zeichnet sich die Muskulatur am Oberhals gut sichtbar ab. Der Oberhals ist gut gewölbt und gleichmäßig bemuskelt. Die Verbindung zum Kopf sollte leicht und nicht zu massiv ausfallen. Zwischen dem unteren Ende des ersten Halswirbels und dem Ganaschenwinkel sollten zwei bis drei Finger Platz haben, damit es durch die Beizäumung nicht zur Quetschung der Ohrspeicheldrüse kommt.
Ein hoch aufgesetzter Hals erleichtert die Aufrichtung, jedoch fällt es Pferden mit kurzen und starken Hälsen oft schwer, sich vorwärts-abwärts zu dehnen und über den Rücken zu gehen. Sie neigen eher dazu, sich auf den Zügel zu legen, und bremsen nicht selten den Schwung aus der Hinterhand ab. Tief aufgesetzte Hälse erleichtern das Aufwölben der Oberhalslinie und sind eher kennzeichnend sich eher für Spring- oder Westernpferde. Ein Dressurpferd mit tief aufgesetztem Hals wird dagegen Probleme mit der Aufrichtung bekommen.

Einem Pferd mit hoch aufgesetztem, gut bemuskeltem Hals fällt es leichter, sich aufzurichten, als einem Pferd mit tief angesetztem Hals. (© Christiane Slawik)
Lassen Sie sich bei der Pferdebeurteilung nicht von der Optik eines aufgerichteten Halses täuschen: Pferde mit zu langen, dünnen Hälsen richten sich gerne zu hoch auf. Sie neigen dazu, sich im Hals eng zu machen und hinter den Zügel zu kommen. Werfen Sie auch einen Blick auf die Muskulatur des Halses: Ein Pferd mit fehlender Oberhalsmuskulatur und leichtem Unterhals geht meist gegen den Zügel, ein Pferd mit stark ausgeprägtem Unterhals drückt auch stark gegen die Hand des Reiters oder geht über dem Zügel. Ist ein Hals nicht gleichmäßig bemuskelt oder fällt er sogar vor dem Widerrist ein, dann fehlen dem Pferd wichtige Muskeln zum Aufwölben des Rückens.
Die Schulter in der Pferdebeurteilung
Die Lage der Schulter bestimmt den Raumgriff des Pferdes. Kurze, steile Schultern haben eher harte Gänge mit wenig Raumgriff zur Folge, deswegen wünscht man sich für ein Dressurpferd eine lange, schräge Schulter. Sie sollte in einem Winkel von etwa 90 Grad in den Oberarm übergehen. Der Raumgriff kann sich besser entwickeln, je weiter das Schulterblatt nach hinten in den Widerrist ragt. Der Oberarm sollte im Verhältnis zum Unterarm lang, die Karpalgelenke tief sein.
Doch auch steile Schultern haben ihren Vorteil, beispielsweise bei Gebirgspferderassen, bei denen Trittsicherheit eine wichtigere Rolle spielt als schwungvolle, ausgreifende Gänge. Werfen Sie auch einen Blick auf die Partie zwischen Schulter und Oberhals und bewerten Sie den Übergang vom Widerrist beziehungsweise von der Schulter zum Hals. Bei einem Pferd, das sich korrekt aufrichtet, ist dieser Übergang harmonisch. Bei Pferden, die in einer falschen Haltung geritten wurden, ist dieser Bereich schlecht bemuskelt oder sogar hohl.

Die Lage der Schulter bestimmt den Raumgriff des Pferdes. Je weiter das Schulterblatt nach hinten in den Widerrist ragt, desto besser kann sich der Raumgriff entwickeln. (© Christiane Slawik)
Zu betonen ist aber, dass diese Muskeln recht lange brauchen, bis sie voll entwickelt sind. Ein junges Pferd ist also nicht mit einem ausgebildeten Pferd zu vergleichen. Auch ein schlecht sitzender Sattel, der an der Schulter zu eng ist, behindert den Bewegungsablauf und das Wachstum der Muskulatur.
Den Pferderücken beurteilen
Der Rücken ist „die Problemzone“ vieler Pferde. Dabei sind Fehlhaltungen nicht selten das Ergebnis einer fehlerhaften Ausbildung. Generell sollte der Rücken proportional zur Größe des Pferdes passen. Pferde mit einem Senkrücken sind prädestiniert für Kissing Spines, eine Erkrankung der Wirbelsäule, bei der die Rückenwirbel mit den Dornfortsätzen aneinanderstoßen). Solchen Pferden fällt es schwer, den Rücken aufzuwölben.
Eine weitere Rückenform, die schnell zu Problemen führen kann, ist der Karpfenrücken, der durch zu lange Dornfortsätze im Bereich der Lendenwirbel entsteht. Ein entsprechend guter Ausbilder kann jedoch möglichen gesundheitlichen Folgeschäden durch ein entsprechendes Training entgegenwirken.
Eine weitere Rolle spielt die Länge des Rückens: Pferde mit langem Rücken fallen schneller auseinander, denn je länger der Rücken, desto schwieriger ist die Versammlung. Natürlich spielt auch hier das Interieur eine Rolle. Doch generell lässt sich sagen, dass Pferde mit einem kurzen Rücken sich zwar leichter versammeln lassen, dafür aber Schwierigkeiten mit der Dehnungshaltung haben. Ein gut gerittenes Pferd erkennt man an einem harmonisch bemuskelten, gleichmäßig gerundeten Rücken.

Der Rücken ist die „Problemzone“ vieler Pferde. Ein Pferd mit kurzem Rücken lässt sich zwar leichter versammeln, dafür treten aber häufig Probleme hinsichtlich der Dehnung der Oberlinie auf. (© Christiane Slawik)
Die Hinterhand in der Pferdebeurteilung
Der Übergang von der Lende zur Kruppe soll harmonisch und rund sein. Optimal ist eine gut bemuskelte und leicht abfallende Hinterhand, damit eine günstige Schubübertragung auf die Wirbelsäule gewährleistet ist. Das hängt mit einer leichten Schrägstellung des Beckens und des Kreuzdarmbeingelenks zusammen. Bei einer zu abschüssigen oder abgeschlagenen Kruppe wirkt der direkte Bewegungsimpuls steil auf die Wirbelsäule ein. Pferde mit einem solchen Exterieur eignen sich aber zum Ziehen von Gewicht in langsamer Schrittarbeit.
Bei einer Horizontalstellung der Kruppe (beispielsweise bei Arabern) ist die Verbindung zwischen Kreuzdarmbeingelenk und Darmbeinschaufeln sehr waagerecht. Ein Untersetzen der Hinterhand durch Abkippen des Beckens ist nur erschwert möglich. Auch die Tragkraft ist eher schlecht entwickelbar.
Ein gut gerittenes Pferd weist kräftige, runde Oberschenkel auf, wobei ein Pferd, das nicht genug untertritt und Gewicht aufnimmt, eher flache Oberschenkel hat. Die Hinterhand sollte beidseitig gut bemuskelt sein, insgesamt sollte die Verteilung der Muskulatur harmonisch wirken. Eine breite, gut bemuskelte Brust in Kombination mit einer schmalen Hinterhand ist ein Hinweis auf falsches Training und eine übermäßige Kräftigung der Vorhand.