Zwei Reiter im Sonnenuntergang © Christiane Slawik

Beim Galoppieren bergauf streckt sich die Rückenmuskulatur des Pferdes.

Das Gelände fordert Pferd und Reiter anders als ein Reitplatz. Unterschiedliche Böden, Steigungen, Gefälle und wechselnde Umgebungen stellen beide immer wieder vor neue Aufgaben. Gerade diese Vielfalt macht regelmäßiges Ausreiten zu einem wichtigen Baustein einer vielseitigen Ausbildung und fördert körperliche Fitness ebenso wie mentale Auslastung.

Regelmäßige Ausritte ergänzen die Arbeit auf dem Reitplatz sinnvoll. Während in der Halle gezielt an Lektionen und Hilfengebung gearbeitet wird, bietet das Gelände die Möglichkeit, das Erlernte unter natürlichen Bedingungen anzuwenden. Pferd und Reiter entwickeln dabei Kondition, Körpergefühl und Sicherheit im Zusammenspiel weiter.

Welche Vorteile hat Ausreiten für Pferd und Reiter?

Ausreiten wirkt sich auf viele Bereiche gleichzeitig aus.

  • Es fördert den Bewegungsapparat,
  • unterstützt die Ausbildung,
  • sorgt für mentale Abwechslung
  • und stärkt das Zusammenspiel zwischen Pferd und Reiter.

Gerade diese Kombination macht regelmäßige Ausritte zu einem wertvollen Bestandteil des Trainings. Pferde sind Lauftiere. Sie sind darauf ausgelegt, sich über weite Strecken zu bewegen. Wird ein Pferd überwiegend auf einem 20 x 40 oder 20 x 60 Meter großen Reitplatz gearbeitet, fehlt ihm diese natürliche Form der Bewegung.

Im Gelände kann es sich deutlich freier entfalten. Viele Pferde wirken dort motivierter, aufmerksamer und ausgeglichener als auf dem Reitplatz. Auch psychisch profitieren sie von der Abwechslung. Neue Wege, unterschiedliche Eindrücke und das Vorwärtsreiten sorgen dafür, dass viele Pferde entspannter werden. Nervöse Pferde finden draußen häufig mehr Ruhe, während eher triebige Pferde motivierter vorwärtsgehen. Zugleich stärkt das gemeinsame Erleben neuer Situationen das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter.

Unterschiedliche Böden fördern den Bewegungsapparat

Ein weiterer Vorteil des Ausreitens sind die wechselnden Untergründe. Während auf dem Reitplatz meist immer derselbe Boden zur Verfügung steht, wechseln sich draußen beispielsweise Waldwege, Sand, Wiesen oder befestigte Wege ab. Dadurch werden Sehnen, Bänder und Gelenke unterschiedlich beansprucht und an wechselnde Belastungen angepasst.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes Gelände für jedes Tempo geeignet ist. Tiefer oder rutschiger Boden sowie unebene Wege erfordern eine angepasste Geschwindigkeit. Wird das Pferd mit Augenmaß auf verschiedenen Untergründen geritten, fördert das langfristig die Stabilität und Anpassungsfähigkeit seines Bewegungsapparates.

Auch die natürlichen Gegebenheiten des Geländes machen das Training abwechslungsreicher. Bergauf- und Bergabreiten verändern den Schwerpunkt von Pferd und Reiter ständig. Beide müssen ihr Gleichgewicht immer wieder neu finden. Dabei werden Balance, Kraft und Trittsicherheit geschult, weil das Pferd seine Bewegungen den wechselnden Bedingungen immer wieder anpassen muss.

Reiter galoppiert im Gelände

Pferde können – in einem angepassten Tempo – über Feldwege, Waldböden und auch durch Matsch geritten werden. Das schult Balance und Gleichgewicht. (© Frank Sorge)

Wie Ausreiten die Ausbildung sinnvoll ergänzt

Viele Übungen, die auf dem Reitplatz erarbeitet wurden, lassen sich auch ins Gelände übertragen. Übergänge, Tempowechsel oder konzentriertes Vorwärtsreiten erhalten draußen oft eine neue Qualität, weil das Pferd die Hilfen auch außerhalb der gewohnten Umgebung sicher umsetzen muss.

Dabei zeigt sich häufig besonders deutlich, wie zuverlässig es auf die Signale seines Reiters reagiert. Gerade diese Übertragung des Erlernten macht das Gelände zu einer wertvollen Ergänzung der Ausbildung. Davon profitieren nicht nur junge Pferde. Auch erfahrene Freizeit- und Sportpferde gewinnen durch regelmäßige Ausritte an Gelassenheit, Fitness und Motivation.

Auch der Reiter profitiert vom Gelände. Anders als auf dem Reitplatz muss er sich ständig auf neue Gegebenheiten einstellen. Das verbessert nicht nur Balance und Sitzgefühl, sondern auch das Gefühl für Rhythmus, Tempo und die Bewegungen des Pferdes. Mit der Zeit entwickeln viele Reiter dadurch mehr Sicherheit und lernen, feiner auf ihr Pferd einzugehen.

Ab wann ist Ausreiten für junge Pferde sinnvoll?

Viele Reiter warten mit den ersten Ausritten, bis ihr Pferd vermeintlich „fertig ausgebildet“ ist. Dabei kann das Gelände die Ausbildung von Beginn an sinnvoll ergänzen. Junge Pferde lernen früh, unterschiedliche Eindrücke kennenzulernen und sich auch außerhalb des Reitplatzes auf ihren Menschen zu konzentrieren.

Entscheidend ist weniger ein perfekter Ausbildungsstand als vielmehr, die Anforderungen schrittweise zu steigern und das Pferd nicht zu überfordern. So wird das Ausreiten von Anfang an zu einem selbstverständlichen Bestandteil der Ausbildung.

Das Gelände eröffnet Trainingsmöglichkeiten, die sich auf dem Reitplatz nur eingeschränkt umsetzen lassen. Lange Strecken ermöglichen ein gleichmäßiges Vorwärtsreiten über einen längeren Zeitraum, ohne dass ständig gewendet werden muss. Dadurch kann das Pferd seinen natürlichen Bewegungsablauf nutzen und Muskulatur sowie Ausdauer kontinuierlich entwickeln.

Gleichzeitig bringt regelmäßiges Ausreiten Abwechslung in den Trainingsalltag. Viele Pferde verbinden den Reitplatz mit konzentrierter Arbeit, während das Gelände neue Eindrücke und mehr Bewegungsfreiheit bietet. Dieser Wechsel kann die Motivation fördern und dazu beitragen, dass Pferde auch auf dem Reitplatz konzentriert und leistungsbereit bleiben.

Reiterin beim Ausreiten im Wald

Sowohl bei der Grundausbildung von Reitern als auch von Pferden ist das Reiten im Gelände ein unverzichtbarer Bestandteil. (© Jacques Toffi)

Was ein Galopp im Gelände bewirken kann

Zu den besonderen Vorteilen des Geländes gehört auch die Möglichkeit, das Pferd über längere Strecken kontrolliert zu galoppieren. Richtig eingesetzt ergänzt diese Gangart das Training sinnvoll, weil das Pferd seinen natürlichen Bewegungsablauf nutzen und gleichzeitig Kraft, Kondition und Gymnastizierung verbessern kann. Im Galopp kann das Pferd seinen Rücken frei aufwölben und seinen gesamten Bewegungsablauf gleichmäßig nutzen. Voraussetzung ist ein ruhiges, kontrolliertes Tempo und ein leichter Sitz des Reiters.

So arbeitet die Muskulatur gleichmäßig, ohne das Pferd unnötig zu belasten. Gerade die Kombination aus langen geraden Strecken und einem ausbalancierten Reitersitz macht den Galopp im Gelände zu einer wertvollen Ergänzung des Trainings.

Reitsportler im Gelände

Ausreiten gehört längst nicht nur zum Training von Freizeitpferden. Auch viele Dressur-, Spring– und Vielseitigkeitspferde werden regelmäßig im Gelände geritten. Für sie bietet der Geländeritt einen sinnvollen Ausgleich zur täglichen Arbeit auf dem Reitplatz und ergänzt das Training um Bewegungsabläufe, die sich in der Halle nur eingeschränkt umsetzen lassen. Gerade deshalb ist das Gelände auch im Leistungssport seit vielen Jahren ein fester Bestandteil der Ausbildung.

Was regelmäßiges Ausreiten langfristig bewirkt

Ausreiten ist weit mehr als eine Freizeitbeschäftigung. Richtig in das Training integriert, ergänzt es die Ausbildung auf sinnvolle Weise und bietet Pferd und Reiter Erfahrungen, die sich auf dem Reitplatz nur eingeschränkt sammeln lassen. Gerade diese Verbindung aus Bewegung, Abwechslung und gemeinsamen Erlebnissen macht regelmäßige Ausritte zu einem festen Bestandteil einer vielseitigen Ausbildung.

Wer das Gelände regelmäßig und mit Augenmaß in den Trainingsalltag einbezieht, schafft damit eine wertvolle Grundlage für ein leistungsbereites, ausgeglichenes und vielseitig ausgebildetes Pferd.

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