Nahaufnahme Pferdekopf: Schadstoffe im Pferdestall © Christiane Slawik

Die Anzeichen einer Belastung durch Schadstoffe sind oft unspezifisch und lassen sich nicht eindeutig einer Ursache zuordnen.

Der Pferdeorganismus ist für Bewegung, Weite und frische Luft gemacht. Für Staub, Schimmelpilzsporen, Ausdünstungen von Materialien im Pferdestall oder Schadstoffe in Farben und Holzschutzmitteln weniger. Welche Gefahren werden häufig unterschätzt? Worauf sollten Halter bei Farben, Holzschutzmitteln oder Reitplatzmaterialien achten? Und wie lässt sich ein gesundes, naturnahes Stallklima schaffen?

Hooforia hat mit dem Tierarzt Volker Heggemann darüber gesprochen, welche Schadstoffquellen Pferdehalter im Blick haben sollten und warum gutes Stallklima weit mehr ist als eine Frage der Sauberkeit.

Unsichtbare Schadstoffe im Pferdestall

Wer bei Vergiftungen zuerst an Jakobskreuzkraut, Eibe und Bergahorn denkt, liegt nicht falsch. Aber gefährliche Stoffe lauern laut Heggemann nicht nur in giftigen Pflanzen oder Bäumen. Auch Farben, Lacke, Öle, Holzschutz- oder Putzmittel sowie bestimmte Baustoffe können für Pferde problematisch werden. Wissenschaftliche Untersuchungen stammen zwar häufig aus dem Humanbereich, doch Heggemann erklärt:

Wenn eine Gefahr für den Menschen vorliegt, gilt sie oft auch für Tiere.

Besonders empfindlich reagieren die Atemwege. Aber auch das Belecken oder Benagen von Oberflächen kann dazu führen, dass Schadstoffe aufgenommen werden. Dass Materialien Auswirkungen auf die Gesundheit haben können, erlebt Heggemann immer wieder im Praxisalltag. So kam es beispielsweise zu einer allergischen Reaktion der Mundschleimhaut, nachdem ein Pferd ein neues Gebiss getragen hatte.

Pferd leckt an Metallstange - Schadstoffe im Pferdestall

Vor manch einem Pferd ist nichts sicher: Alles wird beleckt, angeknabbert oder sogar gefressen. Umso wichtiger ist es, dass alle Materialien ungiftig für Pferde sind. (© Christiane Slawik)

Baumaterial für den Stall: Was geht und was nicht?

Wer einen Stall baut, saniert oder verschönert, sollte deshalb einen genauen Blick auf die Inhaltsstoffe der Baumaterialien werfen. Heggemann empfiehlt, Produkte mit Kunstharzen, Lösungsmitteln, Weichmachern oder Schwermetallen möglichst zu vermeiden. „Ich würde grundsätzlich Leinöl als Holzschutz nehmen, da keine Zusatzstoffe enthalten sind, und Kalkfarbe für die Wände, wegen des hohen PH-Gehaltes.“

Besonders kritisch sieht der Tierarzt Lacke. Sie können mit der Zeit abblättern und anschließend von Pferden aufgenommen werden. Konservierungsstoffe lösen mitunter Kontaktallergien aus, Weichmacher stehen im Verdacht, hormonähnliche Wirkungen zu entfalten, und Schwermetalle gelten ebenfalls als gesundheitsschädlich.

Seine Grundregel lautet daher:

So wenig wie möglich anstreichen!

Siegel: Schadstoffe im Pferdestall frühzeitig erkennen

Wer bei der Produktauswahl Orientierung sucht, kann sich an anerkannten Siegeln wie dem Blauen Engel oder TÜV-Zertifizierungen orientieren. Sie prüfen Produkte auf Schadstoffe und problematische Inhaltsstoffe. Gleichzeitig weist Heggemann darauf hin, dass bislang nur wenige Untersuchungen speziell für Pferde vorliegen. Manche Zusammenhänge könnten deshalb schlicht übersehen oder unterdiagnostiziert werden.

In der Praxis vermuten Pferdehalter erst mal deutlich häufiger Vergiftungen durch Pflanzen als durch Farben, Lacke oder Lasuren. Das heißt nicht, dass diese keine Rolle spielen. Es heißt vielmehr, dass kaum jemand zuerst an die Wand, den Zaun oder das Tor denkt, wenn das Pferd Symptome zeigt.

Wo verstecken sich Schadstoffe im Pferdestall?

  • Lacke und stark filmbildende Beschichtungen: Sie können abblättern; Pferde können die Partikel aufnehmen – Möglichst vermeiden, besonders an benagbaren Flächen
  • Lösungsmittelhaltige Produkte: Sie können ausdünsten und die Atemwege belasten – Auf emissionsarme Alternativen und Prüfsiegel achten
  • Weichmacher: Sie stehen im Verdacht, hormonähnlich zu wirken – Inhaltsstoffe prüfen und einfache Materialien bevorzugen
  • Schwermetalle: Sie gelten als gesundheitsschädlich – Produkte mit anerkannten Schadstoffprüfungen wählen
  • Alte Holzschutzmittel: Einige Stoffe können über Jahre ausgasen – Altbauten kritisch prüfen lassen, besonders bei unbekannter Vorgeschichte
Fell eines Pferdes

Komplett verschwitzt? Vergiftungen zu erkennen ist nicht leicht, da viele Symptome denen einer Kolik ähneln. Wichtig ist, sich zu fragen, wo sich das Pferd aufgehalten hat und was es aufgenommen haben könnte, und schnell den Tierarzt zu kontaktieren. (© Christiane Slawik)

Woran erkennt man Schadstoffe im Pferdestall?

Die Anzeichen einer Belastung durch Schadstoffe sind oft unspezifisch und lassen sich nicht eindeutig einer Ursache zuordnen. Werden problematische Stoffe eingeatmet, können Atemwegsbeschwerden auftreten. Werden sie aufgenommen, etwa durch Belecken oder Benagen von Oberflächen, zeigen manche Pferde Koliksymptome wie Unruhe, Schwitzen, Scharren, Wälzen oder häufiges Hinlegen.

Auch Hautreaktionen sind möglich. Rötungen, Juckreiz, Schuppenbildung, Bläschen oder Krusten können auf eine sogenannte Kontaktdermatitis hindeuten. Das Problem: All diese Symptome können ebenso viele andere Ursachen haben. Genau deshalb lohnt es sich, auch das unmittelbare Lebensumfeld des Pferdes kritisch zu betrachten – und nicht nur Futter, Pflanzen oder Krankheitserreger.

Warum schlechte Luft Pferde krank machen kann

Während viele Pferdehalter penibel auf Zusatzfutter und Mineralstoffe achten, wird eine der größten Gesundheitsgefahren oft übersehen: das Stallklima. Besonders häufig werden laut Heggemann Staub, Sporen und Schadgase unterschätzt. Dabei sind genau diese Faktoren für die Gesundheit vieler Pferde entscheidend.

75 Prozent der Pferde entwickeln im Laufe ihres Lebens ein Equines Asthma.

Problematisch sind insbesondere Feinstaub, Schimmelsporen und andere luftgetragene Partikel. Vorbeugen lässt sich hier durch ausreichend Luftraum, eine effektive Luftzirkulation und hochwertiges Heu. Nach Beobachtung des Tierarztes konzentrieren sich zu wenig Pferdehalter im Vergleich zu gesunden Zusätzen auf die Qualität des täglichen Grundfutters. Schimmeliges oder stark staubendes Heu stellt jedoch eine erhebliche Belastung für die Atemwege dar. Es ist eine Dauerbelastung, die genau dort ansetzt, wo Pferde besonders empfindlich sind.

Pferd an der Heuraufe

Heuraufen aus Metall lassen sich gut reinigen und sind langlebig. (© Christiane Slawik)

Diese Materialien bringen weniger Schadstoffe in den Pferdestall

Es gibt Materialien, die im Pferdebereich zwar praktisch erscheinen, aber nicht unbedingt in das Pferdeumfeld gehören. Gummischnitzel oder Fleece etwa haben im Verdauungssystem eines Pferdes nichts verloren, für Reitplatzböden gibt es daher sicherere, natürlichere Alternativen, wie den klassischen Sandboden. Bei Reinigungsmitteln spricht sich Heggemann ganz klar für biologisch abbaubare Produkte aus. Gleichzeitig gilt auch hier: „Weniger ist mehr.“

Ein spannender Punkt sind die Holzoberflächen im Stall. An ihnen können Kot, Urin und andere Körperflüssigkeiten sehr gut haften bleiben. Sinnvoller sind daher Materialien, die sich leicht reinigen und desinfizieren lassen. Metallgatter zum Beispiel haben hier klare Vorteile gegenüber Holzgattern, da sie von Reinigungsmitteln nicht angegriffen werden und sich gut und gründlich säubern lassen.

 

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