Pferdekopf mit Fliegen © Christiane Slawik

Gerade in den warmen Monaten gehören entzündete und tränende Augen zu den häufigsten Problemen auf der Weide.

Sommer, Sonne, Fliegenalarm – und plötzlich kneift das Pferd die Augen zu. Was zunächst nach einer harmlosen Reizung aussieht, kann sich innerhalb weniger Stunden zu einem echten Notfall entwickeln. Gerade in den warmen Monaten gehört die Augenentzündung beim Pferd zu einem der häufigsten Probleme auf der Weide.

Das Problem beginnt oft ganz unscheinbar: Fliegen sitzen an den Augenwinkeln, das Auge tränt leicht, das Pferd blinzelt häufiger oder wirkt etwas lichtempfindlich. Viele Pferde versuchen dann, den lästigen Juckreiz durch Scheuern zu lindern – am Vorderbein, an Zaunpfählen oder an der Tränke. Genau dabei wird es gefährlich. Denn schon kleinste Verletzungen der empfindlichen Hornhaut können dazu führen, dass sich ein schmerzhaftes sogenanntes Hornhautulkus entwickelt.

Pferd mit Fliegenmaske

Guckguck: Bei Fliegenmasken muss die Passform wirklich gut sein. (© Christiane Slawik)

Wie erkennt man eine Augenentzündung beim Pferd?

Besonders tückisch: Nicht jedes gereizte Auge sieht auf den ersten Blick dramatisch aus. Gleichzeitig reagieren Pferdeaugen extrem empfindlich. Deshalb gilt gerade bei Augenerkrankungen: Lieber einmal zu früh den Tierarzt rufen als einmal zu spät. Denn unbehandelt können Entzündungen und Hornhautverletzungen im schlimmsten Fall sogar das Sehvermögen gefährden.

Es gibt nämlich auch die sogenannte Thelaziose, eine parasitäre Augenwurmerkrankung des Pferdes. Die Würmer leben dann in den Tränendrüsen, unter den Lidern oder im Bindehautsack. Übertragen werden sie durch nicht stechende Fliegen, die sich von Tränensekreten ernähren. Mögliche Folgen sind Bindehautentzündungen, geschwollene Lider oder in schweren Fällen sogar Hornhauttrübungen.

Augenentzündung beim Pferd

Oh weh! Hier ist es schon passiert: Nun haben Fliegen leichtes Spiel. (© Christiane Slawik)

Die richtige Anwendung von Augensalben

  • Hände vorher gründlich waschen
  • Angebrochene Salben niemals monatelang weiterverwenden!
  • Je nach Präparat sind Augensalben nach dem Öffnen meist nur zwei bis sechs Wochen haltbar
  • Kühl lagern, idealerweise im Kühlschrank
  • Vor der Anwendung kurz in der Hand oder der Jackentasche anwärmen, damit die Salbe besser ins Auge gleiten kann
  • Die Tubenspitze niemals direkt ans Auge oder an die Bindehaut halten!
  • Stattdessen: Augenlider vorsichtig aufspreizen und die Salbe frei schwebend in den Bindehautsack applizieren
  • Berührt die Tubenspitze das Auge oder fällt sie herunter, sofort desinfizieren!
  • Nach abgeschlossener Behandlung die übriggebliebene Salbe entsorgen
Augensalbe wird bei Pferd angewendet

Korrekt anwenden: Wer Augensalben benutzt, sollte einige Punkte beachten. (© Christiane Slawik)

Wichtig: Panik ist nicht angebracht. Mit der richtigen Vorsorge lässt sich das Risiko deutlich reduzieren – von passenden Fliegenmasken über konsequente Weidehygiene bis hin zum richtigen Umgang mit Augensalben.

Fliegenalarm auf der Weide: Was wirklich hilft

Pferd wird mit Fliegenspray besprüht

Fliegensprays können als Prophylaxe dienen, helfen an den Augen aber nicht. (© Christiane Slawik)

  • Fliegenspray niemals direkt am Auge anwenden! Rund ums Pferd kann es aber dabei helfen, die allgemeine Fliegenbelastung zu reduzieren.
  • Fliegenmasken können die Augen deutlich entlasten. Wichtig ist allerdings der richtige Sitz. Die Maske sollte ausreichend Abstand zu den Wimpern haben, atmungsaktiv sein und im Notfall leicht verrutschen oder abrutschen können.
  • Starre oder eingedrückte Masken können selbst Verletzungen am Auge verursachen.
  • Nachts sind Fliegen deutlich weniger aktiv. Für manche Pferde kann nächtlicher Weidegang sinnvoll sein.
  • Bewegung hilft: Laufende Pferde werden meist weniger stark von Fliegen bedrängt.
  • Bewegungsanreize auf der Weide schaffen, etwa über weiter entfernte Tränken oder Heuraufen.
  • Regelmäßiges Abäppeln reduziert die Fliegenpopulation deutlich. Denn Pferdeäpfel sind ideale Brutstätten.
  • Viele Pferde auf engem Raum bedeuten meist auch mehr Fliegen.
Pferdeäppel mit Fliegen

Besser abäppeln: Weidepflege ist nicht nur wegen der Wurmprophylaxe wichtig, sondern auch wegen der Fliegen. (© Christiane Slawik)

Achtung bei Cortison: Cortisonhaltige Augensalben können bei einer einfachen Entzündung sinnvoll sein – niemals jedoch bei einer Hornhautverletzung oder einem Hornhautulkus. Denn: Cortisol verschlechtert die Heilung der Hornhaut massiv. Im schlimmsten Fall kann die Hornhaut so stark geschädigt werden, dass das Pferd sein Augenlicht verliert. Deshalb gilt: Nie eigenständig alte Augensalben verwenden oder weiterbehandeln!

 

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