Michelle mit Reitpony Goldi © Privat

In all der Eigenwilligkeit der kleinen Ponystute sah Michelle das Besondere. Den Kauf hat sie nie bereut und die beiden verbindet ein enges Band.

Goldi war eines der Schulponys in der Reitschule, in der ich reiten gelernt habe. Doch sie war nicht wie die anderen. Eigentlich mochte sie niemand so richtig. Viele waren sogar froh, wenn sie sie nicht reiten mussten. Sie galt als schwierig, wild und unberechenbar – ein Reitpony, das selten das tat, was man von ihm verlangte.

Aber genau das war es, was mich faszinierte. In all ihrer Eigenwilligkeit sah ich etwas Besonderes. Goldi war ein weißes Deutsches Reitpony mit auffallend blauen Augen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie meine Mutter sie beim ersten Anblick als „hässlich“ bezeichnete. Doch für mich war sie wunderschön – auf ihre ganz eigene Art. Sie hatte etwas, das man nicht erklären kann. Etwas, das man nur fühlen kann.

Vom Schulpferd zum Reitpony fürs Leben

Ich ritt sie jede Woche im Unterricht, und mit der Zeit wurde aus uns mehr als nur Reiter und Pony. Ich bekam sie als Reitbeteiligung, und langsam, Schritt für Schritt, wurden wir ein Team. Bald war ich die Einzige, die sie ritt. Zwischen uns entstand ein Vertrauen, das man sich nicht erzwingen kann – es wächst, wenn man sich wirklich aufeinander einlässt.

Eines Tages änderte sich alles. Die Stallbesitzerin erzählte mir, dass Goldi verkauft werden sollte. Es gab sogar schon Interessenten. Für mich brach eine Welt zusammen. Ich konnte mir nicht vorstellen, sie zu verlieren. Also begann ich zu kämpfen – ich wollte meine Eltern unbedingt davon überzeugen, Goldi zu kaufen. Nach langem Hin und Her geschah tatsächlich das Unglaubliche: Mein Vater ließ sich darauf ein, mir meinen größten Traum zu erfüllen.

Zwischen Hoffen und Entscheiden

Am 1. Januar 2015 zog Goldi bei uns ein. Von diesem Moment an begann unser gemeinsames Abenteuer. Wir verbrachten unzählige Stunden zusammen, ritten jeden Tag aus, entdeckten neue Wege, lernten das Springen und fanden schließlich sogar unseren Platz in der Vielseitigkeit. Zusammen sind wir über uns hinausgewachsen.

Heute ist Goldi 25 Jahre alt und seit elf Jahren an meiner Seite. Sie ist inzwischen in Rente und wird nicht mehr geritten. Doch das spielt keine Rolle. Jeden Tag bin ich dankbar, sie auf der Wiese zu sehen – gemeinsam mit meinen anderen Ponys, ruhig, zufrieden und einfach da. Goldi war nie das perfekte Pony. Aber sie war genau das perfekte Pony für mich.

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