Richard Vogel sahnte in Brüssel lieber ein Auto ab als in den Urlaub zu fahren.
Als freiberuflich arbeitende Journalistin kenne ich das. So richtig Urlaub und alle Viere von sich strecken, das genieße ich zwar gerne einmal tageweise, aber ansonsten reist der Laptop mit, egal wohin es auf der Welt geht.
Seitdem die Weltmeisterschaften zu Ende gegangen sind, weiß ich, dass das bei unseren Gold-Helden aus Aachen sehr ähnlich ist. Klar wusste ich auch schon vorher, dass die Damen und Herren – insbesondere aus er Springreiter-Welt durch die Global Champions Tour und Turniere wie Spruce Meadows oder die Serien in den Emiraten – quasi 365 Tage im Jahr unterwegs sind. Manchmal sogar an den Weihnachtstagen, denn da beginnt schließlich das Weltcup-Turnier im belgischen Mechelen.
Nach den Weltmeisterschaften haben wir uns gefragt: Sind jetzt, wo die Medaillen in trockenen Tüchern in der Sattelkammer liegen, wo Siegerparty gefeiert wurden, Palmen, Strand und der Weg ins nächstbeste Flugzeug angesagt?
Letzteres bei einigen wohl schon, aber um zum nächsten Turnier zu jetten. Okay, nach Warendorf ging es für Seriensiegerin Sophie Hinners, aber auch Julia Krajewski in der Vielseitigkeit wohl auf der Straße.
Aber Scott Brash hat wohl den Flieger nach Gijon in Spanien genommen, um dort mal eben den Großen Preis zu gewinnen. Urlaub oder auch nur eine Pause braucht er ganz offensichtlich nicht, was uns hier bei HOOFORIA natürlich alle freut. Denn der Sturz im Einzelfinale, als Helle Mango in der dreifachen Kombination über ihn hinwegsprang, sah wirklich übel aus. Nichts passiert! Auf zum nächsten Turnier. Zum nächsten Sieg! Tausendmal auf Holz geklopft: Was für ein Glück!
Richard Vogel und Daniel Deußer waren derweil Teil des deutschen Goldteams der Springreiter. Nur sieben Tage nach der WM, neun nach diesem Mega-Erfolg sicherten sie sich in Brüssel beim Stephex Masters, dem hochdotierten Fünf-Sterne-Turnier von Deußers Arbeitgeber, den Sieg und Platz drei. Daniel konnte dafür einfach vor die Haustür schauen. Für Richard waren es schon ein paar hundert Kilometer aus dem hessischen Pfungstadt.
Doch er meinte schmunzelnd: „Dieses Turnier ist doch fast wie Urlaub, da mache ich gerne sofort weiter!“
Die Spieler bei der Fußball-WM hätten das wohl nie gemacht. Für die steht nach einem Großereignis wohl immer – egal wie erfolgreich – erstmal extensiver Urlaub und so manches Wundenlecken auf dem Programm. Da sind die Reiter anders. Das weiß auch Daniel Deußer und lächelt über den Vergleich mit dem Fußball. „Wir sind vermutlich keine normalen Menschen.“
Da muss ich auch schmunzeln. Was ist schon normal? Jeder findet seinen Weg, der ihm guttut und für ihn passt. Ich kann bei einer Rundreise auch ein, zwei Stunden am Laptop verbringen und dann glücklich das nächste Reiseziel in Augenschein nehmen. Ohne Abstriche. Ohne unglücklich oder gestresst zu sein. Einfach, weil ich liebe, was ich tue. Das ist bei unseren Reitern wohl ganz ähnlich. Wenn sie komplett abschalten wollen, müssten sie wohl ohnehin irgendwo auf die Malediven, Tuvalu oder Spitzbergen entfliehen. Dorthin, wo keine Pferde um die Ecke blicken! Denn auf dem Turnier ist es vermutlich entspannter als im heimischen Stall, wo manchmal zehn bis zwölf Pferde auf Beritt warten. Auch wenn sie bestimmt auch in Brüssel, Gijon und Co mehr Stunden mit ihrem Job verbringen
Und gibt es dann irgendwann doch Urlaub? „Wenn es passt, dann machen wir das. Aber es muss nicht unbedingt nach dem Championat sein“, betont Sophie Hinners. „Im vergangenen Winter war ich beispielsweise auf den Seychellen.“
Eine genießt das auch jetzt gerade, wie Social Media beweist: Die Dressur-Ersatzreiterin Semmieke Rothenberger mit ihrer Familie auf Capri. Das machen sie seit ihrer Kindheit so. Das reißt auch im WM-Jahr nicht ab.
Es gibt ihn also doch noch! Den Urlaub.
Die WM-Pferde haben jetzt allerdings fast ausnahmslos Ferien! Sie können sich das nicht einteilen wie wir Menschen. Aber wir können ihnen die Ruhe und Erholung gönnen, die sie nach so einem Großevent brauchen. Und das tun auch alle Top-Reiter. Egal ob United Touch, Wendy de Fontaine oder Chipmunk. Wir haben sie auf Social-Media-Posts ihrer Reiter allesamt auf weitläufigen, saftigen Weiden gesehen.
Und das ist doch die eigentlich wichtige Nachricht!

