Zwei, die sich bestens verstehen: Michele Schulmerig und der neue Bundeschampion der dreijährigen Reitponys Nice to meet you R.
Nicht nur für die vierjährigen Reitponystuten und -wallache, sondern auch für die anschließend startenden dreijährigen Reitponyhengste war das heutige Finale eine echte Bewährungsprobe. Einer ließ sich vom stürmischen Wetter wenig beeindrucken und setzte mit einer herausragenden Runde ein Ausrufezeichen.
Wenn die Reitponys an den Warendorf Finaltagen das Viereck betreten, ist die Spannung groß. Gleichzeitig auch die Freude, wenn die kleinen, aber wirklich feinen Sieger der Herzen gefeiert werden. Spätestens nach dem heutigen Tag zählt Nice to meet you R dazu. Dieser Sohn des FS Next Diamond aus einer Valido-Mutter ist im Besitz der Besitzergemeinschaft Momburg/Janssen. Züchterin ist Joana Römer.
Dieses Pony stiehlt allen die Show
Als die Noten bekanntgegeben werden, schaut Nice to Meet You R die Richter mit gespitzten Ohren und freundlichem, aber auch kecken Pony-Blick an. Richtig selbstbewusst. „Da steht er schon so ein bisschen arrogant“, kommentierte Wolfgang Egbers augenzwinkernd. Schließlich habe er am Vortag bei der Gebäudebeurteilung genauso dagestanden. Geschadet hat es nicht, denn er konnte dort bereits eine 9,0 auf seinem Konto verbuchen.
Und das sollte längst nicht die höchste Note gewesen sein. Für den Trab gab es ebenfalls eine 9,0, für den Galopp eine 8,3. Gerade dort sah Wolfgang Egbers noch Luft nach oben. Der Galopp sei „nicht ganz spannungsfrei“ gewesen, man wünsche sich mehr Entwicklung „über den Rücken ins Bergauf“. Es ist fraglich, inwieweit eine solche Entwicklung von einem Dreijährigen bereits gefordert werden sollte, aber darauf gehen wir später im Text noch einmal ein.
Diesen Schritt machte ihm keiner nach
Dann folgte der große Moment der Runde. Im Schritt erhielt Nice to meet you R die Traumnote 10,0. Er habe sich nach den ersten Spannungen durch die Umwelteinflüsse vollständig beruhigt und wieder zu seiner Reiterin Michele Schulmerig gefunden.
Wirklich schreitend, mit eigenem Fleiß, über den Rücken, taktrein, nie eine schlechte Phase.
-Egbers
Für die natürlichen Reiteigenschaften gab es 9,3, für Harmonie und Funktion des Körperbaus eine 9,2. Mit einer Gesamtnote von 9,14 setzte sich der sympathische Strahlemann an die Spitze. Und gleichzeitig war klar: Das musste ihm jetzt erst mal einer nachmachen.
Never Alone Se. M Vize-Bundeschampion der Reitponyhengste
So richtig knapp auf den Hufspuren war ihm kein anderes Paar. Auf Platz zwei und somit Vize-Bundeschampion darf sich ab jetzt Never Alone Se. M nennen. Der Dunkelfuchs von New Berlin E WE aus einer Dimension AT NRW-Mutter erhielt eine Gesamtwertnote von 8,48. Vorgestellt wurde er von Elisa Becker, die viel Einfühlungsvermögen bewies. Wolfgang Egbers lobte die Vorstellung am Mikrofon ausdrücklich: „Sehr taktmäßig, losgelassen und ausbalanciert präsentiert. Die natürlichen Reiteigenschaften hat das Pony hervorragend erfüllt.“
Die am Finaltag vergebenen Wertnoten zeigten keine besonderen Ausreißer nach oben oder unten. Für den Trab, den Schritt, die Rittigkeit und den Gesamteindruck unter dem Sattel gab es eine 8,5. Für den Galopp eine 8,8. Das Gebäude wurde am Vortag mit einer 7,7 bewertet. Never Alone Se. M ist im Besitz von Heike Hildenbrand und stammt aus der Zucht von Wolfgang Seggebruch.
Greatest Showman D: „Meint ihr mich?“
Der Kampf um Platz drei war eine deutlich knappere Geschichte als der um den Sieg. Hier platzierte Danica Duen ihren Hengst Greatest Showman D aus der eigenen Zucht mit einer Gesamtwertnote von 8,45. Also nur 0,03 Punkte hinter dem neuen Vize-Bundeschampion. Als die Wertnoten bekanntgegeben wurden, sorgte Greatest Showman D für einen kleinen Publikumsmoment. Auf der Mittellinie stehend blickte er sich unter Applaus fragend um. Fast so, als wollte er fragen: „Moment mal, meint ihr mich?“
Auch dieser junge Hengst sammelte durchgehend Wertnoten im mittleren Achterbereich, mit denen das Publikum nicht immer ganz einverstanden zu sein schien, denn es ging ein durchaus enttäuschtes Raunen durch die Menge. Wolfgang Egbers begründete das Ergebnis: Zu Beginn sei der Hengst etwas stramm im Genick gewesen, was sich im Verlauf der Aufgabe gebessert habe, so dass er sich auch schwungvoller und dynamischer zeigen konnte. Nach den Verstärkungen hoben die Richter die Galoppnote sogar noch einmal an.
Kritikpunkt Balance: Was müssen dreijährige Reitponyhengste im Viereck leisten
Auffällig war, wie häufig das Thema Balance angesprochen wurde. Immer wieder ging es zudem unter anderem um fehlende Stabilität, Festigkeit im Rücken, fehlende Stellung und Biegung oder darum, dass sich ein Hengst noch nicht ausreichend über den Rücken ins Bergauf präsentiert. Gerade bei den Dreijährigen stellt sich deshalb die Frage: Wie viel Balance, Stellung und Biegung darf man in diesem Alter bereits erwarten?
Die besonderen Bedingungen in der DSP-Arena sollten dabei nicht außer Acht gelassen werden. Publikum, Wind und Applaus sorgten für eine anspruchsvolle Kulisse – und dennoch zeigten sich die jungen Hengste überwiegend brav, regulierbar und immer wieder mit der Konzentration bei ihren Reitern.
Eine Frage der Entwicklung
Im Vordergrund steht bei den jüngsten Ponys (und natürlich auch Pferden) eine altersgemäße Entwicklung entlang der Ausbildungsskala. Es wird nicht die Selbsthaltung und Körperkontrolle eines fertig ausgebildeten Reitponys verlangt. Das junge Pony befindet sich noch im Wachstum und im Laufe der Ausbildung lernt es, sich unter dem Reitergewicht auszubalancieren. Deshalb sollte auch die Entwicklungsperspektive eine Rolle spielen.
Die Youngster müssen noch keine fertigen Reitponys sein – sie dürfen jedoch zeigen, welches Potenzial in ihnen steckt und wohin ihre Entwicklung gehen kann. So wie bei Nice to meet you R, der in der Lage war, sich von der großen Bühne nur kurz ablenken zu lassen und anschließend wieder vertrauensvoll zu seiner Reiterin zurückzufinden.