Den großen Wall im Finale toll gemeistert: Simon Heineke und Cordillo in Hamburg.
Mit dem 18-jährigen Cordillo sprang Simon Heineke im Hamburger Derby auf Platz zwei – und sorgte damit für eine der emotionalsten Geschichten des Wochenendes. Im Interview mit HOOFORIA spricht der Springreiter über Druck, Dankbarkeit, Derby-Pferde mit besonderem Charakter und darüber, warum Ausritte, Strandtage und Vertrauen manchmal wichtiger sind als noch eine Trainingsrunde auf dem Springplatz.
Für Simon Heineke begann das Derby-Finale in Hamburg schon mit einer besonderen Ausgangslage. Als letzter Starter im Umlauf hatte er bereits alle Ritte gesehen – ein Vorteil und gleichzeitig enorme mentale Belastung. Denn entweder geht es danach noch ins Stechen – oder eben nicht. Eigentlich, sagt Heineke rückblickend, hätte er sich eine frühere Startposition gewünscht, zumindest ein bisschen. „Dann weiß man schon ein bisschen, wie der Parcours läuft und wie viele Nuller es vielleicht geben wird.“ So aber stieg die Spannung mit jedem fehlerfreien Ritt weiter an. Der Druck sei enorm gewesen. „Es war schwer, die Spannung auszuhalten“, berichtet er, weiterhin in Turnierkleidung, während er Cordillo ein Leckerli nach dem nächsten zusteckt.
Simon Heineke dankbar für Cordillo
Umso größer war natürlich die Erleichterung nach der fehlerfreien Runde. „Ich war einfach nur dankbar“, erzählt uns Simon Heineke. Während die Zuschauer auf den Tribünen feierten, klatschten und das Paar bejubelte, wurde der 33-Jährige emotional. Er gibt zu: „Da liefen mir die Tränen.“ Nicht wegen des eigenen Erfolgs. Sondern wegen Cordillo. Der inzwischen 18-jährige Wallach gilt längst als Hamburger Derby-Profi. Unter Nisse Lüneburg gewann er die traditionsreiche Prüfung bereits vor einigen Jahren, später übernahm Simon Heineke das erfahrene Pferd. Dass Cordillo auch mit 18 Jahren noch auf diesem Niveau mithalten kann, bedeutet dem Reiter sichtbar viel. „Ich war einfach nur dankbar, dass er mir das nochmal ermöglicht hat.“ Im anschließenden Stechen habe dann ein wenig die Kraft gefehlt. Zwei Abwürfe bedeuteten am Ende Platz zwei. Simon hätte seinem Pferd gern noch den letzten großen Triumph geschenkt. Aber statt Enttäuschung überwiegt bei ihm ganz klar die Freude. „Es kann eigentlich nicht schöner werden“, schwärmt er.
Warum Cordillo anders vorbereitet wird
Im Gespräch wird schnell deutlich: Cordillo wird nicht wie ein gewöhnliches Sportpferd gemanagt. Und genau das ist vermutlich einer der Gründe, warum er mit 18 Jahren noch immer Derby auf höchstem Niveau gehen kann. „Wir geben alles, damit er happy ist und sich nicht zu schnell langweilt. Er soll die Freude behalten.“ Dass Cordillo den Derby-Parcours mittlerweile beinahe auswendig kennt, merkt man dem Springreiter zufolge sofort. „Er ist einfach ein Professor“, bescheinigt Simon Heineke Cordillo und strahlt den großen Braunen an. „Viel erklären muss man diesem Pferd nicht mehr. Er weiß genau, was er zu tun hat.“
Geht Cordillo jetzt in Rente?
Ob Cordillo nach diesem emotionalen Derby tatsächlich seine Karriere beendet, ist aktuell noch offen. Fest steht erstmal nur: Am Montagmorgen geht es für Cordillo zurück auf die Weide – zu seinen Freunden. „Dann genießt er erstmal wieder sein Leben.“