Pferdemaul mit Zähnen © Christiane Slawik

Osteopath, Dentist, Hufbearbeiter, Sattelanpasser, Trainer, Ernährungsberater: All diese Begriffe sind völlig ungeschützt, und jeder darf sich auch ohne Ausbildung so nennen.

Die Liste hängt wie immer alle paar Monate am Schwarzen Brett im Stall – neben den üblichen Zetteln für den Hufschmied, Möhrenbestellungen und den Gruppenaufteilungen für die Weide. „Zahnbehandlung am 12. Juni – bitte eintragen.“ Ein paar Namen stehen schon drauf. Der Behandler kommt regelmäßig, viele kennen ihn, manche schon seit Jahren. „Der macht das gut“, sagt jemand im Vorbeigehen. Also trägt man sich ein.

Sicher ist sicher – mindestens einmal im Jahr sollten die Zähne schließlich gemacht werden. Was genau der Mann gelernt hat, weiß eigentlich niemand so genau. Ob er Tierarzt ist? Keine Ahnung. Ob er sedieren darf? Wird schon passen. Bis jetzt ist ja auch immer alles gut gegangen, sonst hätte ja mal jemand was gesagt. Und im Pferdemaul kann man als Laie die Qualität der Behandlung auch schlecht prüfen.

Warum Titel oft nichts aussagen

Aber: Hinter der vermeintlichen Arbeitsroutine steht nicht immer eine fundierte Ausbildung. Titel, mit denen geworben wird, sind rechtlich oft gar nicht geschützt. Woran erkennt man denn nun, ob jemand wirklich weiß, was er tut? Schon sind wir mittendrin in einem Thema, das viele Pferdebesitzer und -besitzerinnen betrifft – und über das trotzdem erstaunlich wenig gesprochen wird.

Denn ob Zahnbehandlung, Osteopathie, Physiotherapie, Sattelanpassung oder Rehatraining: Noch nie gab es so viele Angebote rund ums Pferd wie heute. Noch nie war es gleichzeitig so schwer zu beurteilen, was dem eigenen Pferd wirklich hilft. Fakt ist: Gute Arbeit gibt es in allen Bereichen – genauso wie schlechte. Das heißt, ein Studienabschluss, ein Zertifikat oder ein Titel beweist nicht automatisch, dass jemand sein Handwerk perfekt beherrscht.

Pferde behandeln – Fachwissen oder Bauchgefühl?

Dennoch würde wohl niemand bestreiten, dass eine fundierte Ausbildung besonders in solch hochspezialisierten Bereichen unabdingbar ist. Wo liegen die Grenzen, wo sind rechtliche Grauzonen, und woran erkennen Pferdebesitzer, ob sie ihr Pferd in wirklich erfahrene, wissende Hände geben?

Hooforia hat mit Tierärzten, Dentalpraktikern, Verbänden und Pferdebesitzern gesprochen, mit Menschen, die seit Jahrzehnten Pferde behandeln, und mit denen, die sich um Qualitätsstandards bemühen. Ihre Antworten zeigen vor allem eines: Es gibt nicht die eine richtige Berufsbezeichnung.

Wenn Behandlungen mehr schaden als helfen

Es kann keine Gegenüberstellung geben und keine Abrechnung. Nicht mit Tierärzten, nicht mit Dentisten, nicht mit Therapeuten und auch nicht mit engagierten Autodidakten. Aber es gibt sehr wohl Unterschiede in der Ausbildung, Erfahrung und Verantwortung. Und genau die sollten alle kennen, bevor sie wieder ihren Namen auf der Liste am Schwarzen Brett eintragen.

Dass Unsicherheit bei der Wahl eines Therapeuten kein theoretisches Problem ist, zeigt sich in der tierärztlichen Praxis immer wieder. „Wir sehen durchaus Fälle, in denen Behandlungen durch unzureichend ausgebildete Therapeuten zu Problemen geführt haben“, sagt Dr. Marc Koene von der Tierärztlichen Klinik Lüsche. Dabei gehe es selten um böse Absicht, sondern oft um fehlende Erfahrung oder eine falsche Einschätzung der Situation.

Pferde behandeln – aber ohne Diagnose?

Der eigentliche Schaden besteht häufig nicht nur in einer falschen Maßnahme, sondern im Zeitverlust.
– Dr. Marc Koene –

„Ein Pferd wird über Wochen oder Monate behandelt, obwohl zunächst eine Diagnostik erforderlich gewesen wäre.“ Gerade bei orthopädischen Problemen würden strukturelle Verletzungen immer wieder als Verspannungen oder Blockaden fehlinterpretiert. Auch bei Zahnbehandlungen sieht Koene regelmäßig Folgen unsachgemäßer Eingriffe – etwa, wenn zu viel Zahnsubstanz entfernt oder ein Befund nicht erkannt wurde.

Zähne vom Pferd werden geschliffen

Schlecht nachprüfbar: Besonders im Pferdemaul ist es wichtig, dass Behandler und Behandlerinnen wissen, was sie tun. (© Christiane Slawik)

Wenn gut gemeint nicht gut gemacht ist

„Unsachgemäße Zahnkorrekturen können schmerzhaft sein und langfristig zu Fress- oder Leistungsproblemen führen.“ Für Pferdebesitzer sei oft schwer zu erkennen, wo unterstützende Therapie sinnvoll sei und wo eine medizinische Diagnose notwendig wäre. „Erst Diagnose, dann Therapie“, fasst Koene zusammen.

Unterstützende Maßnahmen könnten sinnvoll sein, etwa in der Rehabilitation oder im Training. „Aber sobald Schmerzen, Lahmheit, Fressprobleme oder deutliche Leistungsabfälle vorliegen, sprechen wir nicht mehr über Wellness, sondern über einen medizinischen Fall.“

Erst Tierarzt, dann Therapie

Auch aus Sicht von Pferdesport Deutschland ist die Reihenfolge klar. „Bei akuten Erkrankungen, Lahmheiten oder Schmerzen ist der Tierarzt immer die erste Wahl“, erklärt FN-Tierärztin Henrike Lagershausen. Ergänzende Therapien könnten im Einzelfall sinnvoll sein, sollten aber auf einer gesicherten Diagnose aufbauen und idealerweise in enger Abstimmung mit dem behandelnden Tierarzt erfolgen. Sie beobachte seit Jahren, dass das Angebot an ergänzenden Therapien rund ums Pferd wachse. Gleichzeitig sei es für Pferdehalter immer schwieriger geworden, die Qualität eines Angebots einzuschätzen.

„Viele Berufsbezeichnungen sind nicht geschützt“, sagt Lagershausen. „Der Titel allein sagt daher nichts darüber aus, wie umfangreich eine Ausbildung wirklich war.“ Besonders deutlich werde das am Beispiel der Zahnbehandlung. Während viele Pferdebesitzer sie als Routinepflege ansehen, gehört sie aus Sicht von Lagershausen zur medizinischen Versorgung und sollte fachgerecht durchgeführt werden. „Die regelmäßige Zahnbehandlung ist ein Muss“, sagt sie. „Sie gehört nicht in den Bereich der ergänzenden Therapien, sondern ist Teil der gesundheitlichen Grundversorgung.“

Zahnbehandlung beim Pferd

Besser nur mit Fachwissen: Wer an Pferdezähnen arbeitet, sollte sich zwingend fachlich fortgebildet haben. (© Christiane Slawik)

Pferde behandeln darf jeder – oder doch nicht?

Pferderechtsanwältin Christine Kornas kennt das Problem mit den „Nicht-Tierärzten“ und den Schadensfällen, die durch diese Berufsgruppe entstehen: „Diese Bezeichnungen sind rechtlich ungeschützt, das heißt, im Grundsatz darf sich jeder so nennen, ohne je eine einheitliche Ausbildung oder Prüfung absolviert zu haben. Fortbildungen, Zertifikate und private „Ausbildungen“ gibt es zahlreich, aber sie unterscheiden sich massiv hinsichtlich Dauer, Inhalt und Qualität.“

Auch Pferdesport Deutschland weist darauf hin, dass eine fundierte Ausbildung unerlässlich ist – unabhängig davon, ob jemand Tierarzt oder Therapeut ist. „Ein Wochenendkurs reicht nicht aus, um sich grundlegendes Wissen über Anatomie, Physiologie oder Biomechanik anzueignen“, so Lagershausen. Ein seriöser Anbieter müsse in der Lage sein, seine Ausbildung darzustellen und die Grenzen seiner Methode zu erkennen.

Zwischen Fortbildung und Fachwissen

In den vergangenen Jahren sei das Angebot an Aus- und Fortbildungen rund ums Pferd deutlich gewachsen. Nicht jede Fortbildung sei problematisch, sagt Koene – kritisch werde es, wenn komplexe Themen in sehr kurzer Zeit vermittelt werden sollen, vor allem, wenn vorher wenig Fachwissen vorhanden war. „Am Pferd braucht man nicht nur Handgriffe, sondern klinisches Denken“, erklärt er.

Anatomie, Schmerzgeschehen, Diagnostik und Grenzen der eigenen Methode lassen sich nicht an einem Wochenende lernen.
– Dr. Marc Koene –

Woran erkenne ich einen seriösen Therapeuten?

Ein guter Anbieter kann erklären …

  • … welche Ausbildung er hat,
  • … wie lange diese gedauert hat,
  • … wo er praktische Erfahrung gesammelt hat,
  • … wo seine Grenzen liegen,
  • … wann ein Tierarzt hinzugezogen werden muss, wenn er selbst keiner ist.

Misstrauisch sollte man werden, wenn jemand …

  • … Diagnosen ohne Untersuchung stellt,
  • … Heilversprechen gibt,
  • … alles allein behandeln will,
  • … tierärztliche Diagnostik ablehnt.

Pferdezähne: Zählt Spezialisierung mehr als der Titel?

Wie unterschiedlich die Wege in einen Beruf sein können, zeigt sich besonders deutlich in der Pferdezahnmedizin. Der Tierarzt und Pferdedentalpraktiker Souel Maleh beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit diesem Bereich und war lange im Vorstand der Internationalen Gesellschaft zur Funktionsverbesserung der Pferdezähne (IGFP) aktiv. Für ihn ist die entscheidende Frage nicht, ob jemand Tierarzt ist oder nicht, sondern wie intensiv er sich mit dem Thema Pferdezähne beschäftigt hat.

Was ist die IGFP?

Die Internationale Gesellschaft zur Funktionsverbesserung der Pferdezähne (IGFP) ist ein Zusammenschluss von Pferdedentalpraktikern und Tierärztinnen/Tierärzten, der sich mit Ausbildung, Prüfung und Qualitätsstandards in der Pferdezahnbehandlung beschäftigt. Die IGFP bietet Fortbildungen in der Pferdezahnmedizin, eine Prüfung/Zertifizierung für Zahnbehandler, Qualitätsrichtlinien und internationale Zusammenarbeit im Bereich Equine Dentistry.

Im Tiermedizinstudium wird nur sehr wenig Zeit auf die Zahnmedizin verwendet.
– Souel Maleh –

Pferde behandeln: Warum Spezialisierung entscheidend ist

„Eine mehrwöchige spezialisierte Ausbildung kann in diesem Bereich mehr vermitteln als das Grundwissen aus dem Studium.“ Gleichzeitig betont er, dass auch eine kurze Ausbildung allein nicht ausreicht. Entscheidend sei, dass das Wissen überprüft werde und dass Behandler ihre Grenzen kennen. Deshalb setze die IGFP auf Prüfungen und Zertifizierungen, die sowohl Tierärzte als auch Nicht-Tierärzte ablegen können. „Es gibt sehr gute Tierärzte und sehr gute Nicht-Tierärzte – und es gibt in beiden Gruppen auch schlechte – eigentlich wie in allen anderen Bereichen des Lebens auch“, sagt Maleh mit einem Augenzwinkern.

„Wichtig ist, dass er erklären und auch beweisen kann, dass er sein Handwerk wirklich beherrscht.“ Ein besonderes Problem sieht er darin, dass Pferdebesitzer die Qualität einer Zahnbehandlung kaum beurteilen können. Während man bei einem Huf oder einem Sattel eher erkenne, ob etwas passt, bleibe die Arbeit im Maul für den Laien weitgehend unsichtbar. „Gerade deshalb braucht es Standards und Prüfungen“, sagt Maleh. „Sonst kann niemand unterscheiden, wer gut ausgebildet ist und wer nicht.“

Wer sedieren darf – und warum das so wichtig ist

Auch Tierarzt Dr. Carsten Vogt, der seit vielen Jahren auf Pferdezahnheilkunde spezialisiert ist, sieht die Situation differenziert. Für ihn ist ein tiermedizinisches Studium jedoch eine wichtige Grundlage. „Aber auch Tierärzte müssen sich dann spezialisieren. Man wird nicht automatisch ein guter Zahnbehandler, nur weil man Tierarzt ist“, sagt Vogt.

Spezialisierte Tierärzte hätten in seinen Augen viel mehr diagnostische als auch therapeutische Möglichkeiten – darunter Sedation, Anästhesie, Röntgen und weitere bildgebende Diagnostik, Anwendung von Schmerzmitteln, chirurgische Techniken. Es sei schlichtweg notwendig, ein Grundverständnis der Abläufe im Pferdekörper zu haben.

Pferde behandeln: Kürzung der Schneidezähne

Kürzung der Schneidezähne: Das lässt in der Regel kein Pferd in wachem Zustand zu, sodass spätestens bei diesem Handgriff eine Sedierung vonnöten ist – und deshalb ein Tierarzt/ eine Tierärztin anwesend sein muss. (© Christiane Slawik)

Pferde behandeln ohne Untersuchung

Besonders kritisch sieht er Behandlungen ohne ausreichende Untersuchung oder ohne Sedierung, vor allem, wenn dadurch wichtige Befunde übersehen werden. „Wenn die Qualität der Behandlung davon abhängt, wie brav ein Pferd ist, dann kann das nicht richtig sein“, sagt er. Gleichzeitig betont auch Vogt, dass es nicht um ein Gegeneinander von Tierärzten und Dentalpraktikern gehe. Entscheidend sei, dass jeder seine Grenzen kenne und dass im Zweifel eine medizinische Diagnostik an erster Stelle stehe.

Zum Thema Sedierung hat Souel Maleh eine andere Meinung. In seinen Augen ist eine Sedierung zwar in vielen Fällen sinnvoll und bei bestimmten Eingriffen auch unverzichtbar. Sie sollte jedoch nicht automatisch bei jeder Routinebehandlung erfolgen. Entscheidend sind vielmehr eine gründliche Voruntersuchung und die Erfahrung des Behandlers, ist er überzeugt. Viele Pferde ließen sich durchaus auch ohne Sedierung behandeln, wenn sie korrekt vorbereitet würden und der Behandler ruhig arbeite.

Tierarzt, Therapeut, Trainer: Nur gemeinsam funktioniert es

Gleichzeitig betont Maleh, dass Schneidezahnkorrekturen oder umfangreiche Eingriffe schlichtweg nur unter Sedierung möglich seien und dass diese grundsätzlich in tierärztlicher Verantwortung liegen müssten. Für ihn liegt die Lösung deshalb nicht in einem „Sedieren oder nicht sedieren“, sondern in einer engen Zusammenarbeit zwischen Tierarzt und spezialisierten Zahnbehandlern, bei der medizinische Maßnahmen beim Tierarzt bleiben, während Routinebehandlungen von qualifizierten Fachleuten durchgeführt werden können.

Trotz unterschiedlicher Positionen sind sich viele Fachleute in einem Punkt einig: Entscheidend ist nicht die Berufsbezeichnung, sondern die Qualität der Arbeit. Sowohl Tierärzte als auch spezialisierte Therapeuten können wichtige Aufgaben übernehmen – vorausgesetzt, sie kennen ihre Grenzen und arbeiten zusammen.

Huf wird behandelt

Korrekt so? Beim Schmied geht es los, aber es betrifft auch die Zahnbehandlungen beim Pferd, einen Besuch beim Physiotherapeuten oder beim Sattler: Wen lassen wir ans Pferd? (© Christiane Slawik)

„Ziel sollte immer sein, dass Tierarzt, Therapeut, Trainer und Hufschmied miteinander arbeiten. Nur so lässt sich für das Pferd das bestmögliche Ergebnis erreichen“. meint Henrike Lagershausen von Pferdesport Deutschland. Auch Souel Maleh plädiert dafür, starre Fronten zu vermeiden. Routinebehandlungen könnten durchaus von spezialisierten Behandlern durchgeführt werden, solange medizinische Diagnostik und Therapie in tierärztlicher Hand blieben.

Zwischen Anspruch und Realität

Dass diese Zusammenarbeit leider nicht immer funktioniert, zeigt sich jedoch immer wieder im Alltag der Pferdebesitzer und -besitzerinnen. Viele Betroffene, aber auch zufriedene Kunden erzählen davon, dass die Dentisten selbst die Pferde mit Pasten sedieren, die sie sich verbotenerweise von Tierärzten besorgt haben. Pferde seien durch die nicht ausreichende Betäubung unruhig gewesen, und es sei zu Zwischenfällen gekommen.

Pferderechtsanwältin Christine Kornas beleuchtet erneut die rechtliche Lage: „Ein nicht approbierter Pferdedentist darf daher weder selbst sedieren noch eigenverantwortlich invasive Zahnbehandlungen durchführen. Wer als nichttierärztlicher Pferdedentist trotzdem sediert oder tiefgreifende Zahnbehandlungen vornimmt, verletzt damit nicht nur seine vertraglichen Pflichten gegenüber dem Pferdebesitzer. Er verstößt zugleich gegen Tierschutz und berufsrechtliche Vorgaben und riskiert zusätzlich damit eine Haftung aus unerlaubter Handlung und Probleme mit seiner Haftpflichtversicherung.“

Warum wir oft den Falschen vertrauen

Sie rät Pferdebesitzern dazu, grundsätzlich nachzufragen, ob ein Tierarzt beteiligt ist und wer sediert beziehungsweise ob sediert wird. Man solle sich Qualifikation und Versicherungsschutz des Behandlers erläutern lassen und im Zweifel lieber eine tierärztliche Zweitmeinung einholen, bevor umfangreiche Eingriffe vorgenommen werden. Geht bei der Behandlung nämlich etwas schief, haftet der Verursacher.

„Wir vertrauen gerne unseren Miteinstallern, weil sie uns ähnlich und oft genau hierdurch auch sympathisch sind. Alles rund ums Pferd ist emotional behaftet – und da vertrauen wir lieber mal unserem Bauch als unserem kritischen Blick und rationalem Denken. Genau das gilt auch, wenn wir vermeintlichen „Gurus“ vertrauen“, gibt Kornas zu bedenken.

Informiert entscheiden statt blind vertrauen

„Genau diese Personen haben ein selbstsicheres Auftreten, geben Heilversprechen ab, setzen uns unter Druck und tun Dinge, die qualifizierte und seriöse Therapeuten nicht tun oder sagen würden“, so die Pferderechtsanwältin weiter, „Selbst wenn wir kurz zweifeln, werden Gegenargumente genannt und auf zahlreiche erfolgreich therapierte Pferde verwiesen – und wenn das allen so toll geholfen hat, wäre ich ein schlechter Pferdehalter, wenn ich die Chance nicht nutze.“

Prof. Dr. Kathrin Schütz ist Psychologin und kennt das Problem des guten Glaubens vieler Besitzer, wenn es um die Behandlung des Pferdes geht: „Viele Tierärzte nehmen sich nicht die Zeit, uns genau zuzuhören oder geben auch mal schlechte, aber realistische Prognosen ab. Wir möchten aber Einfluss nehmen, die Kontrolle haben und wollen natürlich nur das Beste für unser Pferd. Die „Gurus“ nehmen sich Zeit, hören uns zu, schenken uns Hoffnung mit anderen Methoden, die wir vielleicht noch nicht ausprobiert haben.“

Pferde behandeln: Spritze geben

Tierärzten und Tierärztinnen vorbehalten: Medizinische Handgriffe dürfen nur von Fachpersonal ausgeführt werden. (© Christiane Slawik)

Pferde bewusst behandeln lassen

Um den bestmöglichen Behandlungserfolg für das Pferd zu erreichen, ist jedoch vor allem bei Nicht-Tierärzten eine gute Recherche oder zumindest ein Gespräch vor der Behandlung erforderlich. Hilfreiche Leitfragen vor einer Beauftragung sollten daher die Frage nach der Ausbildung und praktischen Erfahrung sein und ob es sich bei der Leistung um eine Dienstleistung oder eine Leistung eines Werkvertrages handelt.

Ob eine Berufs- oder Betriebshaftpflichtversicherung besteht und ob eine schriftliche Vereinbarung über die Behandlung getroffen wird oder zumindest im Nachgang eine aufgeschlüsselte Rechnung zu erwarten ist. Denn wer bewusst auswählt, genau hinschaut und nachfragt, reduziert das Risiko für das Pferd.

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