Traumkulisse Gizeh © egyptianequestrianfederation

Einmal vor den Pyramiden um den Sieg reiten? Das wird für die GCT-Teilnehmer wahr.

Die ersten Bilder, welche die ägyptische Reitsportföderation von der Global Champions Tour und League vor den Toren Kairos zeigt, sind beeindruckend. Direkt vor den Pyramiden von Gizeh trainieren die Reiter ihre Pferde. Diese wurden mit zwei Cargo-Maschinen von Lüttich aus eingeflogen. 100 an der Zahl. Und auch die Reiter durften bei der Anreise wie üblich einen gewissen Luxus genießen.

Nun ist dies allein noch nichts Besonderes. Schließlich ist Tourgründer Jan Tops bekannt dafür, dass er spektakuläre Austragungsorte liebt und keine Kosten und Mühen dafür scheut. So war man in diesem Jahr wieder direkt am Meer unterwegs, als es in Miami Beach zum Auftakt zur Sache ging. Es ging zum Eiffelturm, in den Circus Maximus und direkt vors Welterbe Schloss Schönbrunn in Wien. So weit, so gut.

Groom Gizeh

Vor den Pyramiden sind die ersten Grooms und Pferde schon unterwegs. (© egyptianequestrianfederation)

Fest der Superlative

Kairo soll noch größer sein. Soll all den bereits dagewesenen Luxus und die spektakulären Kulissen toppen. Mit einem Preisgeld, das höher ist als jemals zuvor, kann das gelingen. 1,75 Millionen Euro sind insgesamt im Topf der Tour in Kairo, davon fällt eine Million allein im Großen Preis an.

Die Veranstaltung ist Teil der Kooperation mit Years of Culture, einer katarischen Initiative für internationalen kulturellen Austausch. Mit den Pyramiden von Gizeh als Kulisse entsteht eine Verbindung zwischen Jahrtausenden Geschichte und modernem Spitzensport, heißt es. Für Ägypten selbst und den dortigen Pferdesportverband ist die Kooperation ein enormer Schritt in Richtung Anschluss an den Westen. Kein Wunder also, dass der gebürtige und für Belgien startende Ägypter Abdel Said diese Etappe kaum erwarten kann. Er ist der Führende in der Gesamtwertung der Tour und kehrt dort zu seinen Wurzeln zurück. Außerdem gewann er die vorangehende Etappe in Rom.

Es ist unglaublich, dass die Global Champions Tour in meine Heimat kommt und direkt vor den Pyramiden stattfindet. Das wird ein historisches Ereignis, und ich hoffe, das Publikum wird genauso mitreißend sein wie im Circus Maximus.

Kritikpunkt Touristenpferde

Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Während die Pyramiden in Kairo gerade ’nur‘ um die 30°C liegen, können die Werte im Sommer über 40°C klettern. Das ist in diesem Jahr mehrfach passiert. Für den Wüstenstaat am Nil ist das kein Rekord, sondern Normalität. Und genau in diesem Umfeld tragen Pferde Touristen tagtäglich zu den Pyramiden. In den sozialen Medien kursieren derzeit zahlreiche Fotos und Videos, welche genau jene Pferde zeigen. Sie möchten auf die Missstände hinweisen, die quasi „hinter den Pyramiden“ stattfinden, während „davor die Arena der Global Champions Tour“ errichtet wurde. Auch Tierschutzorganisationen prangern die Missstände öffentlich an. Auch PETA Deutschland berichtete schon mit schockierenden Bildern darüber.

Touristenpferde Gizeh

Die Kehrseite der Medaille vor den Pyramiden. (© worldwide-vets)

Die Organisation Egypt Equine Aid (EEA) berichtet konkret von Arbeitspferden (sowie Eseln und Dromedaren) mit schweren Wunden, unbehandelten Lahmheiten, Krankheiten, Unterernährung und Erschöpfung. Als Ursachen nennt sie unter anderem Armut, fehlenden Zugang zu tiermedizinischer Versorgung und mangelnde Kenntnisse über die Haltung von Pferden. Außerdem hat die Organisation eigenen Angaben zufolge bereits im Januar einen Brief an den CEO von Longines geschrieben, um konkret auf diese Problematik hinzuweisen. Da keine direkte Reaktion erfolgte, teilt die Organisation nun diesen Brief.

Indirekt kann man jedoch aus einer Pressemeldung der Global Champions Tour aus der ersten Oktoberwoche sowohl eine Reaktion und den Wunsch nach Verbesserung herauslesen. In der offiziellen Ankündigung vom 7. Oktober 2026 verweist Global Champions auf eine Initiative zur Verbesserung der Gesundheit, tierärztlichen Versorgung und Arbeitsbedingungen der Pferde auf dem Pyramidenplateau. Beteiligt sind die ägyptische Reiterföderation, staatliche Veterinärstellen, die Verwaltung von Gizeh, Orascom Pyramids und die Tierschutzorganisation Brooke.

Verbesserungen in Sachen Tierwohl

Und tatsächlich scheinen schon einige Maßnahmen, die im Zuge der GCT in Angriffe genommen wurden, zu greifen. Seit August 2026 werden Pferde im Pyramidengebiet mit Mikrochips registriert. Für jedes Tier, das im Tourismus eingesetzt wird, soll eine elektronische Gesundheitsakte mit Impfungen, Untersuchungen und Behandlungen geführt werden, berichtet Egypt Today.  Außerdem gibt es für die registrierten Pferde kostenlose medizinische Untersuchungen und Impfungen. Auch in Sachen Unterkunft, Futter und Trinkwasser werden Verbesserungen angekündigt. Wie weit diese Bemühungen bereits genau fortgeschritten sind, darüber gibt es bislang keine Berichte. Ebenso wenig ist klar, in welchem Maße dieses Angebot überhaupt angenommen wird.

Auf der einen Seite stehen also internationaler Spitzensport, Millionenpreisgeld und eine spektakuläre Kulisse. Auf der anderen Seite arbeiten Pferde im selben touristischen Umfeld unter Bedingungen, die Tierschutzorganisationen seit Jahren kritisieren. Gleichzeitig werden nun öffentliche und private Mittel für ihre Versorgung mobilisiert. In welchem Maße diese tatsächlich den Touristenpferden, Eseln und Dromedaren von Gizeh zugutekommen, bleibt abzuwarten. Das Dilemma zwischen Tourismus und Tierwohl ist hier ebenso präsent wie bei den Kutschen in New York und an mehreren anderen Standorten weltweit, wie Wien und Mallorca.

Positiv äußert sich der Ägypter Sameh El Dahan, der eine Weile für Großbritannien unterwegs war und nun wieder für seine Heimat antritt.

Manche sagen, diese Maßnahmen würden nur ergriffen, weil die Tour dorthin kommt. Aber es ist ein Anfang. Jetzt gilt es darauf aufzubauen, zum Vorteil der Pferde bei den Pyramiden.

Die Global Champions Tour in Kairo startet morgen, Ergebnisse gibt es hier.

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