Ein Feuerwerk namens WM in Aachen.
Aachen ist in diesen Tagen die große Bühne des Pferdesports. Zehntausende Menschen auf den Tribünen, volle Ränge, internationale Aufmerksamkeit – und eine Eröffnungsfeier, bei der auch ein Gedanke eine Rolle spielte, der weit über Medaillen und sportliche Erfolge hinausgeht: das Pferd als Kulturgut. Doch wie viel trägt eine Veranstaltung dieser Größenordnung tatsächlich dazu bei, Pferd und Pferdesport wieder stärker in der Mitte der Gesellschaft zu verankern? Und was bleibt von der Strahlkraft eines solchen Großereignisses für den Pferdesport jenseits von Aachen?
Mit diesen Fragen haben wir uns bereits vor einigen Monaten beschäftigt. Damals sprachen wir im Rahmen unserer Recherche zum „Kulturgut Pferd“ auch mit Michael Mronz, Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH (ART). Seine Antworten sind angesichts der Weltmeisterschaften aktueller denn je.

Aachen im WM-Modus: Das Turniergelände ist herausgeputzt, die Pferdesportwelt zu Gast. Wie viel von der Begeisterung dieser Tage über die Weltmeisterschaft hinauswirkt, ist eine der großen Fragen für die Zukunft des Sports. (© Stefan Lafrentz)
Welche Bedeutung haben Traditionsveranstaltungen wie Aachen für den Pferdesport?
„Veranstaltungen mit großer Geschichte wie der CHIO Aachen verkörpern weit mehr als nur sportlichen Wettkampf. Hier treffen Leidenschaft, gelebte Kultur und gemeinsames Erleben aufeinander. Sie ermöglichen einmalige Momente für Aktive, Besucher und Partner, stehen für Zuverlässigkeit und Fair Play – und begeistern immer wieder neue Generationen. Auch künftig bleibt ihre Bedeutung als Innovationsmotor, Wertevermittler und Plattform für Begegnung und Weiterentwicklung des Pferdesports unverzichtbar.“
Klassische Reitturniere unter wirtschaftlichem Druck
Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen für klassische Turniere?
„Ein wesentlicher Aspekt ist der stetig wachsende Aufwand für wirkungsvolle Kommunikation: Es gilt, die vielfältigen digitalen und klassischen Kanäle individuell und zielgerichtet zu bespielen, was verstärktes Engagement und zusätzliche Kompetenzen erfordert. Der Aufbau zeitgemäßer digitaler Systeme zur Datennutzung und die Entwicklung neuer Eventformate sind ebenso gefragt. Gleichzeitig wird es herausfordernder, Partner zu gewinnen und langfristig zu binden, da Erwartungen und Rahmenbedingungen kontinuierlich im Wandel sind.“
Globales Sponsoring: Chance und Verpflichtung zugleich
Wie verändert internationale Finanzierung die Ausrichtung solcher Events?
„Die Unterstützung globaler Unternehmen wie Rolex, Mercedes-Benz, Allianz, Turkish Airlines oder Lindt versetzt uns in die Lage, höchste Maßstäbe zu setzen und international Maßstäbe zu definieren. Solche Kooperationen eröffnen zahlreiche Möglichkeiten, bringen jedoch auch zusätzliche Anforderungen hinsichtlich Professionalität, Markeninszenierung und Reichweite mit sich. Das Event gewinnt damit weltweit an Ansehen und steht zugleich in der Pflicht, Innovationsgeist und Offenheit auszustrahlen, ohne dabei die lokale Verankerung aus dem Blick zu verlieren.“
Was hat die große Bühne mit der Basis zu tun?
Eine Weltmeisterschaft kann Hunderttausende erreichen. Der Alltag des Pferdesports spielt sich jedoch meist weit entfernt von ausverkauften Stadien ab: in Reitschulen und Vereinen, auf kleinen Turnierplätzen und in ehrenamtlich getragenen Strukturen.
Welche Verantwortung – kulturell wie gesellschaftlich – tragen Leuchtturmveranstaltungen gegenüber der Basis des Sports?
„Events wie der CHIO Aachen setzen Impulse, inspirieren die gesamte Szene und fördern Austausch zwischen den Ebenen des Sports. Sie geben wichtige Orientierungspunkte, stoßen Projekte für Nachwuchs, gesellschaftlichen Zusammenhalt oder Inklusion an. Mit unseren Angeboten beim CHIO Aachen CAMPUS schaffen wir gezielt neue Zugänge und Möglichkeiten – offen für alle Menschen und Altersgruppen, unabhängig von ihrem Background.“
Wie bleibt der Pferdesport gesellschaftlich relevant?
Am Ende geht es damit um eine Frage, die während einer Weltmeisterschaft leicht in den Hintergrund geraten kann: Wie gelingt es, die Begeisterung, die ein volles Stadion in Aachen erzeugt, über solche besonderen Tage hinauszutragen?
Was braucht es aus Ihrer Sicht, damit der Reitsport in Deutschland langfristig zukunftsfähig bleibt?
„Nachhaltig erfolgreich kann der Pferdesport nur sein, wenn Offenheit für Weiterentwicklung mit der Bewahrung gewachsener Werte Hand in Hand geht. Besonders entscheidend ist eine gezielte Förderung junger Talente, ergänzt um moderne, attraktive Veranstaltungsmodelle auf allen Ebenen. Zudem bleibt der kontinuierliche Dialog mit allen Akteuren und eine ehrliche, klare Kommunikation unentbehrlich. Die Begeisterung für Pferdesport weiterzugeben, sehen wir als zentrale Aufgabe – und als entscheidenden Faktor für eine lebendige, zukunftsfähige Sportkultur.“