Sieht Dreijährige auf den Bundeschampionaten noch immer nicht gern, freut sich aber über "Schritte in die richtige Richtung": Christoph Hess im Interview mit HOOFORIA in Warendorf. © Melissa Tielesch

Sieht Dreijährige auf den Bundeschampionaten noch immer nicht gern, freut sich aber über "Schritte in die richtige Richtung": Christoph Hess im Interview mit HOOFORIA in Warendorf.

„Das sind doch noch Babys“, sagte im vergangenen Jahr während der Bundeschampionate Trainer und Richter Christoph Hess  gegenüber HOOFORIA. Sein Standpunkt: Dreijährige Pferde sollten in Warendorf am besten noch gar nicht an den Start gehen , wenn es nach ihm ginge. Die damaligen Änderungen nannte er lediglich „einen halben Schritt“. Ein Jahr später sind die Dreijährigen noch immer in Warendorf dabei. Der Ablauf wurde jedoch verändert, die Belastung reduziert und eine verpflichtende Eingewöhnung eingeführt. Und Hess? Ist weiterhin skeptisch – aber deutlich differenzierter. Wir haben erneut ein Interview mit ihm führen dürfen. „Vom Grundsatz war ich damals ich der Meinung, Dreijährige gehören hier gar nicht her.“ Und dabei bleibt der Experte auch in 2026. Gleichzeitig betont er: „Ich finde es gut, dass was ausprobiert wird.“

Neuerungen bei den Bundeschampionaten

Ein abschließendes Urteil  zu den Neuerungen während der laufenden Bundeschampionate hält Hess für verfrüht. Die Pilotmaßnahme müsse erst einmal die Chance bekommen, sich zu bewähren. Aber er sieht Fortschritte. „Ich glaube, wir sind  damit auf dem richtigen Weg.“ Denn dass sich überhaupt so intensiv mit der Vorstellung junger Pferde beschäftigt wird, findet er gut. Hess selbst führt das unter anderem auf die Diskussionen der vergangenen Monate zurück. Sein Interview mit HOOFORIA im vergangenen Jahr habe „Furore gemacht“, sagt er. Er habe dafür „viel Kritik geerntet, auch von der Funktionärsseite“. An seiner Haltung hält er dennoch fest: „Vielleicht habe ich damit die Sache auch noch ein bisschen angeschoben.“ (Auf Instagram haben wir das Interview aus 2025 unter unseren Highlights abgespeichert.)

Pferdewohl muss oberste Priorität haben

Für Hess steht ein Punkt über allem: das Pferdewohl. „Altersgemäße Ausbildung, altersgemäßer Einsatz von jungen Pferden auch an  Championaten – das hat oberste Priorität.“ Dabei gehe es ihm nicht nur um die Prüfung selbst. Viele junge Pferde seien erstmals länger von zu Hause weg, müssten eine Anreise, die Unterbringung und die völlig neue Umgebung verarbeiten. Entsprechend wichtig sei es, die diesjährigen Veränderungen wirklich ergebnisoffen zu bewerten.

Jungpferde beim BuCha: Es zählt mehr als das Alter

Dass viele Pferdeleute weiterhin grundsätzlich infrage stellen, ob dreijährige Pferde auf eine solche Veranstaltung gehören, versteht Hess „Ich kann die Kritik nachvollziehen, weil ich den gleichen Ansatz auch verfolge.“ Sein Appell an Kritiker: selbst hinschauen: „Kommt nach Warendorf, guckt euch das Ganze an mit euren eigenen Augen an und am Ende könnt ihr dann selber entscheiden, wie ihr darüber denkt.“ Denn allein das Geburtsjahr sagt für Hess noch nicht aus, ob ein Pferd einer solchen Aufgabe gewachsen ist. Es komme auf viele Details an: Wie werden die Pferde zu Hause gehalten? Wie werden sie ausgebildet? Wann hat die Ausbildung begonnen? Wer reitet? Welche Philosophie vertritt der Reiter? Eine einfache Blaupause gebe es nicht. Pferde entwickelten sich unterschiedlich. Deshalb müsse man sie individuell betrachten. Und genau damit verschiebt Hess die Debatte von der reinen Altersfrage hin zur Ausbildung.

Nicht „effektvoll“, sondern altersgemäß reiten

„Das oberste Kriterium muss sein, die Pferde hier  altersgemäß zu reiten“, fordert Hess. Junge Pferde sollten in guter Dehnung und Balance vorgestellt werden und ihre natürlichen Bewegungen zeigen können. Was er nicht sehen möchte: möglichst spektakuläre Bilder, kein „effektvolles Reiten um jeden Preis“. Wenn es nach Hess ginge, dürften Dreijährige sogar noch deutlicher remontemäßig vorgestellt werden – mit leichterer Einwirkung und einem Sitz, der dem frühen Ausbildungsstand entspricht. Aber woran können Zuschauer erkennen, ob ein junges Pferd mit seiner Aufgabe zurechtkommt? Hess‘ Rat: „Guckt euch die Körpersprache des Pferdes an.“ Ein lockeres, aufmerksames Pferd mit ruhigem Schweif, nach vorn gerichteten Ohren und taktreiner Bewegung sende positive Signale. Anders sehe es aus, wenn ein Pferd verkrampft wirke, den Schweif einklemme, die Ohren zurücknehme oder das Maul geöffnet sei. Diese Signale müssten wahrgenommen werden – und sich aus Hess‘ Sicht auch in der Bewertung widerspiegeln.

Bundeschampionate als Bühne für gute Ausbildung

Was also soll am Ende der Woche von Warendorf bleiben? Für Hess im besten Fall mehr als die Namen der Bundeschampions. „Mich würde es freuen, wenn alle nach Hause fahren und  gesehen haben, wie gute Ausbildung aussieht.“ Denn die Bundeschampionate seien für ihn nicht nur Sport- und Zuchtveranstaltung. „Wir sind hier auch eine Bühne für gute und richtige Ausbildung.“

 

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