Sonne, blauer Himmel, gepflegtes Grün: In Aachen war die Welt noch in Ordnung. Lupendorf hat da in Hinblick auf das kommende Wochenende ein paar Fragen. © Stefan Lafrentz

Sonne, blauer Himmel, gepflegtes Grün: In Aachen war die Welt noch in Ordnung. Lupendorf hat da in Hinblick auf das kommende Wochenende ein paar Fragen.

Vor vier Tagen noch habe ich um Abkühlung gefleht, jetzt bettele ich förmlich um ein Wochenende ohne Regen. Regen, das müsst Ihr wissen, tropft bei uns in Mecklenburg nicht gefällig vom Himmel. Er stürmt von vorn und peitscht einem frontal ins Gesicht. Der Staub der vergangenen Wochen wird dabei zwar rückstandslos aus der Mimik gewaschen. Allerdings lautet die Devise jedweden Turnierveranstalters zwischen Aachen und Lupendorf ja eigentlich: Hauptsache trocken von oben!

Nicht primär wegen der möglichst sonnig gestimmten Zuschauer. Aber wer schon einmal morgens um 7.15 Uhr mit nasser Reithose in den Sattel steigen musste, deren Restfeuchte nach Dressur und Springen bis zum glimpflichen Sturz ins Wasser um 15.07 Uhr im finalen Cross fast verdampft war, weiß, warum. Doch egal, wo ich schaue, auf Wolkenlotto.net oder Matsch-Meteorologe.de: Auf allen Witterungsportalen schieben Nimbostraten unaufhaltsam gen Osten – bis direkt über unseren Turnierplatz.

Die entscheidende Frage in Lupendorf: Bleibt es trocken – oder wird aus dem Vielseitigkeitsturnier endgültig Vielseitigkeitsschwimmen?

Die entscheidende Frage in Lupendorf: Bleibt es trocken – oder wird aus dem Vielseitigkeitsturnier endgültig vielseitiges Schwimmen? (© Jessica Kaup)

In Aachen gibt es für solche Fälle Menschen, die sich professionell mit Boden, Niederschlagsmengen und Platzverhältnissen beschäftigen. In Lupendorf gibt es uns Ehrenamtlichen. Und die Wetter-App.

Aachen pflegt den Boden, wir die Playlist

Während draußen also der spätsommerliche Herbst das Banner vom Richterwagen reißt, sichte ich bei heißem Tee die Ehrenpreise und lasse mich von der Lupendorf-Playlist beschallen. „Ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt“ dynamisiert mich auf der Eins. Und natürlich darf auch unser Mecklenburg-Lied nicht fehlen, intoniert es doch mit dem für mich derzeit angemessenen Pathos die Hoffnung auf besseres Wetter. (Zum Thema Playlist: Unsere Springreiter in Aachen verlassen sich auch auf musikalische Power, schaut gern mal hier auf unserem Instagram-Kanal vorbei, wir haben das Team live interviewt.)

Vielleicht taucht die Sonne ja tatsächlich irgendwann wieder aus der Flut auf. Bis dahin widme ich mich den wirklich wichtigen Dingen:

  • 117 pinke Hufkratzer.
  • Vier Essensgutscheine für die Schnitzel-Stube.
  • Eine nigelnagelneue Bohrmaschine

Fein.

Willkommen im Prize Department Lupendorf: Von Champagner bis Sofakissen ist alles angerichtet. Die Bohrmaschine ist vermutlich schon vergeben.

Willkommen im Prize Department Lupendorf: Von Champagner bis Sofakissen ist alles angerichtet. Die Bohrmaschine ist vermutlich schon vergeben. (© Jessica Kaup)

Was schenkt man eigentlich einem Vielseitigkeitsreiter?

Der Sinn der Kühlgamaschen-Verpackung von der Firma Frostbeule, allerdings ohne die dazugehörigen Kühlgamaschen, erschließt sich mir noch nicht ganz. Ein wenig unschlüssig bin ich auch, ob sich eher die Führzügelkinder oder die Junioren des Stilgeländerittes über die Memoiren des spendablen Jagdreiters Freiherr Anno von Dazumal freuen würden. Aber ein Turnierveranstalter wächst schließlich mit seinen Aufgaben. Und womöglich wird ja gerade die Kombination aus pinkem Hufkratzer, Jagdreiter-Memoiren und Bohrmaschine jenes Ehrenpreis-Ensemble, von dem noch Generationen sprechen werden. In Aachen gibt es derweil Blumen, Pokale und feierliche Siegerehrungen vor großer Kulisse. Ich sehe da keinen klaren Gewinner.

VIP in Lupendorf

Alle Sponsoren – das ist bei uns natürlich nicht anders als auf den großen Plätzen dieser Welt – gehen aufs Haus. Bier, Butterstullen und Bratwurst for free. Dazu selbstverständlich der Zugang zum exklusivsten Bereich des Turniergeländes. Schließlich braucht es auch in Lupendorf ein angemessenes Hospitality-Konzept. Und natürlich bekommt jeder Sponsor sein goldenes VIP-Bändchen ums Handgelenk. Apropos. Wo ist denn bloß der gelbe Kabelbinder?

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