Anna Mareike Meier - immer mit viel Freude dabei!
Vierspännerfahrerin Anna Mareike Meier ist seit Montag in Aachen. Und sie ist nicht allein. Neben ihren menschlichen Begleitern sind natürlich auch fünf ganz besondere Protagonisten angereist. Friedolin, ein 18 Jahre alter westfälischer Hengst, G, ein fünfzehnjähriger niederländischer Wallach, Racciano, ein bereits 20 Jahre alter Hannoveraner Wallach, sowie die beiden Wallache Zalando (12) und Zazou (16). Sie möchten alle zusammen als Team für eine Medaille in einer der herausforderndsten Disziplinen bei den Weltmeisterschaften gewinnen.
Anna Mareike Meier, geborene Harm, war zunächst Einspännerfahrerin, wurde dort 2010 auch Team-Weltmeisterin. Doch noch mehr reizte sie das Vierspännerfahren. Gemeinsam mit der Legende Michael Freund stellte sie ein Gespann zusammen und schaffte schon 2012 den Sprung zu ihrer ersten WM. Insgesamt nahm sie im Ein- und Vierspänner an sieben Weltmeisterschaften teil. 2022 in Pratoni gab es Team-Silber. Übrigens sitzt Anna Mareike Meier auch gerne mal im Sattel, ritt erfolgreich Dressur bis St. Georges und Springen bis Klasse M. Sie studierte Agrarwissenschaften in Kiel und betreibt mit ihrer Mutter Andrea den Hof Rützenhagen. Anfang 2023 wurde sie Mutte einer Tochter und heiratete ein Jahr später.
HOOFORIA hat Anna Mareike Meier kurz vor ihrem Start in Aachen befragt, was eigentlich alles hinter einer WM-Teilnahme in dieser Disziplin steckt.
Wir stehen vor dem Beginn deiner Wettkämpfe in Aachen. Wie sah die letzte Zeit vor der WM aus?
In den Wochen vor der WM haben die einzelnen Disziplinen trainiert und ihnen nochmal Feinschliff gegeben. Einen Tag beispielsweise Marathon und an einem anderen Kegelfahren. Auch die Dressuraufgabe wurde vierspännig geübt. Und dann auch immer wieder mit den einzelnen Pferden einspännig oder zwei zusammen als Zweispänner. Es ist nämlich bei weitem nicht so, dass wir immer im Vierspänner unterwegs wären. Da wird ganz viel individuell gearbeitet. Außerdem hatten die Pferde vorab noch viel Zeit zum Relaxen, waren jeden Tag auf der Weise. Einfach ein glückliches Pferdeleben. Währenddessen stand für uns Menschen dann das Saubermachen von Kutschen und Ausrüstung sowie das wirklich große Packen an. Denn am Ende ging es ja ins Trainingslager nach Zülpich in der Nähe von Aachen, quasi vor der Haustür der WM. Dort haben wir uns dann noch mit jede Menge Finetuning gemeinsam mit dem Bundestrainer beschäftigt.
Wie schaut so eine Reise mit den Pferden und Kutschen eigentlich logistisch aus? Was kommt noch alles mit? Es muss ein riesiger Aufwand sein …
Wir sind direkt aus dem Trainingslager bereits am Montag in Aachen angereist, damit die Pferde sich ausreichen akklimatisieren können. Heute stand ja dann der Vet-Check an. Die Anreise ist für uns wirklich ein riesiger logistischer Aufwand! Vorn haben wir unseren riesigen LKW mit Wohnabteil. Mit uns sind fünf Pferde nach Aachen gereist, denn das Ersatzpferd ist natürlich immer mit dabei. Es darf ja auch während der Prüfungen gewechselt werden. Beispielsweise geht unser Pferd Friedolin nur Gelände und Kegelfahren.
Ja, und zusätzlich sind drei Kutschen mit uns nach Aachen gefahren. Das stellen sich die Leute oft gar nicht so vor. Aber es gibt eine Kutsche für Dressur und Kegelfahren, eine für den Marathon und obendrein einen Trainingswagen, mit dem ich ein- und zweispännig trainiere. Dazu kommen wirklich Berge von Zubehör, die man sich so vielleicht gar nicht vorstellen kann, wenn man sie nicht gesehen hat. Beispielsweise ein Geschirr für Dressur und Kegelfahren, ein Geschirr für den Marathon. Dann ein Trainings-Vierspänner-Geschirr, ein Trainings-Einspänner-Geschirr und ein Trainings-Zweispänner-Geschirr. Sattelzeug, Longierzeug. Unzählige Decken für alle Eventualitäten. Dann noch Gamaschen, speziell für den Marathon, fürs Kegelfahren, fürs Training und für eventuelle Siegerehrungen. Es kommt wirklich irre viel Kram mit, an die Außenstehende vermutlich niemals denken würden.
Planst du bei in paar anderen Wettkämpfen zuzuschauen und die Teilnehmer anfeuern?
Die Tage werden wohl alle ziemlich voll sein. Wir gehen schon morgens um 6 Uhr ins Gelände und schauen uns dort die Hindernisse an. Die müssen wir ja alle auswendig können. Und dann geht es seit unserer Ankunft auch täglich ans Training unserer fünf Pferde, was einfach viel aufwändiger ist, als wenn man wie die Reiter ein Pferd trainiert. Dazu kommen die Termine rund um die WM, Planungen mit dem Bundestrainer und abends fallen wir in der Regel um 21 bis 22 Uhr sehr erschöpft ins Bett.
Worauf freust du dich in Aachen am allermeisten?
Am aller-, allermeisten freuen wir uns, dass wir überhaupt dabei sind! Dass wir nominiert wurden. Das ist für uns alle das Größte. Wir haben bereits seit vier Jahren genau auf dieses große Ziel hingearbeitet. Lange Zeit war auch nicht klar, wie viele von uns starten dürfen. Und so waren es immer wieder sehr zittrige letzte Monate. Umso größer war am Ende die Freude, als wir erfahen haben, dass wir dabei sind. Damit ist ein Lebenstraum wahr geworden und die Freude ist unbeschreiblich groß. Wenn wir dann noch gut genug für eine Medaille sind, dann wäre das natürlich eine Krönung obendrauf.


