Am Ende sind es die schweren Zeiten, die verbinden.
Flummi ist mittlerweile mein drittes Pferd. Trotzdem war für mich schnell klar, dass unsere Geschichte eine ganz besondere werden würde. Nachdem meine Stute Lady in Frührente gegangen war, begann die Suche nach einem neuen Pferd. Im Mai 2022 fanden wir schließlich Flummi bei einem Händler. Was danach folgte, waren die wohl schwersten Jahre meiner bisherigen Reiterlaufbahn.
Rückblickend glaube ich nicht, dass ich jemals so viel geweint habe wie in dieser Zeit. Schon direkt nach dem Kauf wurde klar, dass Flummi gesundheitliche Probleme hatte. Fast ein Jahr lang beschäftigte uns dieses Thema und verhinderte, dass wir überhaupt richtig zusammenfinden konnten. Sie war damals erst fünf Jahre alt und entsprechend unerfahren. Vieles, was ich heute an ihr liebe, konnte man zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht erkennen.
Die Beziehung zum Pferd begann nicht im Sattel
Die gesundheitlichen Probleme ließen langsam nach, doch Flummi stellte mich täglich vor neue Aufgaben. Der Weg zum Reitplatz konnte schon zur Geduldsprobe werden. Sie blockierte, bockte und akzeptierte viele Hilfen nicht. Reiterlich kamen wir kaum voran, obwohl ich alles versuchte. Über die Jahre holte ich mir Unterstützung von verschiedenen Trainern, doch der große Durchbruch blieb zunächst aus.
Trotzdem habe ich nie daran gedacht aufzugeben. Im Gegenteil: Je schwieriger die Situation wurde, desto mehr Zeit verbrachte ich mit ihr. Nicht nur im Sattel, sondern vor allem vom Boden aus. Wir haben unzählige Stunden miteinander verbracht, sind spazieren gegangen, haben gearbeitet, gekuschelt und einfach Zeit zusammen verbracht, und genau dort entstand unsere Verbindung.

Heute können die beiden auch sportliche Erfolge feiern – erarbeitet haben sie sich vor allem ihr Vertrauen zueinander. (© Photorocket)
Noch einmal ganz von vorne anfangen
Natürlich gab es Momente, in denen ich nicht mehr weiterwusste. Gerade im Springen landete ich immer wieder im Sand. Immer wieder stellte ich mir die Frage, warum wir einfach nicht vorankamen. Doch verkaufen kam für mich nie infrage, dafür hatten wir zu viel gemeinsam erlebt. Irgendwann entschied ich mich, noch einmal ganz neu anzufangen. Gemeinsam mit meiner Trainerin schraubten wir alles zurück und konzentrierten uns auf die Grundlagen.
Vertrauen, Bodenarbeit, Kommunikation und Verständnis füreinander standen plötzlich mehr im Mittelpunkt als sportliche Ziele. Rückblickend war das die beste Entscheidung, die wir treffen konnten. Seitdem hat sich die Beziehung zum Pferd komplett verändert. Unsere Bindung wurde stärker als jemals zuvor, und plötzlich begannen auch die Fortschritte unter dem Sattel zu kommen.
Was eine starke Beziehung zum Pferd ausmacht
Heute starten wir wieder auf Turnieren und finden langsam den Spaß am Sport zurück. Dabei geht es mir längst nicht mehr darum, unbedingt zu gewinnen oder eine Schleife mit nach Hause zu nehmen. Viel wichtiger ist das Gefühl, gemeinsam dort anzukommen und zeigen zu können, was wir uns über die Jahre erarbeitet haben. Inzwischen sind Flummi und ich ein echtes Team. Natürlich gibt es immer noch Herausforderungen, aber sie sind nichts im Vergleich zu all dem, was wir bereits gemeinsam gemeistert haben.
Wenn ich heute mit ihr über ein Geländefeld galoppiere, bin ich einfach nur glücklich und dankbar, dieses Pferd an meiner Seite zu haben. Vielleicht ist genau das der Grund, warum Flummi mein Herzenspferd ist. Nicht, weil alles von Anfang an leicht war, sondern weil wir uns jede kleine Selbstverständlichkeit gemeinsam erarbeitet haben. Denn am Ende sind es die schweren Zeiten, die verbinden.
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