Eicheln mit frischem Trieb © Imago/ Andreas Franke

In großen Mengen gefressen werden Eicheln für Pferde zum Problem.

Im Spätsommer und Herbst landen Eicheln mitunter massenweise auf Weiden und Paddocks. Das sorgt bei Pferdehaltern regelmäßig für Unsicherheit: Muss man schon nervös werden, wenn das Pferd ein paar Eicheln aufnimmt? Oder sind die kleinen Herbstfrüchte doch gar nicht so problematisch?

Die Dosis macht das Gift – auch bei Eicheln

Vorab zur Beruhigung: Eine einzelne geknabberte Eichel bedeutet nicht automatisch eine Vergiftung. Denn bei Eicheln gilt wie bei so vielem: Die Dosis macht das Gift. Und hier hat die Natur gewissermaßen vorgesorgt: Eicheln sind sehr bitter – nur wenige Pferde fressen freiwillig wirklich größere Mengen. Aber falls es doch vor kommt, kann es gefährlich werden.

Eine allgemeingültige Menge, ab der Eicheln für jedes Pferd giftig sind, lässt sich allerdings nicht nennen. Der Gerbstoffgehalt der Früchte schwankt, und auch Pferde reagieren unterschiedlich empfindlich. Kritisch kann es werden, wenn Weiden abgefressen sind, Raufutter fehlt oder Pferde aus Langeweile beginnen, größere Mengen vom Boden aufzusammeln.

Pferd frisst vom Boden

Karge Wiese? Wenn Pferde, insbesondere im Herbst, nicht mehr genug auf den Wiesen finden, fangen sie an, andere Futterquellen zu suchen. Daher sollten Stallbetreiber darauf achten, genug Raufutter zur Verfügung zu stellen. (© Christiane Slawik)

Was macht Eicheln giftig?

Eicheln enthalten sogenannte Tannine. Diese Gerbstoffe dienen der Pflanze unter anderem als Schutz vor Fressfeinden und sorgen für den typisch bitteren, zusammenziehenden Geschmack. In größeren Mengen können die se Tannine und ihre Abbauprodukte die Schleimhäute des Verdauungstrakts schädigen. Besonders betroffen sein können außerdem die Nieren. Auch Veränderungen an der Leber sind bei schweren Vergiftungen möglich.

Unabhängig von den enthaltenen Gerbstoffen können ganze Eicheln noch ein anderes Problem verursachen: Werden sie hastig und schlecht gekaut abgeschluckt, besteht grundsätzlich das Risiko, dass sie in der Speiseröhre steckenbleiben. Die Folge: eine Schlundverstopfung, und die ist ein tiermedizinischer Notfall. Typische Anzeichen sind unter anderem starkes Speicheln, wiederholtes Schlucken sowie Futter oder Flüssigkeit, die aus den Nüstern austreten.

Was also tun, wenn das Pferd viele Eicheln gefressen hat? Zeigt das Pferd Symptome wie Kolik, Mattigkeit, Durchfall oder auffälligen Durst beziehungsweise Urinabsatz, sollte der Tierarzt kontaktiert werden. Wichtig ist zunächst, den weiteren Zugang zu Eicheln zu verhindern. Bei schweren Vergiftungen kann unter anderem eine intensive Flüssigkeitstherapie notwendig werden.

Frisch gefallen?

Der Gehalt an Gerbstoffen ist nicht in jeder Eichel gleich. Besonders unreife beziehungsweise grüne Früchte und frisch gefallene Eicheln können hohe Konzentrationen enthalten. Mit zunehmender Reife und durch Witterungseinflüsse kann sich der Gehalt verändern. Das bedeutet allerdings nicht, dass ältere Eicheln auf der Weide automatisch ungefährlich sind. Auch sie sollten nicht in größeren Mengen aufgenommen werden.

Noch ein Bewohner der Eiche: der Eichenprozessionsspinner

Wer Eichen an Pferdeweiden hat, sollte übrigens nicht nur die Früchte im Blick behalten. Auch der Eichenprozessionsspinner kann für Pferde und Menschen zum Problem werden. Die feinen Brennhaare der Raupen enthalten ein reizendes Eiweiß und können bei Hautkontakt oder beim Einatmen starke Reaktionen auslösen.

Eichenprozessionsspinner am Baum

Unscheinbar, aber gefährlich: Der Eichenprozessionsspinner kann starke allergische Reaktionen hervorrufen. (© Imago / Bihlmayerfotografie)

Ein paar aufgenommene Eicheln bedeuten nicht automatisch eine Vergiftung. Pferde sollten aber keinen freien Zugang zu größeren Mengen haben. Besonders aufmerksam sollten Halter bei starkem Eichelfall, abgefressenen Weiden und Pferden sein, die gezielt nach den Früchten suchen. Ausreichend Raufutter, regelmäßige Kontrolle der Weide und das Entfernen größerer Ansammlungen können das Risiko deutlich reduzieren. Und sobald der Verdacht besteht, dass ein Pferd sehr viele Eicheln gefressen hat, oder das Tier erste Symptome zeigt, gilt: Lieber frühzeitig den Tierarzt kontaktieren als abwarten.

Anzeichen einer Vergiftung mit Eicheln

  • Fressunlust und Mattigkeit
  • Kolik beziehungsweise Bauchschmerzen
  • zunächst eventuell Verstopfung
  • später schleimiger oder blutiger Durchfall
  • schmerzhafter Kotabsatz
  • auffällig starker Durst
  • Austrocknung
  • vermehrter oder veränderter Urinabsatz
  • bei schweren Verläufen einer Vergiftung kann es zu Nierenschädigungen bis hin zum Nieren versagen kommen
  • eventuell Gelbsucht
  • Kreislaufprobleme bis hin zum Kreislaufschock
Infusion für ein Pferd mit Vergiftung

So kann es im schlimmsten Falle enden: Bei einer ernsthaften Vergiftung kann es nötig sein, eine Infusion zu verabreichen, um den Flüssigkeitshaushalt wieder aufzufüllen. (© Christiane Slawik)

Eicheln als Medikament für Pferde?

Eichelrinde enthält wie auch die Eicheln selbst ein hohes Maß an Gerbstoffen, und das wird in der alternativen Medizin ausgenutzt. Medikamente mit Eichenrindenextrakt kommen deshalb als blutstillendes und juckreizlinderndes Mittel sowie bei leichten Durchfallerkrankungen zum Einsatz.

Warum das funktioniert? Die Gerbstoffe der Eicheln reagieren mit Eiweißen, die sich in Haut und Schleimhaut befinden, die Haut zieht sich zusammen. So werden unter anderem kleine Blutgefäße abgedichtet und kleine Blutungen gestillt. Auch können Bakterien dadurch schlechter eindringen. In der Veterinärmedizin ist Eichenrinde übrigens als pflanzliches Medikament zugelassen.

Was ist mit Kastanien, Buckeckern & Co.?

Nicht nur Eicheln liegen im Herbst auf Pferdeweiden, viele andere Bäume lassen ebenfalls ihre Früchte fallen. Esskastanien sind nicht mit unseren heimischen Rosskastanien zu verwechseln. Die Früchte der Rosskastanie enthalten unter anderem Saponine und Glykoside und gehören deshalb nicht in den Pferdemagen.

Und auch Bucheckern können für Pferde giftig sein. Sie enthalten unter anderem Fagin, Oxalsäure und weitere problematische Inhaltsstoffe. Größere Mengen können schwere Vergiftungen verursachen.

Warum verträgt Wild die Waldfrüchte besser?

Aber wie ist es eigentlich mit anderen Tieren? Nur weil Rehe, Hirsche oder Wildschweine im Herbst regelmäßig Eicheln fressen, bedeutet das nicht, dass Pferde sie ebenso gut vertragen. Die Tierarten unterscheiden sich erheblich in ihrem Verdauungssystem und in der Fähigkeit, mit pflanzlichen Gerbstoffen umzugehen.

Wer Eicheln übrigens auch gar nicht vertragen kann, sind Hunde. Viele Reiterinnen und Reiter bringen ihre Vierbeiner mit in den Stall. Auch hier sind es die Gerbsäuren, die den Magen-Darm-Trakt, Leber und Nieren angreifen. Bereits fünf bis zehn Eicheln reichen aus, um einen zehn Kilogramm schweren Hund schwer zu vergiften. Bei kleineren Hunden reicht eine noch geringere Menge aus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert