Sarah und Sina mit Highlight © Privat

Sarah (30) und Sina (26) mit Highlight – Verantwortung tragen sie gemeinsam.

Im Jahr 2019 durfte ich nach einem Unfall mehrere Monate nicht reiten. Zu dieser Zeit waren wir mit unserer Stute Highlight regelmäßig im Springtraining und hatten das Gefühl, gerade auf einem richtig guten Weg zu sein. Highlight ist kein Pferd, das Dinge einfach so mitmacht – sie braucht Routine und Zeit, um Sicherheit zu entwickeln.

Weil ich ausfiel und meine Schwester Sina sich im Springen selbst nicht sicher genug fühlte, haben wir überlegt, wie wir diese Routine aufrechterhalten können. Wir wollten nicht, dass Highlight in dieser Zeit zurückfällt. Also haben wir uns entschieden, sie regelmäßig zu einem Trainer zu bringen, bei dem ich schon lange geritten bin und dem wir vertraut haben.

Der Moment, der alles veränderte

Schon beim zweiten Termin ist etwas passiert, das wir so nicht erwartet hätten. Highlight verweigerte einmal am Sprung, der Trainer stürzte. Im ersten Moment wirkte alles ruhig, er stand wieder auf, nahm die Zügel – und dann kippte die Situation. Er begann, Highlight mit der Gerte zu schlagen. Mehrfach und mit einer Intensität, die uns völlig überfordert hat.

Wir haben ein paar Sekunden gebraucht, um überhaupt zu begreifen, was da gerade passiert. Dann ist meine Schwester dazwischengegangen und hat ihn aufgefordert, sofort aufzuhören. Seine Antwort war, dass er der Profi sei und wisse, wie man mit solchen Pferden umgehe. Für uns war in diesem Moment klar, dass wir unser Pferd dort nicht lassen würden und keine Gewalt im Pferdetraining tolerieren.

Gewalt im Pferdetraining darf nicht toleriert werden

Als wir sie vom Platz geführt haben, haben wir die Verletzungen gesehen: Striemen, Schwellungen und eine offene Wunde. Wir haben alles dokumentieren lassen und uns noch am selben Tag entschieden, zur Polizei zu gehen. Das war keine einfache Entscheidung. Der Trainer war bekannt und angesehen, und wir wussten, dass wir uns damit gegen jemanden stellten, der deutlich mehr Erfahrung und Einfluss hatte als wir. Trotzdem hat sich die Entscheidung richtig angefühlt.

Die folgenden Monate waren anstrengend. Es gab Verfahren, Aussagen, Zweifel von außen und auch Stimmen, die uns nicht geglaubt haben. Gleichzeitig gab es Menschen, die uns bestärkt haben, diesen Weg zu gehen. Am Ende wurde uns sowohl vom Verband als auch vor Gericht recht gegeben. Für uns war dieser Moment prägend, weil wir gelernt haben, dass wir immer hinschauen, Entscheidungen hinterfragen und im Zweifel handeln müssen. Highlight konnte in dieser Situation nichts sagen. Also mussten wir es tun.

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