Auf dem Heinrichshof im Kölner Norden setzt die Betreiberfamilie vor allem auf eins: das Pferdewohl.
Ein guter Reiterhof muss nicht immer aussehen wie eine historische Gestütsanlage bei Sonnenaufgang. Man kann auch einfach mal den Gegenentwurf wagen. So wie der Heinrichshof in Chorweiler im Norden von Köln: Die moderne Pferdesportanlage der Familie Frenger besticht mit geradezu industriellem Charme, setzt in ihrem Aktivstall für Pferde auf Freiraum, auf Metall statt Holz und auf luftige Windnetze statt massiver Mauern.
„Holz sieht zwar schöner aus“, weiß „Bauherr“ Michael Frenger, aber Metall ist letztlich beständiger. Und so umspannt das Thema Metall den gesamten Hof, von den Boxentüren über die Paddockumrandung bis hin zum sicheren Zaun, der den Kern des Reitbetriebes schützt: Wenn mal ein Pferd beim Putzen ausbüxt oder nach einem Reitersturz von dannen rauscht, dann kommt es nicht weit, und das bietet Ross und Reiter eine enorme Sicherheit.
Wir liegen nun mal in Köln – und auch wenn es im Außenbereich ist: da sind Straßen, da ist Verkehr.
– Michael Frenger –

Von der Stange? Von wegen! Die großen Dachüberstände für die Heuraufen hat Michael Frenger selbst gebaut – für trockene Pferdepopos beim Fressen. (© Valerie Jenner)
Vom Bauernhof zum modernen Aktivstall für Pferde
Die Situation ist durch die den Bau des Industrie-Zentrums vis à vis der Weiden noch herausfordernder geworden. Früher sah das hier anders aus, und man hört Stolz gepaart mit ein wenig Wehmut heraus, wenn Michael Frenger von vergangenen Zeiten spricht, die einst mit der Grundsteinlegung von Uropa und Namensgeber Heinrich begann. Er erbaute die inzwischen denkmalgeschützte Hofanlage aus hellbraunem Backstein im Jahr 1800.
Diese liegt separat etwas oberhalb des neu gebauten Pferdebetriebs und wurde in den vergangenen Jahren mit viel Liebe zum Detail umfassend modernisiert. Im Zuge der aufwendigen Umgestaltung der ehemaligen landwirtschaftlichen Gebäude entstanden 18 separate Wohneinheiten, die historischen Charakter mit modernem Wohnkomfort verbinden.
In diesem Aktivstall leben Menschen und Pferde Tür an Tür
Vom handlichen Appartement bis zum Familiendomizil mit über 200 Quadratmetern Wohnfläche bietet der Heinrichshof stadtnahes Wohnen, gepaart mit ländlichem Charme und viel Spielfläche für die Jüngsten: Familien mit Kindern, Paare und auch Alleinstehende leben hier zusammen in einer bunten Hofgemeinschaft, deren Herzstück der große Innenhof ist. Besonders Pferdefreunde fühlen sich hier wohl.
Aus gutem Grund: Denn aus dem ehemals landwirtschaftlichen Betrieb ist nach und nach eine modernen Pferdepension entstanden mit verschiedenen Haltungskonzepten und einem Fokus auf ausreichend Bewegung, frischer Luft und ganz viel Sozialkontakt.

Funktionalität im Fokus: Hell, offen und luftig ist es auf dem Heinrichshof, die praktischen Raufen ermöglichen eine unaufwändige Fütterung. (© Valerie Jenner)
Weniger Aufwand, mehr Pferdewohl
„Gute Pferdehaltung endet nicht an der Stalltür. Deshalb legen wir großen Wert auf eine Anlage, die Ruhe, Bewegung und angenehme Abläufe im Alltag miteinander verbindet“, erläutert Michael Frenger das praxisbewährte Konzept. Neben dem Pferdewohl, das oberste Priorität genießt, ist Nachhaltigkeit eines der Topthemen, um die sich auf dem Heinrichshof alles dreht. Und zwar nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch und sozial.
Wer knapp 100 Pferde mit einer Handvoll Mitarbeitern optimal versorgt, der hat bei der Anlagenplanung von dem Aktivstall einiges richtig gemacht. „Wir haben wirklich alles für einen praktischen Alltag getan, sagt Frenger, der Tüftler, der dort ein Raufendach breiter, hier einen Heuballen schmaler plant. Aufwändig zu mistende Strohboxen findet man am Heinrichshof nicht. Es gibt überhaupt nur zehn offene Paddockboxen, und hier wird meist mit Pellets eingestreut.

Pferdehaltung im Norden Kölns: Familie Frenger setzt auf Metall, weil es langlebig und hygienisch ist. (© Valerie Jenner)
Wie Pferde im Aktivstall leben
Unsere Boxen sind eher Notboxen, falls mal ein Pferd krank ist oder verletzt.
– Katharina Frenger –
Sie ist genau wie ihr Vater der Überzeugung, „ein Pferd gehört in die Herde, nicht in die Einzelbox“. Über diese Einstellung zur Natur des Pferdes treffen sich nicht nur die beiden Frengers immer wieder auf einem Nenner, sondern sie bildet auch den Common Sense der Einstaller. Die bunte Stallgemeinschaft am Heinrichshof funktioniert prächtig:
„Hier sind nur Menschen, die unsere Strategien für ihre Pferde schätzen“, erklärt Michael Frenger, und die, die mit dem Konzept nicht klarkommen, seien spätestens nach der ersten Schlecht-Wetterperiode in einen anderen Reitstall gezogen. Katharina ergänzt: „Wir sind ein Pferdehof für Pferdeleute – oder solche, die es werden wollen. Jeder hat ein Auge auf alles, und man unterstützt sich, wo man nur kann.“

Alles Handarbeit? Fast! Tüftler Michael Frenger hat Spaß daran, die Abläufe zu vereinfachen und neue Ideen umzusetzen. (© Valerie Jenner)
Ein Pferdehof, viele Reitweisen
Präzise zirkelt die Dressurreiterin ihre Volten in den Sand, während eine lässige Amazone im Westernsattel an ihr vorbeijoggt. Und auch die Trainerinnen der beiden sitzen einträchtig auf der Coaching-Bank. Beide mit Mikro am Revers und Kopfhörer im Ohr. „Die Kommunikationssysteme für die Reitstunde habe ich hier ziemlich schnell eingeführt, damit dieses Gebrülle beim Unterricht aufhört, schmunzelt Michael Frenger.
Und: „Uns ist nicht wichtig, in welchem Stil man reitet, Hauptsache, es ist fair und pro Pferd“, unterstreicht Katharina, die studierte Pferdewissenschaftlerin. Und so ist es absolut nicht ungewöhnlich, dass das Minishetty in pinken Hufschuhen seinen Sulky am mächtigen Shirehorse vorbeizieht.

Alle Reitweisen sind willkommen: Wer sein Pferd gut behandelt, darf auf dem Heinrichshof seiner Leidenschaft nachgehen, egal ob Dressur, Western, Sulky-Fahren oder Bodenarbeit. (© Valerie Jenner)
Das Erfolgsduo vom Heinrichshof
Eine vielfältige, aber eingeschworene Gemeinschaft ist die Heinrichshof-Clique, in deren Mittelpunkt Katharina und Michael Frenger stehen: „Wir diskutieren wirklich viel und intensiv, aber sachlich. Am Ende gewinnt dann immer die bessere Idee, und mein Papa lässt mich schon das machen, was ich wichtig und richtig finde“, berichtet Katharina, und Michael fügt schmunzelnd an: „Eigentlich hat ,der Alte‘ hat aber zu 99 Prozent recht.“
Kleine Kabbeleien gehören dazu und auch, dass bei Michael Frenger die eingebaute Rechenmaschine im Kopf bei den Vorhaben seiner Tochter hörbar rattert. „Katharina sammelt Pferde“, erzählt der 59-Jährige, der sich noch gut an die endlosen Diskussionen mit der damals Sechsjährigen erinnert, bis diese endlich Mogli, den kleinen Shetland-Wallach, ihr Eigen nennen konnte.
Gehört ein Pferd einmal zur Familie, verlässt es den Hof mit Sicherheit nie mehr.
– Michael Frenger –
Er schüttelt den Kopf über die vielen vertanen Gelegenheiten, Nachzucht auch mal gewinnbringend zu verkaufen. Zumindest als Lehrmeister tragen sie dennoch einen gewissen Teil zur Wirtschaftlichkeit bei.
Was Kinder von Pferden lernen können
„Meine Ponys sind Luxus-Schulpferde“, sagt Katharina und beschreibt, wie sie sie bei Laune hält: In der Regel geht jedes Pony nur eine Reitstunde pro Tag. „Es ist nicht nur körperlich, sondern auch mental anstrengend, als Schulpferd zu agieren. Es ist trubelig in den Reitstunden, und vielen Kindern fehlt das natürliche Gespür für das Lebewesen Pferd. Der Bezug zum Tier ist vielen Menschen abhandengekommen, weil sie es nicht von klein an gelernt haben“, erklärt die Trainerin, die selbst im Westernsport zu Hause ist.
Sie hat Folgendes beobachtet: „Es gibt bei meinen Reitschülern zwei Arten von Kindern: Die einen sind zunächst scheu und zurückhaltend, die anderen eher draufgängerisch ohne das richtige Maß. Sie meinen das nicht böse, aber sie merken nicht, wenn es zu viel ist für die Tiere, zu eng, zu laut, zu intensiv.“ Unterrichten tut Katharina Frenger nach Art des bekannten Hippolini-Formats, das sie mit eigenen Elementen verknüpft.
Ich möchte, dass man Pferden, Ponys, ja überhaupt jedem Tier mit Respekt und Wertschätzung begegnet.
– Katharina Frenger –

Mittendrin statt nur dabei: Katharina Frenger unterrichtet auf dem Heinrichshof nach dem Hippolini-Konzept. (© Valerie Jenner)
So funktioniert das Ausbildungskonzept
Daher gehöre für sie „das Drumherum“ viel mehr zu ihrem Ausbildungskonzept als das Reiten selbst. „Zuerst kommt der Umgang, das Wissen ums Pferd, der liebevolle Kontakt mit dem Lebewesen, der spielerisch und mit viel Freude im gemeinsamen Miteinander gelehrt wird.“ Nicht nur als Reitlehrerin hat die Absolventin der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen einen Plan, sie ist auch als Mitglied des Arbeitskreises Pferdebetrieb bestens vernetzt.
„Mir ist der Austausch mit anderen Betrieben wichtig, denn ich finde, man kann viel voneinander lernen.“ Vorreiter ist die 29-Jährige auch in Sachen Fliegenbekämpfung: Das macht sie nämlich mithilfe der „Effektiven Microorganismen“ (EM). Aus einem großen Rucksack heraus werden die Bio-Helfer im Miniatur-Format zweimal wöchentlich auf allen Flächen im Kernbetrieb versprüht und klauen dort fliegenden Plagegeistern ihr Futter.
Warum sich in dem Aktivstall nicht alles nur um Pferde dreht
Auch im öffentlichen Ladepark für E-Fahrzeuge direkt hinter der Scheune spiegelt sich das Prinzip, modern, nachhaltig und wirtschaftlich zu agieren, wider: „Grün war schon immer die Leitfarbe des Aktivstalls Heinrichshof“, beschreibt Michael Frenger, der den Ladepark als weiteres wirtschaftliches Standbein vor einigen Jahren ins Leben rief. Ein typisches Frenger-Feature dabei: die Staubsauger, die an einigen Ladesäulen angeschlossen sind. So können Autofahrer die Zeit effizient nutzen und ihr Auto innendrin auf Hochglanz bringen.
Gespeist wird der Ladepark, der unter dem Titel „Der 30 Cent Ladepark“ startete und nach wie vor zu Deutschlands günstigsten zählt, von einer 550 kwp großen PV-Anlage auf dem kompletten Hallendach. Youtuber Tarik aus Köln gehört übrigens zu den größten Supportern des Ökostrom-Parks und befeuert die Publicity mit Posts und Events: „Im Mai waren hier tatsächlich auf einen Schlag 500 Leute zu einer Scheunenparty der „Community“, so Frenger, der sich durchaus vorstellen kann, den gut frequentierten Park noch auszubauen.

Schon mal eine Ladestation auf einem Reiterhof gesehen? Willkommen auf dem Heinrichshof. Der Ladepark ist Teil des gesamten Hofkonzeptes. (© Valerie Jenner)
Wie wirtschaftet der Heinrichshof?
„Ich schaue immer, was geht und was nicht,“ so das Kölner Urgestein, der den gesamten Futteranbau für den Betrieb – 160 Hektar Land gehören zum Hof – unter seinen Fittichen hat. Angebaut werden neben Getreide auch Mais, Zuckerrüben und Ackerfutter.
Früher übrigens hat er sich auch als Champignonzüchter versucht, das aber hat sich nach seinen Berechnungen nicht ausgezahlt. Und was bei den Family-Pferden nicht funktioniert, bei den unrentablen Pilzen hat es geklappt: Sie wurden kurzerhand vom Heinrichshof verbannt. „Arbeit“, so sein Credo als Chef, „muss sich lohnen.“ Denn auch das ist alltagstaugliche Nachhaltigkeit.