Frau striegelt ihr Pferd © Christiane Slawik

Putzen, Massagen und viel gemeinsame Zeit stärken die Bindung.

Das Putzen des Pferdes ist weit mehr als ein Reinigungsvorgang. Die tägliche Pflege trägt zum Wohlbefinden des Pferdes bei und bietet die Gelegenheit, Veränderungen frühzeitig wahrzunehmen. Gleichzeitig lässt sich das Pferd dabei aufmerksam beobachten – eine Chance, die im Stallalltag häufig unterschätzt wird.

Damit die tägliche Putzroutine tatsächlich zur Gesunderhaltung beiträgt, kommt es jedoch nicht allein darauf an, dass das Fell am Ende sauber ist. Einige verbreitete Fehler können dazu führen, dass wichtige Signale übersehen oder empfindliche Bereiche unnötig belastet werden.

Nahaufnahme Striegeln vom Pferd

In kreisenden Bewegungen zu putzen regt die Durchblutung an (© Christiane Slawik)

Fehler 1: Beim Pferd putzen Warnsignale übersehen

Beim Putzen geht es nicht nur darum, Staub und Schmutz aus dem Fell zu entfernen. Die tägliche Pflege ist außerdem der ideale Zeitpunkt, das Pferd aufmerksam zu beobachten. Wer sein Pferd regelmäßig gründlich putzt, lernt dessen Normalzustand kennen und bemerkt Auffälligkeiten häufig früher.

Dazu gehört weit mehr als ein kurzer Blick über das Fell. Wie verhält sich das Pferd? Frisst es wie gewohnt? Sind Augen und Ohren aufmerksam? Gibt es Auffälligkeiten beim Kot- oder Harnabsatz? Auch Schwellungen, kleine Verletzungen oder ungewöhnliche Wärme- beziehungsweise Kältebereiche an der Haut können während der Putzroutine auffallen.

Welche Gesundheitswerte sollte man kennen?

Regelmäßige Gesundheitschecks erhöhen die Chance, Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Zusätzlich fällt es dem Besitzer im Ernstfall leichter, dem Tierarzt Auffälligkeiten präzise zu schildern. Deshalb lohnt es sich, beim Putzen nicht nur auf ein sauberes Fell zu achten, sondern das Pferd jedes Mal bewusst in Augenschein zu nehmen.

Zum Gesundheitscheck gehört auch, die individuellen Normalwerte des eigenen Pferdes zu kennen. Besteht der Verdacht auf ein gesundheitliches Problem, liefern Puls, Atmung und Körpertemperatur wichtige Hinweise. Wer diese Werte im gesunden Zustand kennt, erkennt Abweichungen häufig schneller.

Nahaufnahme: Putzen vom Pferd

Beim regelmäßigen Putzen kann das Pferd auf Verletzungen hin untersucht werden. Außerdem stärkt der Kontakt die Bindung zwischen Pferd und Mensch. (© Frank Sorge)

Fehler 2: Das Putzen nur als Reinigung sehen

Striegeln und Bürsten reinigt nicht nur. Die tägliche Pflege regt die Durchblutung der Haut und des Unterhautbindegewebes an und wirkt gleichzeitig wie eine Massage. Dadurch kann die Muskulatur gelockert und das Wohlbefinden des Pferdes gefördert werden.

Doch nicht nur einzelne Muskeln profitieren davon. Das regelmäßige Putzen bringt Bewegung ins Gewebe und trägt dazu bei, dass sich das Pferd körperlich wohler fühlt. Deshalb spielt die tägliche Pflege eine wichtige Rolle für Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und Widerstandskraft. Ein Pferd, das sich körperlich wohlfühlt und frei von Verspannungen bewegen kann, hat bessere Voraussetzungen, sich auch unter dem Sattel losgelassen zu bewegen. Deshalb heißt es nicht ohne Grund:

Gut geputzt ist halb massiert.

Beim Pferd putzen massieren

Gut geputzt ist halb massiert: Das gesamte Gewebe profitiert davon, nicht nur der einzelne Muskel. Regenerationszeiten nach dem Training oder auch nach Verletzungen verkürzen sich. (© FN Verlag)

Fehler 3: Alle Körperstellen vom Pferd gleich putzen

Nicht jede Körperregion verträgt die gleiche Pflege. Während sich grober Schmutz am Körper gut mit Striegel und Bürste lösen lässt, benötigen empfindliche Bereiche deutlich mehr Vorsicht. Besonders der Kopf sollte ausschließlich mit einer weichen Bürste geputzt werden. Augen und Nüstern werden anschließend behutsam mit einem feuchten Schwamm von Schmutz und Sekret befreit. Wichtig ist außerdem, für diese empfindlichen Bereiche verschiedene Schwämme zu verwenden.

Der Striegel eignet sich zum Lösen von grobem Schmutz am Körper. Für Kopf und Beine ist er jedoch zu grob und sollte dort nicht verwendet werden. Hier kann die empfindliche Haut unnötig gereizt werden. Wer empfindliche Körperstellen vorsichtig pflegt und die passenden Putzutensilien verwendet, reinigt das Fell gründlich, ohne die Haut unnötig zu reizen.

Schweif wird gebürstet

Der Schweif sollte nicht zu oft trocken gekämmt werden, um die Haare zu schonen (© Christiane Slawik)

Fehler 4: Die Hufe nur schnell auskratzen

Für viele gehört das Auskratzen der Hufe vor dem Reiten zur Routine. Häufig geht es dabei jedoch nur darum, Steine oder Schmutz zu entfernen. Dabei bietet gerade dieser Moment die Gelegenheit, die Hufe genauer zu kontrollieren. Erst wenn die Hufe gründlich gesäubert sind, lassen sich Fremdkörper, Verletzungen oder gelockerte Hufeisen zuverlässig erkennen. Deshalb sollte beim Auskratzen sorgfältig gearbeitet werden, ohne dem Pferd mit dem Hufkratzer wehzutun.

Der Blick sollte dabei nicht am Huf enden. Auch die Fesseln verdienen Aufmerksamkeit, denn hier können sich beispielsweise Mauke oder Pilzerkrankungen entwickeln. Sind Hufe und Fesseln sauber, lassen sich solche Veränderungen deutlich leichter erkennen.

Fehler 5: Ein nasses Pferd wie gewohnt putzen

Hat sich das Pferd auf der Weide im Schlamm gewälzt, ist der Griff zur Bürste oft die erste Reaktion. Doch genau das ist keine gute Idee. Auf nassem Fell wird der Schmutz beim Putzen häufig noch tiefer in das Haarkleid eingerieben. Außerdem können leichter Scheuerstellen entstehen. Besser ist es, das Fell zunächst trocknen zu lassen. Je nach Jahreszeit kann hartnäckiger Schmutz auch vorsichtig mit sauberem Wasser entfernt werden. Wichtig ist anschließend vor allem, dass Sattel- und Gurtlage gründlich von Staub und Schmutz befreit werden, bevor das Pferd geritten wird.

Auch beim Abduschen gilt: Weniger ist oft mehr. Zu häufiges Waschen kann die natürliche Talg- und Fettschicht der Haut angreifen, die das Pferd schützt. Shampoo sollte deshalb nur sparsam eingesetzt werden. Beim Abduschen sollten empfindliche Bereiche wie Bauch, Rücken und Kruppe vorsichtig behandelt werden. Anschließend empfiehlt es sich, insbesondere die Fesselbeugen sorgfältig abzutrocknen.

Pferd wird abgeduscht

Im Sommer kann das Pferd circa einmal pro Monat mit einem Shampoo gewaschen werden, ansonsten reicht auch einfaches Abspritzen mit Wasser (© Panthermedia)

Fehler 6: Putzzeug gemeinsam nutzen und selten reinigen

Nicht nur das Putzen selbst spielt für die Gesundheit des Pferdes eine Rolle, sondern auch der Zustand des Putzzeugs. Werden Bürsten und Schwämme von mehreren Pferden gemeinsam genutzt, können Krankheiten oder Ungeziefer leichter von einem Tier auf das nächste übertragen werden.

Idealerweise besitzt deshalb jedes Pferd sein eigenes Putzzeug. Ebenso wichtig ist es, die Utensilien regelmäßig zu reinigen und bei Bedarf zu desinfizieren. Nur saubere Bürsten entfernen Schmutz zuverlässig, ohne ihn immer wieder ins Fell einzubringen. So lässt sich das Risiko verringern, Krankheiten oder Ungeziefer im Stall weiterzugeben.

Fehler 7: Nicht auf die Reaktionen des Pferdes achten

Das Putzen ist nicht nur Fellpflege, sondern auch eine Form der Kommunikation. Viele Pferde zeigen während der täglichen Pflege sehr deutlich, welche Berührungen sie genießen und wo ihnen etwas unangenehm ist. Wer diese Reaktionen aufmerksam beobachtet, erhält wichtige Hinweise auf das körperliche Befinden seines Pferdes.

Lehnt sich ein Pferd beim Putzen gegen die Bürste, streckt sich genüsslich oder entspannt sichtbar, kann das ein Zeichen dafür sein, dass es die Massage als angenehm empfindet. Zieht es dagegen den Bauch ein, legt die Ohren an oder weicht bestimmten Berührungen aus, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Solche Reaktionen können auf schmerzhafte oder verspannte Bereiche hindeuten.

Pferd entspannt sich beim Putzen

Durch das Putzen kommt es zu einer generellen Entspannung und zu einem angenehmen Wohlbefinden (© FN Verlag)

Welche Veränderungen fallen beim täglichen Putzen auf?

Gerade weil das Putzen täglich stattfindet, fallen Veränderungen häufig früher auf als bei einer kurzen Kontrolle auf der Weide. Reagiert das Pferd plötzlich anders als gewohnt oder zeigt an bestimmten Stellen Abwehrverhalten, sollte das ernst genommen und die Ursache abgeklärt werden.

Wer sich beim Putzen Zeit nimmt und die Reaktionen seines Pferdes bewusst wahrnimmt, entfernt deshalb nicht nur Schmutz aus dem Fell. Die tägliche Pflege wird zusätzlich zu einer wertvollen Möglichkeit, das Wohlbefinden des Pferdes einzuschätzen und mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen. Darüber hinaus schafft das Putzen täglichen Kontakt zwischen Mensch und Pferd. Die gemeinsame Zeit kann das Vertrauen stärken und macht die Fellpflege zu weit mehr als einer festen Stallroutine.

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