Mit Ruhe in den Turniersport finden: Das ist das Ziel der Hetzel Young Horse Masters. © Frederike Markett

Mit Ruhe in den Turniersport finden: Das ist das Ziel der Hetzel Young Horse Masters.

Was brauchen junge Springpferde, um sich gesund und nachhaltig zu entwickeln? Für Holger Hetzel ist die Antwort klar: Zeit, faire Bedingungen und eine Ausbildung, die das Pferd in den Mittelpunkt stellt. Genau dieser Gedanke prägt auch die Hetzel Young Horse Masters – ein Turnier, das sich von klassischen Jungpferdeprüfungen abhebt. Als ehemaliger Nationenpreisreiter, Ausbilder und Veranstalter verfolgt Holger Hetzel mit seinem Turnier eine klare Vision.

Pferdeausbildung für die Zukunft

Auf der Reitsportanlage von Holger Hetzel am Niederrhein dreht sich bei den Hetzel Young Horse Masters alles um die Stars von morgen. Statt schneller Zeiten oder spektakulärer Ritte stehen die Ausbildung junger Springpferde und optimale Bedingungen für ihren Einstieg in den Sport im Mittelpunkt. Für den Springreiter ist genau das der Schlüssel zu einer nachhaltigen Karriere im Parcours. Denn: „Wir wollen die jungen Pferde ausbilden – zwar im Wettkampf, aber ohne Druck und für die Zukunft“, sagt Hetzel.

Holger Hetzel im Interview für HOOFORIA. Er spricht über seine Philosophie, mit Jungpferden zu arbeiten.

Holger Hetzel im Interview für HOOFORIA. Er spricht über seine Philosophie, mit Jungpferden zu arbeiten.

Keine Vierjährigen, kein Springen gegen die Uhr

Bei den Hetzel Young Horse Masters starten ausschließlich fünf-, sechs- und siebenjährige Pferde. Vierjährige sucht man bewusst vergeblich. „Vierjährige müssen nicht unbedingt ein ganzes Turnierwochenende mit drei Starts erleben“, erklärt Hetzel. Einzelne Starts zum Ende ihres vierten Lebensjahres seien aus seiner Sicht ausreichend. Auch das Prüfungsformat folgt diesem Gedanken. Anders als bei klassischen Zeitspringen geht es nicht darum, möglichst schnell ins Ziel zu kommen. Stattdessen stehen ruhige, pferdegerechte Runden im Vordergrund.

„Unsere Prüfungen sind sehr pferdefreundlich ausgeschrieben. Bei den jungen Pferden gibt es keine Springen gegen die Uhr. Es zählt die Nullrunde.“Dass dieses Konzept funktioniert, zeigte sich auch während der diesjährigen Veranstaltung: Zahlreiche fehlerfreie Runden bestätigten nach Hetzels Einschätzung, dass Parcours und Anforderungen bewusst fair und altersgerecht gestaltet waren.

Die Qualifikation der Sieben- und Achtjährigen am gestrigen Freitagabend sah mit 125 Startern ein Rekordteilnehmerfeld. Katrin Eckermann (RV Kranenburg) und ihre Hannoveraner Stute Chacoona Cat aus der Zucht von Friedel Cordes gewann vor Europameister Richard Vogel mit United Call JPS.

Am heutigen Samstag startet das Finale der Sechsjährigen ab 16.30 Uhr. Es ist mit 25.000 Euro dotiert. Die Finalprüfungen der Fünfjährigen sowie die der Sieben- und Achtjährigen, die mit 50.000 und 100.000 Euro dotiert sind, finden am Sonntag ab 10.00 Uhr statt.

Als eine der letzten Starterpaare in der Qualifikation der Sieben- und Achtjährigen lieferten Katrin Eckermann und ihre Hannoveraner Stute Chacoona Cat am Freitagabend die schnellste Nullrunde ab und sicherten sich damit den Sieg.

Als eine der letzten Starterpaare in der Qualifikation der Sieben- und Achtjährigen lieferten Katrin Eckermann und ihre Hannoveraner Stute Chacoona Cat am Freitagabend die schnellste Nullrunde ab und sicherten sich damit den Sieg. (Foto: Hartwig) (© Hartwig)

Ergänzung zu den Bundeschampionaten

Mit seinem Konzept versteht sich Hetzel ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu den Bundeschampionaten. Während dort Springpferdeprüfungen häufig nach Noten bewertet werden, setzt er auf ein anderes Prinzip. „Nicht jedes Pferd, das mit einer 9,0 bewertet wird, ist später automatisch ein internationales Spitzenpferd“, vertritt er einen klaren Standpunkt. Entscheidend seien für ihn vielmehr gute Rittigkeit, Übersicht und die Fähigkeit, einen Parcours souverän und fehlerfrei zu bewältigen. Beide Veranstaltungen ergänzten sich aus seiner Sicht deshalb ideal.

Pferdewohl beginnt vor dem ersten Start

Für Hetzel endet Pferdewohl nicht am Parcours. Bereits die Anreise und Unterbringung der Pferde seien wichtige Bausteine einer gelungenen Veranstaltung. Deshalb sorge sein Team dafür, dass ankommende Pferde möglichst schnell ausgeladen und in ihre Stallungen gebracht werden. Hinzu kommen hochwertige Böden, großzügige Abreiteplätze und ein erfahrener Parcoursbauer. „Wir wollen den Pferden hier optimale Bedingungen bieten“, resümiert der Profi. Gleichzeitig versteht Hetzel sein Turnier als Treffpunkt für Familien, Besitzer, Züchter und Reiter. „Mit jungen Pferden zum Turnier zu fahren, bedeutet, nicht nur Schleifen zu gewinnen. Es geht um Emotionen und Leidenschaft.“

Leidenschaft – und Erfolg: Bei den Hetzel Young Masters soll es vor allem um die Ausbildung der künftigen Spitzensportpferde gehen.

Leidenschaft – und Erfolg: Bei den Hetzel Young Masters soll es vor allem um die Ausbildung der künftigen Spitzensportpferde gehen. Hier zu sehen ist Gerben Morssink, Sieger der großen Tour am Freitagabend. (Foto: Frederike Markett)

Ausbildung braucht Geduld

Gerade in Zeiten intensiver Diskussionen über den Einsatz junger Pferde im Sport plädiert Hetzel für einen differenzierten Blick. Nicht möglichst frühe Erfolge seien entscheidend, sondern eine Ausbildung, die den Pferden Zeit lasse und sie langfristig auf höhere Aufgaben vorbereite. Genau darin sieht er den eigentlichen Anspruch der Hetzel Young Horse Masters: junge Talente behutsam an den Spitzensport heranzuführen – mit Augenmaß, Erfahrung und dem Pferd als wichtigsten Maßstab.

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