Pferd bockt auf Weide mit Fliegendecke © Julia Wentscher

Gute Fliegendecken ermöglichen uneingeschränkte Bewegungsfreiheit.

Auf mehreren Pferdekoppeln sind unbekannte Wesen gesichtet worden! Die Außerirdischen versuchen, die Körpersilhouette unserer Lieblingstiere nachzuahmen, um sich zu tarnen. Sie verstecken sich unter Stoffbahnen unterschiedlichster Farben. Manche sind sogar auf die Idee gekommen, sich Zebrastreifen aufdrucken zu lassen – sie haben wohl noch nicht mitbekommen, dass wir uns nicht in Afrika befinden …

Spaß beiseite: Wenn wir im Sommer unsere Vierbeiner auf den Koppeln sehen, haben einige von ihnen äußerlich wirklich recht wenig mit Pferden zu tun. Kopf, Hals und Körper sind von feinmaschigem Stoff bedeckt. Ziel ist es, an den bedeckten Körperstellen lästige Fliegen, Mücken und Bremsen von unseren Pferden fernzuhalten. Durch eine Fliegendecke wird den Insekten ein Zustechen erschwert: Sie müssten durch den Stoff piksen. Außerdem bewegt sich die Decke, sobald sich das Pferd in Bewegung setzt – Bremsen und Mücken werden so unablässig gestört.

Welche Fliegendecke passt zu Ihrem Pferd?

Aber: Fliegendecke ist nicht gleich Fliegendecke. Die Modelle unterscheiden sich in Schnitt, Materialien und Funktion. Zuallererst sollten Sie sich überlegen, für welchen Zweck Sie eine Fliegendecke brauchen. Ist Ihr Pferd Ekzemer, braucht es auf der Koppel eine Decke, die es über viele Stunden anbehalten kann und die möglichst große Teile des Körpers bedeckt. Ist Ihr Pferd eher unempfindlich, kommen Sie vielleicht schon mit einer schlichten Kopfmaske aus, die es vor Augenentzündungen bewahrt.

Manchmal kommt das Pferd auf der Koppel ganz gut mit den Fliegen zurecht, weil es sie jederzeit vertreiben kann. Unter dem Sattel wird es jedoch zur Nervensäge, weil es sich nicht mehr auf das Training konzentriert, sondern nur noch auf die Biester, die sich auf seinem Körper niederlassen. Hier kommt eine Fliegendecke mit Ausschnitt für den Sattel infrage. Wir erklären, wie Sie die perfekte Decke für Ihr Pferd finden.

Fliegendecke beim Ausritt: Schutz für Pferd und Reiter

Besonders am Waldrand oder in Gegenden mit schwülem Klima plagen im Sommer Insekten Reiter und Pferd häufig. Fliegenausreitdecken haben in der Regel einen Ausschnitt für den Sattel. Haben Sie bei der Auswahl auch die Größe Ihres Sattels im Blick: Westernsättel sind für einige Modelle eventuell zu breit und passen nicht ordentlich durch die Öffnung. Viele Ausreitfliegendecken haben Aussparungen für den Reiterschenkel, so kommen Ihre Hilfen direkt an. Gehfalten an den Vorderbeinen werden besonders wichtig, damit Ihr Pferd in seinem Bewegungsfluss nicht gestört wird.

Sinnvoll sind auch Kordeln an den Hinterbeinen: So wird garantiert, dass die Decke auch im Trab oder Galopp nicht über den Pferderücken wegdriftet. Auch wenn es viele Modelle ohne Bauchlatz auf dem Markt gibt – gerade bei Fliegenausreitdecken sollten Sie besonderen Wert auf den Schutz des Pferdebauchs legen, denn hier setzen sich die kleinen Plagegeister besonders gerne hin. Sie erleichtern sich und ihrem Pferd das Leben, wenn es beim Ausritt nicht die ganze Zeit mit den Hinterbeinen nach dem Bauch tritt, um die Fliegen und Co. loszuwerden.

Pferd mit Ausreitfliegendecke

Ausreitfliegendecken haben Aus­sparungen für den Sattel. (© Ilja v. d. Kasteele)

Wie muss eine Fliegendecke beim Pferd sitzen?

Wie jede andere Pferdedecke auch sollte eine Fliegendecke Ihrem Vierbeiner gut passen, damit sie nicht verrutscht und keine Scheuerstellen entstehen. Wichtiges Kriterium hierfür ist natürlich die Rückenlänge, allerdings sollten Sie auch darauf achten, wie Ihr Pferd im Brustbereich gebaut ist. Breite Typen, beispielsweise mit Kaltbluteinschlag, brauchen häufig einen größeren Brustausschnitt, damit der Stoff nicht einschneidet.

Die Schnallen im Brustbereich sollten sich bequem öffnen und schließen lassen, ohne Bereiche des Pferdekörpers frei zu lassen. Gehfalten sollten im Stehen lose herabhängen und sich erst im Gehen ausbreiten, um optimale Bewegungsfreiheit zu garantieren. Häufig sind Fliegendecken mit Gummibändern ausgestattet, die beispielsweise einen Bauchlatz an Ort und Stelle halten sollen. Diese dürfen nicht so straff sein, dass das Pferd Druckstellen bekommt – insbesondere die Rückenlinie ist hier sehr empfindlich.

Auch bei Halsteilen, die manchmal einen Ausschnitt für die Ohren haben, sollten Sie genau hinsehen: An dieser Stelle sind viele Pferde ebenfalls druckempfindlich. Ein zu eng sitzendes Halsteil kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass Ihr Pferd Probleme mit dem Reithalfter bekommt, wenn der Bereich um die Ohren gereizt ist. Grundsätzlich sind flexible Verstellsysteme zu empfehlen, da Sie so die Decke optimal an den Körper Ihres Pferdes anpassen können.

Zu enge Decke beim Pferd

Diese Decke ist zu eng: Sie spannt am ganzen Pferdekörper. (© Tierfotoagentur.de B. Mielewczyk)

Schützt die Fliegendecke das Pferd auch vor Regen?

Einige Hersteller bieten vielseitige Decken an: Sie sollen nicht nur vor Insekten schützen, sondern gleichzeitig wasserdicht sein. Diese Funktion kann sinnvoll sein, wenn ihr Pferd die Fliegendecke rund um die Uhr trägt. Denn bei einem kräftigen Regenschauer läuft es ansonsten teilweise noch lange mit nassem Stoff auf dem Körper herum, was das Krankheitsrisiko steigert und die Muskulatur steif werden lässt.

Diese Modelle haben in der Regel die normalen Fliegendecken mit einem dichteren Polyestermaterial im Rücken-, Schulter- und Halsbereich ergänzt, an dem das Wasser abperlt. Das Material soll dennoch sehr atmungsaktiv sein, um Hitzestaus unter der Decke zu vermeiden. Einige Decken versprechen darüber hinaus UV-Schutz, der besonders Ekzemerpferden zugutekommen soll.

Fliegendecke mit Wasser- und UV- Schutz.

Fliegendecke mit Wasser- und UV- Schutz. (© Horseware)

Ekzemerpferd: Welche Fliegendecke hilft am besten?

Sommerekzemer leiden besonders stark unter Insekten. Um den permanenten Juckreiz zu mildern, kann man auf spezielle Ekzemerdecken zurückgreifen. Der Stoff ist äußerst engmaschig, um den Kriebelmücken kein Durchkommen zu lassen. Sie stehen im Verdacht, die allergischen Hautreaktionen von Ekzemern hervorzurufen. Trotz eng anliegendem Stoff sollte die Decke aus hochwertigem Polyester gearbeitet sein, um eine hohe Atmungsaktivität zu garantieren.

Eine gute Passform ist äußerst wichtig, da viele Ekzemer ihre Decke rund um die Uhr tragen. Insbesondere der Schweiflatz muss ausreichend lang sein, da sich die Kriebelmücken besonders gerne an der Schweifrübe festsetzen. Auch ein Bauchlatz gehört unbedingt dazu, um den empfindlichen Pferdebauch zu schützen.

Einige Modelle lassen sich wie ein T-Shirt über den Kopf des Pferdes ziehen – dazu gehört etwas Übung, denn diese Bewegung und die kurzzeitige Blindheit kann Pferden unangenehm sein. Diese Ekzemerdecken haben jedoch den Vorteil, dass sie über ein Gummiband Hals- und Brustbereich komplett abschließen. Andere lassen sich wie normale Pferdedecken über Schnallen im Brust- und Bauchbereich befestigen. Diese haben jedoch häufig überlappende Elemente, damit es den Insekten möglichst schwer gemacht wird, an den Pferdekörper zu kommen.

Fohlen + Pferd mit Ekzemerdecke

Besitzer von Ekzemern sollten zwei Decken parat haben, falls eine gewaschen oder repariert werden muss. (© Christiane Slawik)

Fliegenmaske fürs Pferd: Schutz für Augen und Ohren?

Weniger ist mehr: Viele Pferde kommen auch ohne Fliegendecke auf der Koppel aus. Unter Umständen kann es aber sinnvoll sein, ihnen dennoch eine Fliegenmaske aufzusetzen. Der feinmaschige Stoff schützt empfindliche Pferdeaugen vor Entzündungen. Fransenbänder erfüllen den gleichen Zweck, vertreiben jedoch nur die Insekten, während Masken gleichzeitig ein Schutz vor piksenden Grashalmen und Wind bieten. Viele Modelle haben angenähte Stulpen, die mit über die Ohren gezogen werden können.

Hier schlägt man sprichwörtlich zwei Fliegen mit einer Klappe: Nicht nur das Risiko für Augenentzündungen wird reduziert, auch wird es den Kriebelmücken schwerer gemacht, sich in den empfindlichen Pferdeohren festzusetzen. In der Regel wird die Sicht der Pferde durch die Maske nur minimal eingeschränkt, der Stoff ist sehr blickdurchlässig. Gerade nach regnerischen Tagen sollten Sie die Masken jedoch immer wieder auswaschen. Wenn sich Pferde mit Maske wälzen, kann sich Schlamm absetzen und so die Sicht unseres Tieres behindern.

Pferd mit Fliegenmaske

Keine entzündeten Augen mit einer Fliegenmaske. (© Felix Buehler)

Zebrastreifen gegen Fliegen: Hilft das wirklich?

Nein, das ist nicht nur ein witziger Gag auf der Koppel. Seit ein paar Jahren sieht man immer mehr Pferde mit Fliegendecken, die ein Zebramuster aufgedruckt haben. Man vermutet, dass die Evolution die Zebras mit ihren schwarz-weißen Streifen aus verschiedenen Gründen ausgestattet hat. Zum einen fallen sie so im hohen Steppengras den farbenblinden Löwen nicht sofort ins Auge, zum anderen sollen die Streifen viele Insekten irritieren und somit fernhalten.

Die Idee der Zebrdecken: Wir imitieren die Streifen auf den Decken, um auch unsere hiesigen Plagegeister zu verwirren. Zusätzlich reibt die Decke bei Bewegung weiter über das Pferdefell und erschwert es den Insekten zuzustechen. Schnitt und Materialwahl bleiben den normalen Fliegendecken in der Regel ähnlich. Auch hier gibt es Varianten mit Halsteil und/oder Maske. Eine Alternative ist es, dunklen Pferden helle Streifen und hellen Pferden dunkle Streifen mit hautverträglicher Farbe aufzumalen. Der Effekt soll der gleiche sein – hält allerdings nur bis zum nächsten Regen.

Pferd mit Zebra-Fliegendecke

Hier zu sehen: Fliegendecke „Zebra“ mit Bauchlatz und Halsteil. (© PR/Busse)

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