Pferdebein wird hochgehalten und abgetastet © marcruehl.com

Sehnenschäden sind schwer zu therapieren.

Während manche Verletzungen innerhalb weniger Wochen verheilen, braucht geschädigtes Sehnengewebe oft viele Monate, bis es wieder belastbar ist. Dabei bedeutet die Diagnose der Sehnenverletzung beim Pferd längst nicht automatisch das Ende der sportlichen Nutzung!

Entscheidend ist vielmehr, wie früh die Verletzung erkannt wird, welche Strukturen betroffen sind und wie konsequent die Behandlung und anschließende Rehabilitation erfolgen. Die Möglichkeiten der Pferdemedizin haben sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Dennoch bleibt eines unverändert: Zeit ist ein entscheidender Faktor bei der Heilung.

Mindestens genauso wichtig ist es, die Ursachen einer Sehnenverletzung zu verstehen. Denn häufig entsteht sie nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern als Folge verschiedener Belastungsfaktoren. Training, Bodenverhältnisse, Muskulatur, Hufbearbeitung oder Fehlbelastungen können dabei ebenso eine Rolle spielen wie ein akutes Trauma.

Was passiert bei einer Sehnenverletzung beim Pferd?

Damit ein Pferd sich bewegen kann, müssen Muskeln, Knochen, Gelenke und Sehnen präzise zusammenarbeiten. Die Sehnen übernehmen dabei eine zentrale Aufgabe: Sie verbinden die Muskeln mit den Knochen und übertragen die Muskelkraft auf das Skelett. Erst dadurch werden gezielte Bewegungen überhaupt möglich. Gemeinsam mit Sehnenscheiden, Schleimbeuteln und der umgebenden Muskulatur bilden sie ein eng aufeinander abgestimmtes System. Deshalb sollte eine Sehnenverletzung niemals isoliert betrachtet werden.

Dabei handelt es sich um erstaunlich belastbares Gewebe: Die oberflächliche Beugesehne hält auf weniger als einem Quadratzentimeter Querschnitt Zugkräften von rund einer Tonne stand! Gleichzeitig muss sie sich bei jeder Bewegung den wechselnden Belastungen anpassen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich Sehnen im Schritt um etwa drei bis vier Prozent, im Trab um sechs bis acht Prozent und im Galopp sogar um bis zu 16 Prozent dehnen können, ohne Schaden zu nehmen.

Genau diese Kombination aus enormer Zugfestigkeit und vergleichsweise geringer Elastizität macht sie jedoch anfällig für Verletzungen. Wird ihre natürliche Dehnungsgrenze überschritten, können einzelne Fasern oder ganze Faserbündel reißen.

Reiter galoppiert auf Springturnier

Der Boden bzw. das Gleiten darauf spielt eine große Rolle bei Sehnenschäden. Unkontrolliertes Rutschen kann der Sehne genauso schaden wie ein Boden ohne jegliches Gleiten. (© Ludwiga von Korff)

Wie viel Belastung hält eine Pferdesehne aus?

Hinzu kommt ein weiterer entscheidender Nachteil: Sehnen sind nur schlecht durchblutet. Blutgefäße und Nerven sind im Vergleich zu anderen Geweben nur spärlich vorhanden. Genau diese Versorgung wäre jedoch wichtig, damit beschädigtes Gewebe schnell regenerieren kann. Deshalb heilt eine Sehnenverletzung beim Pferd deutlich langsamer als viele andere Verletzungen des Bewegungsapparates.

Nach einer Verletzung versucht der Körper, die beschädigten Sehnenfasern zu reparieren. Dabei entsteht jedoch häufig Narbengewebe. Dieses unterscheidet sich deutlich von einer gesunden Sehne: Die neu gebildeten Kollagenfasern sind weniger gleichmäßig ausgerichtet, ihre Qualität ist schlechter und das Gewebe besitzt nicht mehr die gleiche Elastizität. Dadurch bleibt die Belastbarkeit der Sehne häufig eingeschränkt und das Risiko für erneute Verletzungen steigt.

Wie gut eine Sehne letztlich ausheilt, hängt deshalb nicht allein von der Schwere der Verletzung ab. Entscheidend sind ebenso eine frühzeitige Diagnose, eine passende Therapie und ein sorgfältig abgestimmtes Rehabilitationsprogramm. Ziel ist es, die Heilung so zu unterstützen, dass sich möglichst belastbares Sehnengewebe bildet und das Risiko für Rückfälle möglichst gering bleibt.

Warum entstehen Sehnenverletzungen beim Pferd?

Eine einzelne Ursache gibt es bei einer Sehnenverletzung nur selten. Häufig entsteht sie durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die den Sehnenapparat über einen längeren Zeitraum überlasten oder ihn plötzlich extremen Kräften aussetzen. Welche Sehne betroffen ist, hängt unter anderem von der Nutzung des Pferdes ab. Während bei Renn- und Vielseitigkeitspferden häufiger die oberflächliche Beugesehne verletzt wird, treten bei Dressurpferden vermehrt Schäden am Fesselträger auf.

Auch züchterische Entwicklungen hin zu immer raumgreifenderen Bewegungen erhöhen die Belastung der Sehnen. Je größer die Bewegung, desto länger ist der Hebel – und desto größer sind die Kräfte, die auf den Sehnenapparat wirken. Besonders häufig spielen Überlastungen eine Rolle. Müssen Pferde über einen längeren Zeitraum arbeiten, ermüden zunächst die Muskeln. Sie können ihre Schutzfunktion für die Sehnen dann nicht mehr ausreichend erfüllen.

Auch verspannte oder unzureichend aufgewärmte Muskulatur erhöht den Zug auf die Sehnen. Kaltstarts, bei denen ein Pferd ohne ausreichende Aufwärmphase sofort Leistung bringen soll, gelten deshalb als besonders kritisch. Ebenso können mangelndes Training oder eine unzureichende Gymnastizierung langfristig das Risiko für Sehnenverletzungen erhöhen.

Pferde spielen auf Weide

Die meisten Sehnenverletzungen entstehen durch Traumata, beispielsweise verursacht durch Weideunfälle. (© Frank Sorge)

Welchen Einfluss hat der Boden auf die Sehnen?

Nicht nur das Training selbst, sondern auch die Bodenverhältnisse haben einen großen Einfluss. Zu tiefer oder rutschiger Untergrund kann den Sehnenapparat ebenso belasten wie sehr harte Böden. Gleichzeitig warnen Experten davor, Pferde ausschließlich auf perfekt präparierten Reitböden zu arbeiten.

Wer immer nur auf idealen Böden trainiert, nimmt dem Pferd die Möglichkeit, seine Koordination und Reflexe unter unterschiedlichen Bedingungen zu entwickeln. Abwechslungsreiche Untergründe, etwa im Gelände oder auf unterschiedlich festen Böden, können deshalb einen wichtigen Beitrag zur Vorbeugung leisten.

Die Ursache ist oft komplexer als gedacht

Daneben kommen akute Ereignisse als Auslöser infrage. Ein unglückliches Vertreten, ein Tritt auf der Weide, ein Ausrutschen, ungünstiges Aufkommen nach einem Sprung oder plötzliche Wendungen können die Zugkräfte auf die Sehnen kurzfristig so stark erhöhen, dass einzelne Fasern oder ganze Faserbündel reißen. Auch Fehlstellungen der Gliedmaßen, eine unzureichende Hufbearbeitung, starkes Übergewicht oder dauerhaft falsche Trainingsreize können den Sehnenapparat zusätzlich belasten.

Deshalb lohnt sich bei einer Sehnenverletzung immer der Blick auf das gesamte Pferd. Gibt es muskuläre Defizite? Liegen Fehlbelastungen oder Fehlstellungen vor? Ist das Pferd über- oder unterfordert? Entstehen an bestimmten Stellen vermehrte Reibungen, etwa durch ein Überbein? Häufig ist die eigentliche Verletzung nur die Folge eines Problems, das bereits seit längerer Zeit besteht. Genau deshalb gehört die Ursachenforschung ebenso zur Behandlung wie die eigentliche Therapie der verletzten Sehne.

Reiterin macht Dressur

Nicht nur beim Springen und in der Vielseitigkeit sind Sehnen hohen Belastungen ausgesetzt. Auch im Viereck wird der Sehnenapparat gefordert, etwa in Seitengängen. (© Stefan Lafrentz)

Woran erkennt man eine Sehnenverletzung beim Pferd?

Nicht jede Sehnenverletzung macht sich sofort eindeutig bemerkbar. Zwar gehören Schwellung, Wärme, Druckempfindlichkeit und Lahmheit zu den klassischen Anzeichen einer Sehnenschädigung, doch längst nicht jedes Pferd zeigt alle diese Symptome. Gerade das macht die Diagnose häufig schwierig.

Kommt es durch eine Überdehnung oder einen Faserriss zu einer Verletzung der Sehne, reagiert der Körper zunächst mit einer Entzündung. Typische Entzündungszeichen wie Schwellung, Wärmeentwicklung und Schmerz können die Folge sein. Je nach Schwere der Verletzung lahmt das Pferd mehr oder weniger deutlich. Bei leichten Defekten fehlen diese Symptome jedoch nicht selten oder sind nur schwach ausgeprägt.

Besonders tückisch ist, dass manche Sehnenverletzungen zunächst nahezu unauffällig verlaufen. So können Pferde trotz einer geschädigten Sehne klare, ungeschwollene Beine haben. Manche laufen lediglich leicht lahm oder zeigen die Lahmheit erst nach einer gewissen Zeit unter Belastung. Andere Verletzungen liegen so tief, dass äußerlich kaum Veränderungen zu erkennen sind. Das gilt beispielsweise für Schäden an Bereichen der tiefen Beugesehne, die innerhalb des Hufes verlaufen.

Sehnenverletzung beim Pferd

Schwellungen im Bereich der Sehne sind ein deutliches Indiz für eine Verletzung. Aber: es gibt auch Sehnenverletzungen, die ohne Schwellung daherkommen, weil sie etwa im Bereich des Hufes verortet sind – tückisch. (© Arnd Bronkhorst)

Warum zeigen sich manche Sehnenverletzungen erst später?

Auch sichtbare Schwellungen treten nicht immer unmittelbar nach der eigentlichen Verletzung auf. Reißen Sehnenfasern, dauert es zunächst eine gewisse Zeit, bis sich das umliegende Gewebe mit Flüssigkeit füllt. Ein typischer „Sehnenbogen“ entwickelt sich deshalb mitunter erst zehn bis 14 Tage nach dem eigentlichen Ereignis. Nicht selten entsteht dadurch der Eindruck, die Verletzung sei erst später auf der Weide passiert, obwohl die eigentliche Schädigung bereits während einer stärkeren Belastung entstanden ist.

Ob tatsächlich eine Sehnenverletzung vorliegt, lässt sich allein anhand der äußeren Symptome jedoch nicht sicher beurteilen. Schwellungen am Bein können beispielsweise auch durch ein Ödem, eine Phlegmone oder andere Verletzungen verursacht werden. Deshalb sollte jedes Pferd mit Verdacht auf eine Sehnenverletzung möglichst früh tierärztlich untersucht werden. Je schneller die Ursache feststeht, desto früher kann die passende Behandlung beginnen.

Symptome einer Sehnenverletzung beim Pferd:

  • Schwellung im Bereich der betroffenen Sehne
  • Erwärmung des Gewebes
  • Druckempfindlichkeit
  • Lahmheit – je nach Ausmaß der Verletzung unterschiedlich stark oder sogar fehlend
  • Sichtbare Veränderungen können sich erst nach einigen Tagen entwickeln, beispielsweise in Form eines sogenannten Sehnenbogens

Wichtig: Nicht jedes Pferd zeigt alle Symptome. Auch äußerlich unauffällige Beine schließen eine Sehnenverletzung nicht aus. Bei jedem Verdacht sollte das Pferd möglichst früh tierärztlich untersucht werden.

Tierärztin joggt mit Pferd

Manche Pferde gehen erst einige Tage nach der Sehnenverletzung lahm. (© marcruehl.com)

Wie stellt der Tierarzt eine Sehnenverletzung beim Pferd fest?

Äußere Anzeichen allein reichen für eine sichere Diagnose nicht aus. Deshalb folgt bei Verdacht auf eine Sehnenverletzung eine gründliche tierärztliche Untersuchung. Dabei tastet der Tierarzt die betroffene Gliedmaße sorgfältig ab und achtet auf Schwellungen, Verdickungen, Erwärmungen oder schmerzhafte Bereiche. Zusätzlich wird das Pferd in der Bewegung beurteilt, denn nicht jede Sehnenverletzung führt zu einer deutlich sichtbaren Lahmheit. Gerade leichtere Schäden oder chronische Veränderungen können sich zunächst nur unauffällig zeigen.

Ist unklar, woher die Schmerzen oder die Lahmheit stammen, kann eine Leitungsanästhesie weitere Hinweise liefern. Dabei werden einzelne Nerven am Bein nacheinander betäubt, um den schmerzhaften Bereich einzugrenzen. So lässt sich feststellen, in welchem Abschnitt der Gliedmaße die Ursache der Beschwerden liegt.

Welche Rolle spielt Ultraschall bei der Diagnose?

Den größten Stellenwert bei der Diagnose einer Sehnenverletzung hat jedoch die Ultraschalluntersuchung. Mit ihr lässt sich beurteilen, welche Sehne betroffen ist, wie groß die Verletzung ausfällt und wie die Sehnenfasern angeordnet sind. Gleichzeitig dient der Ultraschall dazu, den Heilungsverlauf regelmäßig zu kontrollieren und das Rehabilitationsprogramm entsprechend anzupassen.

Allerdings hat auch der Ultraschall seine Grenzen. Liegt unmittelbar nach der Verletzung eine ausgeprägte Schwellung vor, kann die Beurteilung erschwert sein. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, die Untersuchung nach ein bis zwei Tagen zu wiederholen, wenn die Schwellung etwas zurückgegangen ist.

Ultraschalluntersuchung bei Pferd

Häufig im Einsatz bei der Untersuchung von Sehnenverletzungen: der Ultraschall. (© Christiane Slawik)

Wann sind MRT oder CT sinnvoll?

Je nach Lokalisation der Verletzung kommen außerdem weitere bildgebende Verfahren infrage. Eine Magnetresonanztomographie eignet sich beispielsweise für Sehnenabschnitte, die mit dem Ultraschall nur schwer erreichbar sind, etwa im Huf oder im Karpaltunnel. Computertomografie und Szintigraphie werden dagegen eher in speziellen Fragestellungen eingesetzt und gehören nicht zur Routinediagnostik.

Ergänzend kann heute auch die sogenannte Elastographie eingesetzt werden. Dabei wird das Sehnengewebe mithilfe der Ultraschallsonde komprimiert, um seine mechanischen Eigenschaften zu beurteilen. Da geschädigtes Gewebe weniger fest ist als gesundes, lässt sich auf diese Weise der Heilungsverlauf genauer verfolgen. Moderne Ultraschallverfahren ermöglichen darüber hinaus eine noch detailliertere Einschätzung der Gewebequalität und können Veränderungen teilweise bereits erkennen, bevor sie äußerlich sichtbar werden.

Was ist nach einer Sehnenverletzung sofort zu tun?

Besteht der Verdacht auf eine Sehnenverletzung, sollte das Pferd möglichst umgehend aus der Belastung genommen werden. Je früher die richtige Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen, den Heilungsverlauf positiv zu beeinflussen. Besonders die ersten Tage nach der Verletzung gelten als entscheidend. Nach Einschätzung von Prof. Dr. Florian Geburek lässt sich ein Sehnenschaden innerhalb der ersten 14 Tage am wirkungsvollsten beeinflussen. Werden erste Anzeichen dagegen ignoriert oder wird weitertrainiert, steigt das Risiko langfristiger Schäden deutlich.

In der akuten Phase steht zunächst die Eindämmung der Entzündung im Vordergrund. Dazu sollte das betroffene Bein gekühlt werden, beispielsweise mit kaltem Wasser oder feucht-kalten Verbänden. Die Kälte kann Schmerzen lindern und dazu beitragen, Blutungen sowie Wassereinlagerungen im Gewebe zu begrenzen. Zusätzlich kommen je nach Befund lokal oder systemisch verabreichte entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz.

Pferdebein wird mit Wasser gekühlt

Kühlen, kühlen, kühlen. Das ist die Sofortmaßnahme Nummer eins, wenn das Pferd sich eine Sehnenverletzung zugezogen hat. (© Adobe Stock)

Boxenruhe oder Bewegung?

Ebenso wichtig ist es, das Pferd zunächst ruhigzustellen. Nach der Diagnosestellung wird in der Regel Boxenruhe verordnet, damit die verletzte Sehne nicht weiter belastet wird. Wie lange diese Phase dauert, richtet sich nach dem Ausmaß der Verletzung und wird vom behandelnden Tierarzt festgelegt. Von einer eigenständigen Behandlung ohne tierärztliche Untersuchung ist dagegen abzuraten. Schwellungen und Lahmheiten können viele Ursachen haben, und nicht jede Verletzung erfordert dieselben Maßnahmen. Erst wenn feststeht, welche Sehne betroffen ist und wie schwer die Schädigung ausfällt, lässt sich ein passender Therapie- und Rehabilitationsplan erstellen.

Bei schweren Verletzungen, etwa einer vollständigen Sehnenruptur infolge eines Traumas, sollte das Pferd möglichst nicht mehr bewegt werden. In solchen Fällen können weitere Schritte die Verletzung verschlimmern. Befindet sich das Pferd beispielsweise noch im Weidezaun oder in einer anderen Gefahrenlage, sollte es zunächst vorsichtig befreit und anschließend bis zum Eintreffen des Tierarztes möglichst ruhig gehalten werden.

Sofortmaßnahmen bei Verdacht auf eine Sehnenverletzung:

  • Belastung sofort beenden
  • Pferd möglichst ruhig halten
  • Betroffenes Bein kühlen
  • Keine eigenständige Behandlung beginnen
  • Tierarzt möglichst früh verständigen
Pferd guckt aus Box

Zu Beginn des Sehnenschadens ist Boxenruhe angesagt. Die Sehne sollte gekühlt und mit Entzündungshemmern behandelt werden. (© Christiane Slawik)

Wie wird eine Sehnenverletzung beim Pferd behandelt?

Die Behandlung einer Sehnenverletzung richtet sich immer nach der betroffenen Struktur, dem Ausmaß der Schädigung und dem Stadium der Heilung. Einen festen Behandlungsplan, der sich auf jeden Patienten übertragen lässt, gibt es deshalb nicht. Während sich Tierärzte in den ersten Maßnahmen weitgehend einig sind, kann die weitere Therapie je nach Befund unterschiedlich aussehen. Ziel ist es stets, die Heilung des Sehnengewebes bestmöglich zu unterstützen und das Risiko für spätere Rückfälle zu verringern.

In den ersten Tagen nach einer Sehnenverletzung geht es vor allem darum, die Entzündung einzudämmen. Neben konsequentem Kühlen kommen je nach Befund lokal oder systemisch verabreichte entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz. Auf Cortison sollte dabei verzichtet werden. Zwar können Schwellung und Schmerzen dadurch zunächst zurückgehen, gleichzeitig wird jedoch die Heilung des Sehnengewebes gehemmt. Zudem besteht die Gefahr, dass die geschädigte Sehne zu früh wieder belastet wird und weitere Fasern reißen.

Die ersten Tage entscheiden über die Heilung

Ist die akute Entzündung abgeklungen, beginnt die Regeneration der Sehne. Jetzt entstehen neue Kollagenfasern, aus denen später wieder belastbares Sehnengewebe werden soll. Genau in dieser Phase kommen verschiedene Therapieformen infrage, die den Heilungsverlauf unterstützen können. Welche Behandlung sinnvoll ist, entscheidet der Tierarzt anhand der jeweiligen Verletzung und der regelmäßigen Verlaufskontrollen. Zu den modernen regenerativen Verfahren gehören beispielsweise Eigenbluttherapien wie PRP (plättchenreiches Plasma) oder ACS beziehungsweise IRAP.

Beide Verfahren nutzen Bestandteile des körpereigenen Blutes, die Wachstumsfaktoren und weitere Botenstoffe enthalten. Sie sollen die natürlichen Heilungs- und Regenerationsprozesse im geschädigten Sehnengewebe unterstützen. Auch Stammzelltherapien haben in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Studien zeigen, dass sich dadurch die Qualität des neu gebildeten Sehnengewebes verbessern und die Rückfallquote verringern lässt. Die Heilungsdauer selbst verkürzt sich dadurch allerdings nicht. Weitere Forschung soll künftig dazu beitragen, Stammzelltherapien noch gezielter auf unterschiedliche Sehnenverletzungen abzustimmen.

Sehnenverletzung beim Pferd wird behandelt

Blutprodukte und Stammzellen sind Therapieansätze, die teils schon lange erfolgreich im Einsatz kommen und teils noch in der Forschung stecken. Das Ziel: kaputte Sehnenfaser möglichst hochwertig wiederherzustellen. (© Adobe Stock)

Moderne Therapien bei einer Sehnenverletzung

Je nach Diagnose können weitere Therapien sinnvoll sein. Dazu zählen unter anderem die Stoßwellentherapie, Laser- oder Magnetfeldbehandlungen sowie Ultraschalltherapie. Auch Aquatraining kann den Rehabilitationsprozess unterstützen. In bestimmten Fällen kommen zusätzlich Spezialbeschläge zum Einsatz, um die betroffene Sehne gezielt zu entlasten. Welche Form der Hufbearbeitung oder des Beschlags gewählt wird, hängt davon ab, welche Sehne verletzt ist. Deshalb sollten Tierarzt und Hufschmied eng zusammenarbeiten.

Bei einzelnen Patienten können außerdem physiotherapeutische Maßnahmen oder eine angepasste Versorgung mit Nährstoffen den Heilungsverlauf begleiten. Wichtig ist jedoch, dass keine dieser Maßnahmen eine sorgfältige Rehabilitation ersetzen kann. Sie dienen ausschließlich dazu, die Regeneration des Sehnengewebes zu unterstützen. In bestimmten Fällen lässt sich ein chirurgischer Eingriff nicht vermeiden. Das kann beispielsweise bei einigen Verletzungen des Fesselträgers oder bei lang anhaltenden Sehnenerkrankungen erforderlich sein. Solche Entscheidungen hängen jedoch immer von der Art und dem Ausmaß der Schädigung ab und werden individuell getroffen.

Physiotherapie bei Pferd mit Sehnenverletzung

Auch bei Sehnenschäden können Maßnahmen wie Physiotherapie für Pferde die Heilung unterstützen. (© Christiane Slawik)

Wann darf sich das Pferd wieder bewegen?

Viele Pferdebesitzer verbinden die Diagnose einer Sehnenverletzung zunächst mit möglichst viel Ruhe. Tatsächlich ist Boxenruhe in der akuten Entzündungsphase ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Dauerhafte Schonung allein führt jedoch nicht zu einer optimalen Heilung. Sobald die Entzündung abgeklungen ist und der Tierarzt grünes Licht gibt, spielt kontrollierte Bewegung eine entscheidende Rolle.

Der Grund liegt im Aufbau der Sehne. Während der Heilung entstehen neue Kollagenfasern. Diese sollen sich möglichst parallel in Zugrichtung ausrichten, damit später wieder belastbares Sehnengewebe entsteht. Geschieht das nicht, bilden sich die Fasern ungeordnet aus. Das Reparaturgewebe bleibt weniger belastbar und das Risiko für erneute Verletzungen steigt. Genau deshalb ist kontrollierte Bewegung ein wesentlicher Bestandteil der Rehabilitation.

Gezerrte Sehne wird abgetastet

Übermäßige Belastungen oder übermäßiger Zug sind die Hauptursachen für Sehnenzerrungen. (© Frank Sorge)

Wann darf die Belastung gesteigert werden?

In der Regel beginnt das Rehabilitationsprogramm mit kurzen Schrittphasen an der Hand auf festem Untergrund. Anfangs handelt es sich häufig nur um wenige Minuten zweimal täglich. Erst im weiteren Verlauf wird die Belastung schrittweise gesteigert. Wie schnell das möglich ist, hängt vom Heilungsverlauf ab und sollte regelmäßig tierärztlich kontrolliert werden.

Zeigt der Ultraschall eine gute Entwicklung des Sehnengewebes, kann die Bewegung vorsichtig ausgeweitet werden. Treten dagegen neue Veränderungen auf, muss die Belastung entsprechend angepasst werden. Ein unkontrollierter Koppelgang ist dagegen besonders in der frühen Heilungsphase problematisch. Tobt das Pferd oder belastet die verletzte Sehne plötzlich stark, kann das den bisherigen Heilungserfolg gefährden.

Pferd wird im Schritt geführt

Kontrolliertes Schritt-führen ist für eine gute Heilung sehr wichtig, idealerweise auf festem Boden. (© Christiane Slawik)

Warum kontrollierte Bewegung entscheidend bleibt

Deshalb empfehlen Experten, möglichst früh mit kontrollierter Bewegung zu beginnen, anstatt das Pferd unkontrolliert laufen zu lassen. Lässt sich ein Pferd an der Hand nur schwer ruhig führen, können je nach Situation auch eine Führmaschine oder ein Aquatrainer infrage kommen. Wie das Bewegungsprogramm im Einzelnen aussieht, lässt sich jedoch nicht pauschal festlegen.

Es richtet sich immer nach der betroffenen Sehne, dem Ausmaß der Verletzung und dem individuellen Heilungsverlauf. Gerade deshalb gehören regelmäßige tierärztliche Kontrollen während der gesamten Rehabilitation zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine möglichst vollständige Ausheilung.

Wie lange dauert die Heilung einer Sehnenverletzung beim Pferd?

Eine der häufigsten Fragen nach der Diagnose lautet: Wann kann das Pferd wieder belastet werden? Darauf gibt es jedoch keine allgemeingültige Antwort. Wie lange die Heilung dauert, hängt unter anderem davon ab, welche Sehne betroffen ist, wie groß der Schaden ausfällt und wie gut das Gewebe auf die Behandlung anspricht. Fest steht jedoch: Eine Sehnenverletzung braucht Zeit. Selbst moderne Therapieverfahren können die biologischen Heilungsprozesse nicht wesentlich beschleunigen. Sie können die Qualität des neu entstehenden Sehnengewebes verbessern und damit die Voraussetzungen für eine stabile Heilung schaffen.

Der Faktor Zeit lässt sich dadurch jedoch nicht ersetzen. Selbst wenn die Lahmheit längst verschwunden ist, ist die Regeneration im Inneren der Sehne häufig noch nicht abgeschlossen. Je nach Größe der Verletzung beträgt die Rekonvaleszenz häufig mehrere Monate. Kleinere Schäden können unter Umständen schneller ausheilen, bei umfangreicheren Verletzungen sollte jedoch mit einer deutlich längeren Rehabilitation gerechnet werden. Bis zur vollständigen Wiederbelastbarkeit können durchaus ein Jahr oder sogar noch längere Zeiträume vergehen.

Heilungsdauer: Das sollten Pferdebesitzer wissen

  • Eine Sehnenverletzung heilt meist über viele Monate.
  • Moderne Therapien können die Qualität der Heilung verbessern, die biologische Heilungszeit jedoch nicht wesentlich verkürzen.
  • Wie lange die Rehabilitation dauert, hängt von Art und Ausmaß der Verletzung ab.
  • Regelmäßige Ultraschallkontrollen helfen dabei, die Belastung schrittweise anzupassen.
  • Eine zu frühe Rückkehr ins Training erhöht das Risiko einer erneuten Sehnenverletzung.
Reiterin trainiert mit Pferd

Damit ein Sehnenschaden möglichst unkompliziert verheilt, ist auch ein individuell passendes Rehabilitationstrainingsprogramm wichtig. (© Christiane Slawik)

Warum sind regelmäßige Kontrollen so wichtig?

Während dieser Zeit wird der Heilungsverlauf regelmäßig kontrolliert. Mithilfe von Ultraschalluntersuchungen beurteilt der Tierarzt, wie sich das Sehnengewebe entwickelt und ob das Bewegungsprogramm angepasst werden kann. Zeigt sich eine gute Ausrichtung der neu gebildeten Sehnenfasern, darf die Belastung schrittweise gesteigert werden. Werden dagegen neue Einblutungen oder andere Veränderungen festgestellt, muss die Rehabilitation entsprechend verlangsamt werden.

Geduld zahlt sich aus. Eine zu frühe oder zu starke Belastung erhöht das Risiko, dass die verletzte Sehne erneut Schaden nimmt. Deshalb gehört ein individuell abgestimmter Rehabilitationsplan ebenso zur Behandlung wie die eigentliche Therapie. Erst wenn das Sehnengewebe ausreichend belastbar ist, sollte das Training schrittweise wieder aufgenommen werden.

Kann ein Pferd nach einer Sehnenverletzung wieder geritten werden?

Ob ein Pferd nach einer Sehnenverletzung wieder vollständig belastbar wird, lässt sich zu Beginn der Behandlung nicht sicher vorhersagen. Die Aussichten hängen unter anderem von der betroffenen Sehne, dem Ausmaß der Schädigung und dem Heilungsverlauf ab. Nicht jedes Pferd erreicht anschließend wieder sein früheres Leistungsniveau.

Dennoch bedeutet die Diagnose heute längst nicht mehr automatisch das Ende der sportlichen Nutzung. Dank moderner Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten haben sich die Chancen auf eine erfolgreiche Rehabilitation in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Entscheidend sind eine frühzeitige Diagnose, eine individuell abgestimmte Therapie und eine konsequente Nachsorge.

Warum Geduld jetzt besonders wichtig ist

Ebenso wichtig ist es, Rückfälle zu vermeiden. Das neu gebildete Sehnengewebe erreicht häufig nicht vollständig die Eigenschaften einer unverletzten Sehne. Wird das Pferd zu früh oder zu intensiv belastet, steigt das Risiko für erneute Faserrisse. Umso wichtiger sind ein behutsamer Trainingsaufbau und regelmäßige tierärztliche Kontrollen während der gesamten Rehabilitationsphase.

Mit ausreichend Zeit, Geduld und einem konsequent eingehaltenen Rehabilitationsplan können viele Pferde jedoch wieder erfolgreich ins Training zurückkehren. Welche Belastung langfristig möglich ist, sollte stets individuell beurteilt werden.

Wie lassen sich Sehnenverletzungen beim Pferd vermeiden?

Sehnenverletzungen lassen sich nicht vollständig verhindern. Das Risiko kann jedoch durch ein angepasstes Training und ein durchdachtes Management deutlich reduziert werden. Entscheidend ist dabei, den Sehnenapparat regelmäßig und kontrolliert zu belasten. Denn Sehnen passen sich an Belastungsreize an – vorausgesetzt, diese erfolgen in einem vernünftigen Maß.

Eine wichtige Rolle spielt die tägliche Bewegung. Ausreichender Weidegang oder Paddockaufenthalt sowie ein regelmäßiges Training fördern die Versorgung des Sehnengewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen. Gleichzeitig sollte die Kondition langsam aufgebaut werden. Überforderung, abrupte Trainingssteigerungen oder lange Belastungsphasen erhöhen dagegen das Risiko für Verletzungen. Ebenso wichtig sind regelmäßige Erholungsphasen, damit sich Muskulatur und Sehnen regenerieren können.

Pferd steht in Box

Bewegung ist für Pferde lebenswichtig – Bewegungsmangel kann Sehnenschaden begünstigen. (© Christiane Slawik)

Warum sind Bewegung und Training so wichtig?

Vor jeder intensiveren Arbeit sollte das Pferd ausreichend aufgewärmt werden. Kalte oder verspannte Muskulatur kann die Sehnen nicht optimal entlasten und erhöht dadurch die Zugkräfte auf das Sehnengewebe. Eine individuell angepasste Aufwärmphase gehört deshalb zu den wichtigsten Maßnahmen, um Sehnenverletzungen vorzubeugen.

Auch die Bodenverhältnisse verdienen besondere Aufmerksamkeit. Zwar gelten gut gepflegte Reitböden grundsätzlich als gelenk- und sehnenschonend, dennoch sollten Pferde nicht ausschließlich auf idealen Böden gearbeitet werden. Unterschiedliche Untergründe fördern Koordination, Trittsicherheit und die Fähigkeit des Pferdes, auf wechselnde Bodenverhältnisse zu reagieren. Deshalb empfehlen Experten, regelmäßig auch im Gelände zu reiten und dabei verschiedene Bodenbeschaffenheiten einzubeziehen.

Zwei Reiter reiten durch den Wald

Das Reiten auf unterschiedlichen Böden trainiert die „Fußungsintelligenz“ von Pferden und mindert so das Risiko von Sehnenverletzungen. (© Stefan Lafrentz)

Warum gesunde Hufe die Sehnen entlasten

Ebenso wichtig sind eine fachgerechte Hufbearbeitung und gut angepasste Beschlagintervalle. Fehlstellungen oder eine zu lange Zehe können den Zug auf einzelne Sehnen deutlich erhöhen und damit das Verletzungsrisiko steigern. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Pferdebesitzer, Reiter, Tierarzt und Hufschmied hilft dabei, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern.

Auch der Blick auf das gesamte Pferd spielt eine wichtige Rolle. Muskelverspannungen, Fehlbelastungen oder ein nicht alters- und trainingsgerechtes Bewegungsprogramm können den Sehnenapparat dauerhaft überfordern. Je besser das Zusammenspiel aus Training, Muskulatur, Hufbearbeitung und Management funktioniert, desto geringer ist das Risiko, dass die Sehnen dauerhaft überlastet werden.

Hufschmied behandelt Pferd

Der Huf ist das Fundament des Bewegungsapparats. Deshalb ist die Begleitung durch den Hufschmied bei Sehnenverletzungen essenziell. Aber genauso ist ein gutes Hufmanagement mit die beste Vorsorge. (© Stefan Lafrentz)

Die wichtigsten Erkenntnisse zur Sehnenverletzung beim Pferd

Eine Sehnenverletzung verlangt vor allem Geduld. Moderne Diagnose- und Therapieverfahren können den Heilungsverlauf heute deutlich unterstützen, den biologischen Heilungsprozess jedoch nicht ersetzen. Umso wichtiger sind eine konsequente Rehabilitation und ein behutsamer Trainingsaufbau, damit das Pferd langfristig wieder belastbar wird.

Ebenso wichtig ist die Vorbeugung. Ein abwechslungsreiches Training, ausreichend Aufwärmen, passende Bodenverhältnisse, eine gute Hufbearbeitung und der gezielte Aufbau der Muskulatur können dazu beitragen, den Sehnenapparat langfristig zu entlasten. Ganz ausschließen lassen sich Sehnenverletzungen zwar nicht, doch mit einem durchdachten Management lässt sich das Risiko deutlich verringern.

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